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Weihnachtsware im Handel – und wird „Herbstgebäck“ genannt

O du – früher Lebkuchen

veröffentlicht am 01.09.2016 um 19:25 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 12:46 Uhr

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Birte Hansen

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Birte Hansen-Höche Reporterin zur Autorenseite
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Nach dem Freibad direkt Dominosteine, Spekulatius, Zimtsterne shoppen – is’ alles da. Immer früher? Nein.

Ein am 1. September völlig genervter Pressesprecher der Aachener Printen- und Schokoladenfabrik Henry Lambertz GmbH & Co. KG weiß, dass er diese Art von Anfragen jetzt seit Tagen und überhaupt schon seit 2006 beantwortet. Und 2008 hätten sie zum ersten Mal eine Pressemitteilung dazu rausgegeben. Dieses Jahr aber noch nicht. Hätten sie’s mal getan, dann wäre ihm ein Gespräch erspart geblieben. Netterweise liefert er dann doch noch Antworten, zum xten Mal.

„Wir verzichten ja auf Sterne und Glocken auf den Verpackungen“, sagt er und klärt auf: Das, was der große Leckereienhersteller Lambertz produziert und an den Handel verkauft, sei ja Herbstgebäck. Herbstgebäck. Lebkuchen und Dominosteine haben also gar nichts mit Weihnachten zu tun. So sehr kann man irren. Jahrelang, Millionen Menschen. Der Verursacher dieser frühzeitigen Lebkuchen-Welle ist schnell ausgemacht. „Wenn die Verbraucher wirklich so genervt wären“, sagt der Pressesprecher, „würden sie’s nicht kaufen.“ „Kaufen sie’s denn?“ „Klar, sonst würde der Handel doch nicht seine Flächen dafür freiräumen.“

Der Anteil der genervten Verbraucher ist nach einer Umfrage, die das Meinungsforschungsinstitut YouGov für die Nachrichtenagentur dpa vor zwei Jahren machte, trotzdem hoch: 63 Prozent hatten sich damals von Festtagsgebäck und -naschereien schon im September genervt gezeigt. Sogar ein Verbot des frühen Aufgebots von Weihnachtsmann & Co. hatten immerhin 31 Prozent gefordert. Die Mehrzahl der über 1000 Befragten allerdings lehnte eine verbindliche Regelung ab. Es lebe der mündige Verbraucher. Übrigens hat der deutscher Verbraucher offenbar eine ganz andere Vorstellung von „Saison“ als der polnische. In Osteuropa nämlich, erklärt der Pressesprecher, seien Lebkuchen und Printen ganzjährig in den Läden zu haben.

„Immer Anfang September“, sagt eine Sprecherin von „Kaufland“. Es werde nicht „immer früher“. Bestätigt auch Kay-Uwe Hermasch vom E-Center Hermasch an der Lemkestraße in Hameln. „Es wird nicht wenig gekauft“, sagt Hermasch – und wären jetzt nicht gerade sommerliche Temperaturen, sondern 15 Grad, „würde sich keiner aufregen“. „Schokoladenhohlkörper“, wie Weihnachtsmänner in der Einzelhandelsjargon heißen, haben allerdings noch Schonzeit. Für den Rest gilt: Mindestens in den letzten zehn Jahren sei es immer die letzte Augustwoche gewesen, in der diese Waren aufgestellt würden. Natürlich müsste er nicht mitziehen, doch Hermasch ginge dadurch Umsatz durch die Lappen, weil die Leute es eben doch kaufen. Und er selbst? Nascht auch schon mal einen Dominostein.

Nicht nur Hersteller und Händler sind der Kalenderzeit voraus, auch Kinder fürchten offenbar, vom Leben (oder vom Weihnachtsmann) bestraft zu werden, sollten sie zu spät zu kommen. Schon 3000 Briefe waren bis zum 19. August beim größten deutschen „Weihnachtspostamt“ im brandenburgischen Himmelspfort eingegangen. Bis zum Ende der Wunschzettelsaison waren es im vergangenen Jahr 302 000. Ab Mitte November werden die Briefe dann beantwortet, auch im nahegelegenen Weihnachtspostamt Himmelsthür.

Wer öffentlich gegen all das frühe Zeug protestieren möchte, ist in der Facebook-Gruppe „Kein Lebkuchen vor dem 1. Advent“. Von einem Teilnehmer wurde die erste Fuhre Spekulatius schon am 18. August gesichtet und gepostet. Und wer bei 27 Grad keine Lust hat auf Dominosteine als Dessert nach der Grillwurst – lässt sie einfach liegen. Ich ernte heute jedenfalls nochmal Erdbeeren im Garten. Erdbeeren mit Domi…, hm. Schon gut. Aber schmeckt vielleicht gar nicht schleckt.



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