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Dechant Joachim Wingert geht in den Ruhestand

Offen für Veränderung

HAMELN. In Brühl bei Köln im Februar 1949 als Sohn eines oberschlesischen Vaters und einer Mutter aus dem Rheinland geboren, ist Joachim Wingert, Dechant des Dekanats Weserbergland, seit vielen Jahren doch ein echter Niedersachse geworden, der die gesamte Zeit seiner seelsorgerischen Tätigkeit im Bistum Hildesheim verbracht hat. Am Sonntag um 14 Uhr wird mit einem Festgottesdienst in der Kirche St. Augustinus in den Ruhestand verabschiedet.

veröffentlicht am 24.08.2017 um 19:01 Uhr

Joachim Wingert in der Kirche St. Augustinus mit der Statue des Kirchenheiligen im Hintergrund. Foto: wft
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Autor

Wolfhard F. Truchseß Reporter
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„Theologie habe ich studiert, weil ich immer Kontakt zu Priestern hatte“, erzählt er über seinen Werdegang. „Aber ich hatte auch Zweifel und habe nach dem Diplom noch ein paar Semester Erziehungswissenschaften für den Bereich Erwachsenenbildung drangehängt.“ Drei Jahre habe er dann nach Abschluss des Studiums als Gemeindehelfer in Wuppertal gearbeitet. „Heute nennt man das Gemeindereferent.“ Der Sinn sei gewesen: „Ich wollte mich als Assistent eines befreundeten Priesters noch einmal auf meine Eignung prüfen. Danach konnte ich sagen: Das ist das Richtige für mich.“

Eineinhalb Jahre dauerte dann die 1976 im Priesterseminar Hildesheim weitergeführte Ausbildung, die im Januar 1978 mit der Weihe in Göttingen endete. Das sei etwas ungewöhnlich gewesen, weiß Wingert, denn normalerweise finde die Weihe im Dom am Bischofssitz statt. „Aber man hat für einen älteren Kollegen, der aus der Nähe von Göttingen stammte, und mich mit meinem Wohnsitz in Hann. Münden eine Ausnahme gemacht.“

Ehe der Weg ihn nach Hameln führte, war der heute 68-Jährige Kaplan in Wolfenbüttel, Schulpastor am katholischen Gymnasium in Hildesheim und von 1990 bis 1997 Pfarrer in Burgdorf.

Nach Hameln kam Wingert im August 1997 als Nachfolger von Otto Pischel. Ein Jahr später wurde er zum Dechanten bestellt, ein Amt, vergleichbar mit dem eines Superintendenten. Was seine Zeit in Hameln besonders prägte, sei das hohe Maß an Konzentration auf soziale und karitative Aspekte in der Gemeinde von St. Augustinus mit Altenheim, Kita, Caritas und der Kolpingsfamilie gewesen. „Das war ungewöhnlich in dieser Konzentration“, blickt Wingert zurück, „das war schon eine geballte Ladung an Verantwortung.“ Das zweite prägende Element aber waren die Fusionen auf Dekanats- und Gemeindeebene. Denn aus den einst etwa 25 Gemeinden wurden mit der stark abnehmenden Zahl von Priestern zehn neue, großflächigere Gemeinden mit heute etwa 35 000 Gläubigen geformt. Nach der Fusion der beiden Dekanate Hameln-Pyrmont und Holzminden im Jahr 1996 werden im September 2012 als vorerst letztem Schritt die beiden Dekanate Hameln-Holzminden und Bückeburg aufgelöst und das heute bestehende Dekanat Weserbergland eingerichtet. „Es war ein Strukturwandel, der viele Jahre dauerte“, bilanziert Wingert, „da musste man offen sein für Veränderung.“ Für Veränderungen sorgten auch die Zuströme aus anderen Ländern. „Erst waren es die kroatischen Katholiken, von denen viele bei der AEG beschäftigt waren“, erzählt Wingert. „Und seit dem Fall des Eisernen Vorhangs haben wir eine starke polnische Fraktion in unseren Gemeinden.“

In den evangelischen Kirchen ist der Mangel an Pastoren mittlerweile durch zahlreiche weibliche Geistliche zumindest teilweise ausgeglichen worden. Kann Joachim Wingert sich das auch für die katholische Kirche vorstellen, wo Ämter bislang Männern vorbehalten sind? „Frauen als Priesterinnen“, antwortet er, „das wäre schon etwas Schönes. Aber die Kirche denkt ja in Jahrhunderten.“ Immerhin gebe es jetzt Überlegungen, in einem ersten Schritt die Funktion der Diakone für Frauen zu öffnen.

Was Joachim Wingert, privat gerne ein Krimi-Leser, an seiner Gemeinde St. Augustinus besonders schätzte? „Das war das hohe Maß an Kompetenz und engagierter Mitarbeit in der Gemeinde. Diese partnerschaftliche Arbeit im Kirchenbüro, in den Gremien der Gemeinde und des Dekanats und der Institutionen war wirklich etwas Besonderes.“ Nachfolger von Wingert wird Stephan Uchtmann aus Stadthagen. Er wird am 15. Oktober in sein Amt eingeführt.



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