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Unfallstatistik belegt positive Auswirkungen der Gurtpflicht / Hamelner Polizei nennt Beispiele

Ohne Lebensretter – seit 25 Jahren ist das teuer

Hameln-Pyrmont (tis). Morgen ist es genau 25 Jahre her, dass in Deutschland ein Bußgeld eingeführt wurde, wenn der Sicherheitsgurt im Fahrzeug nicht angelegt ist. Die Anschnallquote stieg damals deutlich an: von zuvor 60 auf 90 Prozent. Doch noch immer sind längst nicht alle Verkehrsteilnehmer angeschnallt, hat sich die Quote auf durchschnittlich 80 Prozent wieder verschlechtert, weshalb die Polizeiinspektion Hameln/Holzminden bei Verkehrsüberwachungen ein besonderes Augenmerk auf diese Verstöße hat. Denn: Der Gurt kann Leben retten.

veröffentlicht am 30.07.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 11.11.2016 um 11:41 Uhr

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Die Pflicht zum Anlegen des Sicherheitsgurts in Pkw (damals noch ohne Bußgeld) wurde in Deutschland 1976 eingeführt und war nicht unumstritten. Es gab Bürgerinitiativen und Demos, die dagegen plädierten. Der Dreipunktgurt wurde vom schwedischen Ingenieur Nils Bohlin entwickelt und wurde serienmäßig ab 1959 in alle Volvos eingebaut. Die Unfallstatistik bewies aber recht schnell, dass der Nutzen die Nachteile des Gurtes bei weitem überwiegt. Deshalb wird seit dem 1. August 1984 ein Bußgeld in Höhe von 40 Mark (inzwischen 30 Euro) erhoben, wenn man im Auto nicht angeschnallt ist. Laut Zahlen des Bundesverkehrsministeriums werden bei Verkehrsunfällen mit Personenschäden, in denen die Fahrer angeschnallt sind, 78,8 Prozent leicht verletzt, 7,7 Prozent schwer und nur 0,9 Prozent getötet. Bei nicht angeschnallten Fahrern dagegen gehen 7,6 Prozent der Unfälle tödlich aus, 19,9 Prozent werden schwer verletzt, und nur 58,8 Prozent kommen leicht verletzt davon.

Schlimme Folgen bei Nichtanlegen

„Das belegt: Der Sicherheitsgurt kann Leben retten. Auch einige Unfälle in jüngster Zeit im Hamelner Stadtgebiet oder ganz aktuell an der Kreisgrenze bei Bad Münder beweisen, dass hier der nicht angelegte Sicherheitsgurt zu schwersten bis tödlichen Verletzungen geführt hat“, bemerkt Polizeihauptkommissar Dieter Frede als Sachgebietsleiter Verkehr. Aber auch Positivbeispiele gibt es, wo der Sicherheitsgurt Schlimmeres verhindert hat, etwa bei einem Unfall auf der B 1 bei Aerzen vor kurzem. Heutzutage sind bundesweit 81,8 Prozent der weiblichen Autofahrer und 74,8 Prozent der Männer beim Autofahren angeschnallt. Bei Mitfahrern auf den Rücksitzen aber sind es nur noch 61,7 Prozent (Frauen) und 47,4 Prozent (Männer).

Im Bereich der Polizeiinspektion für die Landkreise Hameln-Pyrmont und Holzminden wurden im Jahr 2006 1666 Pkw-Insassen ohne Gurt angetroffen, 2007 waren es 2649, im vorigen Jahr 2996, und im ersten Halbjahr 2009 bereits 1497. „Der Anstieg der Zahlen ist darauf zurückzuführen, dass wir nach 2006 ein besonderes Augenmerk auf die Einhaltung der Gurtpflicht legen, um drastische Unfallfolgen zu mindern. Und wo genauer hingesehen wird, gibt es auch mehr Fälle“, erklärt Frede. Als Einnahmen aus den Bußgeldern verzeichnet allein der Landkreis als Verkehrsbehörde einen Betrag von rund 30 000 Euro.

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Die Polizei stellt bei den Kontrollen fest, dass in der Stadt und im Berufsverkehr die Anschnallquote höher ist als auf dem Land oder in verkehrsarmen Zeiten. Die Ausreden der Autofahrer, die sich nicht anschnallen, sind dagegen immer die gleichen: „Oh, habe ich vergessen“ oder „Ach, ich bin gerade erst losgefahren“, hören die Beamten immer wieder. „Und dann gibt es die Unbelehrbaren, die es aus Prinzip ablehnen, einen Gurt anzulegen“, erwähnt der Polizeihauptkommissar.

Besondere Vorsicht mit Kindern

Dabei ist von der Gurtpflicht nur befreit, wer ein ärztliches Attest und eine Ausnahmegenehmigung der Straßenverkehrsbehörde vorweisen kann. Laut Paragraf 21a der Straßenverkehrsordnung braucht man sich nicht anzuschnallen bei Fahrten mit Schrittgeschwindigkeit wie beim Rückwärtsfahren und bei Fahrten auf Parkplätzen; beim Haus-zu-Haus-Verkehr, wenn der Fahrer im Leistungs- oder Auslieferungsbezirk regelmäßig in kurzen Zeitabständen das Fahrzeug verlassen muss sowie Taxi- und Mietwagenfahrer bei der Fahrgastbeförderung.

Der Sicherheitsberater bei der Polizeiinspektion Hameln, Polizeihauptkommissar Andreas Hinz, verweist darauf, dass der Gurt oft nicht richtig angelegt wird. „Die Leute klagen nach einem Unfall über Schmerzen in der Schulter und Prellungen im Brustbereich und schimpfen auf den Gurt“, sagt er. Das liege aber daran, dass der Sicherheitsgurt nicht richtig angelegt wurde. Hinz: „Zum einen sollte man richtig im Sitz sitzen und dann den Gurt nach dem Anlegen nochmals festziehen. Nur einer, der eng am Körper anliegt, bietet optimalen Schutz.“ Das gelte besonders im Winter, wenn dicke Kleidung getragen werde. Und wer meint, im Zeitalter des Airbags sei der Gurt überholt, der irrt gewaltig. Denn seinen höchstmöglichen Schutz bietet der Airbag nur, wenn sich der Insasse im ausreichenden Abstand zu dem sich rasend schnell entfaltenden Luftkissen befindet.

Hinz und Frede ist es ein besonderes Anliegen, auf die Sicherheit der Kinder im Pkw hinzuweisen. „Gerade da nehmen es viele Autofahrer nicht so genau mit den Vorschriften“, bemerkt Frede. Doch besonders die jüngsten Verkehrsteilnehmer sollten nur in einem dem Alter entsprechenden Rückhaltesystem und nur angeschnallt mitgenommen werden. Und in einem Fahrzeug dürfen nur so viele Personen mitgenommen werden, wie Sitzplätze und Sicherheitsgurte vorhanden sind.



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