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Kabarettisten-Ikone Hans Scheibner zieht im Lalu Bilanz

Noch längst nicht am Ende

veröffentlicht am 15.09.2016 um 19:09 Uhr
aktualisiert am 25.10.2016 um 10:36 Uhr

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Autor:

Ernst August Wolf
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HAMELN. Hans Scheibner ist eine Kabarettisten-Legende. Einer, der es auch im Alter von 80 Jahren nicht lassen kann. Auch seine Fan-Gemeinde ist in die Jahre gekommen. Gut 70 Hamelner waren zur „Dewezet-Nachtausgabe“ in den Hefehof gekommen, um den Altmeister bei seiner Geburtstagstournee im Lalu zu feiern.

Zusammen mit Berry Sarluis am Klavier, Thomas Biller (Bass) und dem Schlagzeuger Helge Zumdieck ließ Hans Scheibner in Liedern und Texten ein ganzes Kabarettistenleben Revue passieren. Vom bitterbösen „Mütterchen“, das seinerzeit nach kirchlichen Protesten vom WDR nicht mehr gespielt wurde, über jugendliche Texte wie „Ich möchte mal ein Gehirn zersägen“, das ihm ein erstes Engagement am Hamburger Theater 53 einbrachte, bis hin zu Klassikern wie „Schmidtchen Schleicher“ und „Ich möchte so gern am Fließband steh’n“.

Erste zarte Liebesgeschichten, verpackt in spöttisch-beißende Sozialkritik, poetisch und zugleich voll Sprachwitz, hintersinnigen Reimereien und unmissverständlicher politischer Positionierung. Scheibner, das war und ist einer mit Ecken und Kanten, der auch hochbetagt und schwitzend im Lalu den Nerv der Zuhörer trifft. Kein auf Tagesaktualität und vordergründige Pointen abzielender Comedy-Fuzzi voller austauschbarer Beliebigkeit, sondern einer, der tiefer blickt und stets alles in die Waagschale geworfen hat. Einer, der nach seinem in Anlehnung an Tuchlosky getexteten Lied „Mit Mördern teilten sie (die Frauen) ihre Betten“ in der NDR-Talkshow erst die Kolumne im Hamburger Abendblatt, dann seine TV-Sendung „Scheibnerweise“ verlor. „Das war eben anders damals“, erinnert er sich wehmütig, „der Böhmermann hat seine Sendung behalten.“ Kabarett mit persönlicher Verantwortung also statt letztlich risikoloser und sprachentwerteter Pseudokritik. Scheibner trat und tritt für das ein, was er sagt.

Im Lalu lässt er Erinnerungen an diese heute selten gewordene Haltung wach werden. Und an Mitstreiter. Personen wie NDR-Unterhaltungschef Heinz Dunkhase, Helga Feddersen oder Uwe Friedrichsen; Erinnerungen an seine Brockdorf-Ballade, die er noch einmal in ganzer Länge singt. So wie seinerzeit vor Ort und mehr als 5000 Demonstranten unterm Gedröhn der Polizei-Hubschrauber. „… und das Volk hat Recht behalten“, stellt Hans Scheibner zufrieden fest.

Es ist ein ebenso spannender wie Respekt abnötigender Rückblick, den der seinerzeit als „Lästerlyriker“ gefeierte Kabarettist abliefert. Von den ersten populären Liedern wie dem Fließband-Song bis zum Lysistarata-Eklat 1985. Ein Rückblick freilich nicht ohne Wehmut. Mal voll altem fast zornigen Kampfgeist, dann wieder zart und poetisch. Doch nie resignierend. Altersmilde? Fehlanzeige. Eher 80 Jahre und auch ziemlich weise. „Im freien Fall“, so ein neuer Titel über die Vergänglichkeit des Lebens. Nein, auch mit 80 ist Scheibner noch längst nicht am Ende.



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