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Warum der Hamelner Peter Matthias einst mit Marcel Reich-Ranicki in Briefkontakt stand

„Ob es bei euch noch so viele Ratten gibt?“

Hameln/Frankfurt. Als Peter Matthias am Mittwochabend vom Tod des Literaturkritikers Marcel Reich-Ranicki gehört hat, musste er zwangsläufig an diese Briefe denken. Briefe, die er dem Literaturpapst in den 1980er und 1990er Jahren geschrieben hatte. Und jene Briefe, die er einst von „MRR“ als Antwort aus Frankfurt erhalten hatte.

veröffentlicht am 20.09.2013 um 20:00 Uhr
aktualisiert am 03.11.2016 um 02:41 Uhr

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Autor:

Julia Marre
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Worum es in diesen Schriftstücken ging? „Damals haben wir viele Autorenlesungen in Hameln organisiert“, sagt der Seniorchef der Buchhandlung an der Bäckerstraße. „Im kleinen Haus der Weserbergland-Festhalle, im Spiegelsaal der Rattenfänger-Halle, aber auch bei uns in der Buchhandlung.“ Zu Gast waren alle paar Monate illustre Gäste der Literaturszene: etwa der Schriftsteller Stefan Heym, der Übersetzer und Literaturkritiker Hans Wollschläger, der russische Germanist Lew Kopelew – und mit Günter Kunert, Jurek Becker und Reiner Kunze auch aus der DDR ausgebürgerte Autoren. „Nur Marcel Reich-Ranicki war leider nie bei uns“, sagt Matthias. „Und das wollte ich ändern.“

Als im September 1987 Reich-Ranickis Essay-Sammlung „Thomas Mann und die Seinen“ erschien, nutzte Peter Matthias die Buchveröffentlichung, um Kontakt zum langjährigen Leiter der Literaturredaktion der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ aufzunehmen. Als Honorarvorschlag bot er dem späteren Moderator des „Literarischen Quartetts“ 1500 Mark für einen Leseabend in der Rattenfängerstadt an – und warb mit den Referenzen der prominent besetzten Hamelner Lesungen. Mit besten Grüßen schickte Reich-Ranicki im Dezember 1987 jedoch seine Absage nach Hameln. Er bedauerte, einen Besuch im Jahr 1988 in Hameln „aus Zeitgründen“ nicht einrichten zu können.

Doch Matthias ließ nicht locker: Am 26. Januar 1993 schrieb er erneut nach Frankfurt – und bereits zwei Tage später setzte der Kritiker das Antwortschreiben auf. Gern werde er nach Hameln kommen, „schon um mich davon zu überzeugen, ob es bei Euch noch so viele Ratten gibt“, schrieb Ranicki. Vorerst bat er jedoch um Geduld; ein Besuch in Hameln sei in den nächsten Monaten leider ausgeschlossen – und er sollte nicht nur im besagten Jahr ausgeschlossen bleiben.

2 Bilder

Buchhändler Peter Matthias (kl. Foto) bemühte sich vergeblich: Marcel Reich-Ranicki kam auch für ein Honorar von 1500 Mark nicht nach Hameln. Im Januar 1993 schickte der Literaturkritiker diesen Brief.dpa/pr



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