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Das einstige Wäsche-Model Christel Tolske beim Ü-50-Casting

Noch einmal auf den Laufsteg

veröffentlicht am 12.09.2016 um 15:48 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 13:04 Uhr

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Dorothee Balzereit

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Dorothee Balzereit Reporterin / ViaSaga zur Autorenseite
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„Eine Minute lang allein auf dem Catwalk – macht was draus!“ sagt Trainerin Monika Tschosek. Christel Tolske macht was draus. Mit 13 anderen Ü-Fünfzigerinnen läuft sie zum zweiten mal in 14 Tagen über den Laufsteg, der in der Firma Möbel-Heinrich extra für die Show aufgebaut wurde. Sie ist nicht nur Ü-50, sondern sogar Ü-70. 77 Jahre, um genau zu sein. Ein bisschen Überwindung habe es sie schon gekostet, anzurufen, und sich bei dem Contest, bei dem jeder neugierige zuschauen kann, anzumelden, sagt sie. Gesucht werden Models, die Mode für Frauen ab 50 präsentieren können. Keine Topmodels mit Idealmaßen ab 1.75 Meter, sondern Frauen, mit denen sich potenzielle Käuferinnen in den Mode-Läden der Provinz identifizieren können. Christel Tolske gefällt es, das für den Job Frauen mit realistischen Maßen gesucht werden: „Versuchen sie mal, schöne Mode ab Größe 40 in den Läden zu finden“, sagt sie und verdreht die Augen.

Vor allem natürlich sollen die Frauen rüberkommen, sagt Monika Tschosek, motorisches Verständnis haben, Teamgeist zeigen, lächeln und laufen können. Letzteres konnte Christel Tolske schon vor 50 Jahren, als sie als „Wäschemodel“ im Geschäft Kreibich in der Osterstraße auf und ab lief. 17 war die gelernte Friseurin damals und ganz schmal. Die Besitzerin des Ladens hatte sie in dem Stück „Peterchens Mondfahrt“ im Theater gesehen und angesprochen. Vielleicht lag es daran, dass sie einen Engel spielte. Oder an der vielen Gymnastik die sie früher betrieben hat, vermutet Christel Tolske. Gut bewegen konnte sie sich nämlich schon immer. Abgesehen davon seien sie damals „einfach irgendwie gelaufen.“ Die erste Schau mit Models fand dann im Foyer des Theaters statt, „rappelvoll war’s“, sagt sie. Präsentiert wurden Wäsche und Brautkleider. Später führte Christel das neueste vom Neuesten dann direkt bei Kreibich vor.

Rund 50 Jahre später tragen die Finalistinnen bei Möbel Heinrich einen selbstgewählten Schwarz-Weiß-Look. Christel Tolske hat sich für Hose und ein lockeres Oberteil entschieden. Während sie selbstbewusst auf die Jury zugeht, schießt ihre Freundin mit dem Handy Fotos. Christel ist aufgeregt, aber man sieht auch, wieviel Spaß sie hat. Der überwiegt bei allen, niemand wird unter Druck gesetzt, schließlich ist man nicht bei Heidi Klum.

Große Resonanz beim Ü-50-Casting bei Möbel-Heinrich: Frauen mit „Realmaßen“ zeigen, dass man auch im besten Alter attraktiv aussehen kann. Die Teilnehmerinnen hatten sichtlich Spaß an der Präsentation. Foto: doro

Unter Konkurrentinnen dann aber doch. „Ich hab‘ ihr ihren Trick geklaut, hat sie behauptet“, erzählt eine andere Bewerberin ihrer Begleitung. Eine weitere, die eigentlich für diesen Tag gar nicht mehr eingeladen worden war, ist dennoch gekommen, um der Jury die Chance zu geben, die vermeintliche Fehlentscheidung zu revidieren. Nicht wenige haben den Weg von Hannover auf sich genommen, um dabei zu sein.

Zum Beispiel Heike (52), für die der Spaß im Vordergrund steht und die ihre ganze Familie mitgebracht hat. Oder Heidi (53), die in der Vorrunde der letzten Woche mit ihrer Freundin angereist ist. Die beiden haben gleich noch ein schönes Frauenwochenende in Hameln drangehängt. Und auch Monika Tschosek mag es, mit den Ü-50erinnen zu arbeiten. Weil der Mut, sich schick zu machen und in dieser Form zu präsentieren, die Frauen verändere. „Für mich ist deshalb jede eine Siegerin. „

Tschosek arbeitet seit 30 Jahren selbstständig in dem Gewerbe. Erst als Model, später als Trainerin, sogar eine Revue nah am Thema („Shoes“) hat sie inszeniert. Mit dem eigenen Älterwerden hat sich ihr Blickwinkel geändert. Heute möchte sie Frauen vermitteln, dass Attraktivität jenseits der 50 möglich ist. Model-Contests dieser Altersklasse in Möbelhäusern veranstaltet sie seit acht Jahren. Den Gewinnerinnen winkt neben kleineren Preisen die Möglichkeit, bei Modenschauen für Boutiquen und auf Messen in Möbelhäusern gebucht zu werden. Mehr als ein Zuverdienst sei es nicht, räumt Tschosek ein. Sie selbst profitiert unter anderem davon, wenn sich die Frauen entscheiden, bei ihr einen Model-Workshop zu buchen.

Auch an diesem Tag muss eine Entscheidung getroffen werden. Christel Tolske ist heute leider nicht unter den drei Ersten. Aber das macht ihr nichts aus. Sie hatte ja nicht mal mit der nächsten Runde gerechnet. Gewonnen hat Olga Delzer, eine elegante, nicht übermäßig schlanke, aber wohlproportionierte 57-Jährige aus Hannover, die zuvor überaus selbstbewusst und vor allem mit geradem Rücken über den Laufsteg flaniert ist. Olga hatte sich aus Neugier angemeldet. „Meine Frau ist eben ein offener Typ“, sagt ihr Ehemann, dem der Stolz ins Gesicht geschrieben ist.



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