weather-image
Engpass bei der Suche nach Pflegeeltern / Infoveranstaltung am 21. Juni

Noch muss kein Kind ins Heim

HAMELN. 180 Kinder leben im Landkreis Hameln-Pyrmont derzeit in Pflegefamilien, 20 von ihnen in Hameln. 150 waren es vor 18 Jahren, im Jahr 2000. Der Anstieg über die Jahre wundert Annette Kleine-Gödde von der Teamleitung Pflegekinderdienst (PKD) wenig. Er ist ein Spiegel schwieriger gewordener Lebenssituationen, sagt sie. Immer schwieriger ist es seit einiger Zeit aber auch, Pflegefamilien für einen Dauerpflegeplatz zu finden.

veröffentlicht am 14.06.2018 um 14:27 Uhr
aktualisiert am 14.06.2018 um 18:10 Uhr

Ein Pflegekind dauerhaft aufzunehmen, bedeutet viel Verantwortung für die Pflegeeltern. Einen umfassenden Einblick gibt der Pflegekinderdienst Interessierten am 21. Juni. Foto: pixabay
Dorothee Balzereit

Autor

Dorothee Balzereit Reporterin / ViaSaga zur Autorenseite
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Von den zehn Kindern, die derzeit in der Bereitschaftspflege untergebracht sind, werden für sechs seit geraumer Zeit Pflegeeltern gesucht (bei den anderen vieren besteht noch die Chance, dass sie zu den leiblichen, Eltern zurückkehren dürfen), doch die Suche ist mühsam. Das Ergebnis des letzten Informationsabends für Pflegeeltern war mager: Von insgesamt fünf interessierten Familien und zwei Einzelpersonen kam am Ende nur eine Familie infrage. „Einen solchen Engpass hatten wir noch nie“, sagt Gödde. Bei einer Informationsveranstaltung möchte der Pflegekinderdienst deshalb Interessierten einen umfassenden Einblick geben.

Eine Erklärung für den Engpass ist, dass viele Interessierte nicht wirklich wissen, was auf sie zukommt. Da wäre zum Beispiel der Kontakt zu den leiblichen Eltern, der in einigen Fällen aufrecht erhalten wird. Theoretisch kann es passieren, dass diese ihr Kind wiederhaben möchten und einen entsprechenden Antrag stellen. „Das alles muss man aushalten können“, sagt Kleine-Gödde. Tatsächlich sei es in ihrer Zeit aber erst vier oder fünfmal passiert, dass ein Kind wieder in seine Ursprungsfamilie zurückgekehrt ist – jedes Mal im gegenseitigen Einvernehmen.

Die Kinder selbst sind heute häufiger als früher durch sogenannte Multiproblematiken in der Familie geprägt. Zur Sucht kommen oft Schulden, psychische Erkrankungen, instabile Familienkonstellationen und häufige Beziehungswechsel. „Teilweise habe ich drei Generationen einer Familie bei mir“, sagt Kleine-Gödde, die seit 35 Jahren im Jugendamt arbeitet.

Pflegeeltern brauchen also eine Menge Durchhaltevermögen. Neben der Lust am Familienleben und der Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, sind auch Belastbarkeit, Flexibilität und Bereitschaft zur Kooperation mit dem Jugendamt gefragt. Ein Pflegekind direkt nach Ankunft in der Familie in der Krippe oder Kita abzugeben, funktioniere nicht, da es anfangs sehr viel Aufmerksamkeit braucht. Ziel des PKD ist es, für das Kind die richtige Familie zu finden. Seine Bedürfnisse stehen im Vordergrund.

Einfach ein Kind aussuchen, das funktioniert also nicht. Natürlich wird Paaren aber alles, was das Jugendamt über das Kind weiß, erzählt. Dazu gehören problematische Familienkonstellationen ebenso wie medizinische Diagnosen. Die sind wichtig, wenn das Kind beispielsweise ein fetales Alkoholsyndrom hat, also der Alkoholkonsum der Mutter während der Schwangerschaft bleibende Schäden hinterlassen hat.

Aber nicht nur der Hintergrund des Kindes wird beleuchtet, auch bei der Pflegefamilie wird genau hingeschaut, manchmal bis in die Großelterngeneration. Mithilfe bestimmter Methoden wird versucht, emotionale Bindungen zwischen Familienmitgliedern und anderen Menschen aus dem sozialen Umfeld zu erkennen und zu bewerten. Dadurch zeigt sich beispielsweise der Zusammenhalt der Familie.

Und was, wenn die Motivation bei einigen Pflegeeltern nicht das Pflegekind selbst, sondern finanzielles Interesse ist? Kleine-Götte winkt ab. „Reich werden kann man damit nicht.“

Um mehr Eltern zu locken, wurden 2015 die Sätze die Pflegeeltern zustehen, angehoben. Der Anfangssatz liegt zwischen 700 und 1800 Euro und richtet sich nach Alter, Auffälligkeiten und Qualifikationen. Die Stufen richten sich zudem nach Alterskategorien. Viel gebracht hat es noch nicht. Deshalb gibt es Überlegungen, Pflegefamilien, zum Beispiel am Wochenende, zu entlasten. Auch beim Eltern der Pflegeeltern wird nicht mehr so streng geschaut: Die Grenze liegt zwischen 40 und 45 Jahren. Und wenn das alles nichts hilft? Dann bleibt der Weg in den Nachbarkreis. Findet sich dort auch nichts, bleibt nur der Weg ins Heim. „Bisher mussten wir noch kein Kind dorthin bringen“, sagt Kleine-Götte.

Donnerstag, 21. Juni, 19.Uhr, Sumpfblume. Neben Informationen durch den PKD berichten zwei erwachsene Pflegekinder und ihre Pflegemutter aus ihrem Alltag. Außerdem wird eine Pflegemutter zu Wort kommen, die erst seit Kurzem ein Pflegekind aufgenommen hat.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Anzeige
Weiterführende Artikel

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare

    Kontakt

    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt