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Graugänse starten auf einer Wärmflasche ins Leben / Drittes Küken fällt Vogel zum Opfer

Nobby und Nobby sind die Stars am Teich

Hameln (mo). Noch bewegen sie sich etwas tollpatschig auf ihren langen Beinen. Bei der Körperpflege des Brustgefieders verlieren sie öfter mal das Gleichgewicht. Dann fällt ihr Hintern ins Gras und ihre überdimensional großen Füße rudern Halt suchend in der Luft. Was soll’s, sie lernen ja noch fürs Leben. Und süß sind sie: Allein schon durch ihr grün-graues flaumiges Federkleid, die noch stummelig erscheinenden Flügel und die dunklen Augen haben sie einen extrem hohen Niedlichkeitsfaktor. Was auch an den verzückten Blicken ihrer Beobachter am Hamelner Restaurant „Seehof“ zu erkennen ist. Dort nämlich geht – nein: watschelt – das Graugans-Geschwisterpaar dicht hintereinander auf ihren Entdeckungstouren durch die Gegend. Hin und wieder gibt es für das Geschwisterchen einen Schnabelhieb in dessen Flaumfedern – Streitigkeiten wie in jeder normalen Familie.

veröffentlicht am 03.05.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 06.11.2016 um 11:41 Uhr

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Doch was ist für „Nobby“ und „Nobby“, so werden gleich beide gerufen, schon eine normale Familie? Sie wachsen bei einer Gastfamilie auf, denn Jaklin, Michael und Patrick Fricke haben sich ihrer angenommen. Ihre leiblichen Eltern meinten es wahrlich gut mit ihrem geplanten Nachwuchs, als sie sich im Frühjahr auf die Suche nach einer Behausung für die Eiablage machten und fündig wurden. Exponierte 1A-Lage-Immobilie mit Rundum-Seeblick und Einflugmöglichkeit von allen Seiten: Das auf Töneböns Teichen schwimmende Entenhaus sollte ihr Traum-Hausboot sein. Ein Wassereintritt in einen der Schwimmpontons sorgte dann allerdings dafür, dass das Haus in Schieflage geriet und vier Eier aus dem Nest kullerten.

„Die kriegen die nicht mehr zurückgerollt und lassen sie liegen“, weiß Michael Fricke von seinen langjährigen Beobachtungen am Teich. „Man könnte auch weggucken“, so der Naturfreund. Der Inhaber vom „Seehof“ fackelte jedoch nicht lange und statt der wohligen Wärme unter den Daunenfedern der Gänsemutter sorgte eine Brutmaschine für das Ausbrüten der Eier. „Alle drei bis vier Stunden die Eier drehen, wenden und ordentlich feucht halten. Gänseeier brauchen viel Feuchtigkeit.“

Es klingt fast nach einem Kochrezept, wie der Restaurantinhaber von der 28-tägigen Brutpflege spricht. Der Küchenchef serviert übrigens Gänsebraten vorzugsweise „gefüllt mit Stollen und Weißbrot, eingepinselt mit Salzwasser. Dazu Klöße mit Rotkohl oder Rosenkohl. Gegebenenfalls Süßkartoffeln mit Mangofilet“. Die beiden Nobbys, die nach zwei Tagen auf einer Wärmflasche ihre ersten Gehversuche unternahmen, landen jedoch garantiert nie in der Bratröhre.

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Die juvenilen Graugänse sollen sich im Sommer ihren Artgenossen anschließen. So wie es auch die Graugans aus dem vergangenen Jahr tat, die Familie Fricke damals großzog. Dieser Nobby – so heißen eigentlich alle Ziehkinder bei Frickes – ließ sich noch oft blicken, bis im Herbst ein nahe dem Naturschutzgebiet gezündetes Höhenfeuerwerk die Tiere in Panik geraten ließ. Für Fricke ist es heute noch ein Rätsel, warum dort ein Feuerwerk genehmigt wurde.

Eine Stunde am Tag verbringen die zwei „Anser anser“, so der lateinische Name der Graugans, inzwischen auf dem Wasser, tauchen in der Regentonne ab oder ziehen nahe dem Ufer des Tönebön-Teiches ihre Runden. Und speziell dort wirft Frickes Sohn Patrick ein waches Auge auf die Küken. Hier lauert eine natürliche Gefahr aus der Tiefe, Raubfische wie Hechte oder Welse verschmähen keine Jungvögel. Die Gefahr aus der Luft musste das dritte Gänseküken am eigenen Leib spüren. Innerhalb einer Minute, in der die Tiere nicht beaufsichtigt waren, holte sich ein Vogel das Junge. Jaklin Fricke tippt auf eine Krähe: „Das ging so schnell. Das muss eine Krähe gewesen sein, die war auch schon wieder hier.“

Patrick Fricke überwacht erste Schwimmversuche der Junggänse in der Regentonne. Unten: Frühe Fotos der munteren Küken. Fotos: fn



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