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Nordwestbahn schafft keinen ordnungsgemäßen und störungsfreien Betrieb

Noch immer chronisch unpünktlich

Hameln-Pyrmont. Seit Jahren ist die Nordwestbahn zwischen Bünde und Hildesheim chronisch unpünktlich. Der Coppenbrügger Jörg Scheling kommt deshalb oft zu spät zur Arbeit: „Das Einzige, was hier pünktlich funktioniert, ist die Abbuchung der monatlichen Kosten in Höhe von rund 160 Euro für mein Monatsticket.“

veröffentlicht am 28.04.2016 um 09:55 Uhr
aktualisiert am 27.10.2016 um 11:21 Uhr

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Autor:

Wolfhard F. Truchseß
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Hameln-Pyrmont. „Mal kommt der Zug verspätet, mal gar nicht: ,In den letzten Wochen oder gar Monaten war das eine Katastrophe’, sagt der Coppenbrügger Jörg Scheling, der mit der Nordwestbahn über Elze nach Hannover zur Arbeit fährt. Die Nordwestbahn, die auf der Strecke Bünde-Löhne-Elze-Hildesheim fährt, sei ,chronisch unpünktlich’.“ So begann am 13. Juli 2011 ein Bericht in der Dewezet, nur mit dem Unterschied, dass damals statt der Nordwestbahn (NWB) die Eurobahn im Mittelpunkt der Berichterstattung stand. Geändert hat sich seitdem nichts, wie Jörg Scheling jetzt berichtet. „Der Januar war eine absolute Katastrophe“, klagt der 53-Jährige. „Und das geht jetzt schon seit fünf Jahren so.“

Dem niedersächsischen Wirtschaftsministerium, das sozusagen die Aufsicht über die Regionalbahnen in Niedersachsen hat, hat Scheling am 31. Januar 2016 eine Auflistung der Zugverspätungen und Zugausfälle zugeschickt, die sich wie eine Gruseldokumentation liest: An 16 von 20 Arbeitstagen hatte die Nordwestbahn in elf Fällen in Coppenbrügge bis zu 56 Minuten Verspätung, an fünf Tagen fiel der im Fahrplan gelistete Zug komplett aus.

Für Scheling reicht es schon, wenn die NWB nur fünf Minuten Verspätung hat, um seinen Zug von Elze nach Hannover, den Metronom, zu verpassen. Denn die Umstiegszeit ist mit sechs Minuten knapp bemessen, zumal er noch den Bahnsteig wechseln muss. Die Folge: Scheling kommt mit unschöner Regelmäßigkeit zu spät zur Arbeit oder braucht einen Teil seiner durch Gleitzeit erwirtschafteten Freizeit in Elze oder Coppenbrügge wartend am Bahnsteig auf.

Zwar hat sich das Wirtschaftsministerium die von Scheling im Januar dokumentierten Fälle von der NWB und der Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen (LNVG) begründen lassen, an der Unpünktlichkeit der NWB hat dies nach Darstellung von Scheling bislang aber nichts geändert. Die Gründe für die Verspätungen waren nach Angaben des Ministeriums vielfältig: Störung an einem Bahnübergang, Signalstörung, Weichenstörung, Zugfolge, Stellwerkstörung, Einrichtung einer Langsamfahrstelle, Fahrzeugstörungen und kurzfristige Krankmeldungen von Triebfahrzeugführern. Auffällig sind dabei die unterschiedlichen Störungen im Bereich des Schienennetzes, das Eigentum der Deutschen Bahn (DB) ist, von ihr aber offenbar nicht ausreichend in Schuss gehalten wird. Dass häufig Triebwagen nicht zur Verfügung stehen, hat nach den Erkenntnissen von Scheling vorrangig damit zu tun, dass die NWB ihre Fahrzeuge nicht in der eigenen Werkstatt reparieren darf, sondern sie zum Hersteller Alstom gebracht werden müssen. Das koste natürlich zusätzlich Zeit, nimmt Scheling an, beklagt aber auch die Informationspolitik am Bahnsteig in Coppenbrügge, die von der DB in Göttingen geschaltet werde. „Erst werden zehn Minuten angezeigt, dann geht es im Fünf-Minuten-Rhythmus aufwärts bis zu 45 Minuten. Warum wird die Verspätung nicht gleich richtig angezeigt?“, fragt sich Scheling. Der Höhepunkt sei eine angezeigte Verspätungszeit von 470 Minuten gewesen. „Da sind die Fahrgäste natürlich gegangen, denn fast acht Stunden wollte niemand warten.“ Einen Grund für die Verspätungen der NWB in Coppenbrügge sieht Scheling in der Streichung einer zehnminütigen Pufferzeit, die es bis vor fünf Jahren in Hameln auf der Linie gegeben habe. „Seit die aufgehoben wurde, klappt er gar nichts mehr.“

Brauchbare Mittel, einen störungsfreien Betrieb der NWB auf der Strecke Bünde-Hildesheim sicherzustellen, hat die LNVG offenbar nicht, denn der Coppenbrügger erlebt weiterhin eine immer wieder verspätete NWB. Zwar spricht das Wirtschaftsministerium in einem an Scheling gerichteten Antwortschreiben von einer Reduzierung der Zuschüsse und Vertragsstrafen, wenn der vertraglich vereinbarte Zugbetrieb nicht ordnungsgemäß durchgeführt werde, doch ist bislang ein dauerhaft und weitgehend störungsfreier Betrieb nicht erkennbar. Schelings sarkastischer Kommentar dazu: „Das Einzige, was hier pünktlich funktioniert, ist die Abbuchung der monatlichen Kosten in Höhe von rund 160 Euro für mein Monatsticket.“

Für eine Stellungnahme zu Schelings Vorwürfen war die Pressestelle der Nordwestbahn nicht zu erreichen.



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