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Aktionswoche zum Thema Migration und Gesundheit

Ohne Deutschkenntnisse ist ein Arzt schwer zu finden

Hameln (eaw). „Haben Sie Zahnschmerzen, dann gehen Sie zum Zahnarzt, klar. Aber in einem Land, dessen Sprache Sie nicht können und dessen Gesundheitssystem das komplizierteste der Welt ist, sieht das anders aus. Wen fragen Sie da?“ So eine der Fragen, mit denen der Chefarzt des Kinder- und Jugendkrankenhauses Delmenhorst, Dr. Johann Böhmann, seinen Zuhörern die Problematik verdeutlichte. Rund 20 Prozent der Einwohner des Landkreises haben einen Migrationshintergrund, acht Prozent sind Migranten der ersten Generation. Und die, so der Integrationsbeauftragte des Landkreises, Dr. Feyzullah Gökdemir, haben mitunter große Schwierigkeiten, sich im deutschen Gesundheitswesen zurechtzufinden.

veröffentlicht am 29.11.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 05.11.2016 um 03:21 Uhr

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Im Rahmen der Aktionswoche „Migration – Gesundheit – Prävention“ sollen in zahlreichen Veranstaltungen Ist-Zustand und Perspektiven ermittelt werden. Getragen wird die von Gökdemir initiierte Reihe von Kooperationspartnern wie dem Familienbüro FiZ, der AOK, Dr. Paul Lohmann und der Hochschule Weserbergland.

Die rund 1,2 Millionen Migranten in Niedersachsen seien notwendig, um „den demografischen Wandel erträglich zu machen“, hätten aber den schlechtesten Zugang zur medizinischen Versorgung, bemängelte auch der stellvertretende Landrat Karl-Heinz Brandt in seinen Begrüßungsworten zur Eröffnung im Haus der AOK. Unter den Gästen waren neben Vertretern von Kreis, Stadt und Verwaltung auch die Landtagsabgeordneten Otto Deppmeyer und Ulrich Watermann. „Wen also fragen Sie? Natürlich vertraute Personen wie den Kioskbesitzer um die Ecke, jemanden aus Ihrer Gruppe, dem Sie vertrauen.“

Anhand von Praxisbeispielen ließ Böhmann deutlich werden, dass die jeweiligen Einstellungen, Haltungen und Erwartungen an Gesundheitssysteme innerhalb der unterschiedlichen Kulturen stark differieren.

Daher müsse eine bessere „Kultursensibilität“ entwickelt werden, zum einen hinsichtlich eigener Fehleinschätzungen („Ernährung etwa wird bei uns völlig überschätzt, Freunde sind wichtiger als eine verordnete Schulfrühstückskultur“), zum anderen im Hinblick auf kulturabhängige Einstellungen darüber, was eigentlich gesund sei und was krank mache.

Hierzulande bestehe eine absolute „Luxusmedizin“, eine „Überversorgung bei gleichzeitiger Fehlversorgung für schlecht informierte Migranten“. Es gelte daher vor allem, auf kommunaler Ebene geeignete Ansprechpartner zu schaffen. „Ganz im Stil der guten alten Gemeindeschwester oder der Hebamme.“

Kinder sind für Böhmann die eigentliche Zielgruppe für gesundheitliche Aufklärung. „Über die erreichen Sie die Eltern. Das ist eine unerhört lohnende Zukunftsinvestition.“ Komme allerdings zu normalen Migrationsrisiken wie beispielsweise Sprachdefiziten auch noch Armut, dann sinke die Chance, sich im Gesundheitswesen zurechtzufinden.

Kinderarzt Dr. Johann Böhlmann bei seinem Vortrag zur Eröffnung der Aktionswoche.

Foto: eaw



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