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Landwirte empfehlen bei Feldbereisung Gülle-Import aus dem Weser-Ems-Gebiet und Cloppenburg

Nitratgehalt weit unter Grenzwert

Hameln. Die gute Nachricht: Die Nitratbelastung des Hamelner Trinkwassers ist seit Einleitung einer schonenden Bedüngung der Felder in den Trinkwassergewinnungsgebieten von knapp 30 Milligramm pro Liter auf weniger als 20 mg/l gesunken und liegt damit deutlich unter dem vorgegebenen Grenzwert von 50 mg/l. Die schlechte Nachricht: Der Kooperation Trinkwasserschutz IG Weser mit elf Wasserversorgungsunternehmen werden für ihre zusammen 27 Trinkwassergewinnungsgebiete für den Haushalt von 2013 bis 2017 deutlich weniger Mittel vom Land zur Verfügung gestellt. Im Vergleich zum vorigen Fünfjahresplan sinkt die Zuweisung von 3,0 auf 2,2 Millionen Euro. Einen Teil der Reduzierung um nahezu 30 Prozent wollen die Wasserwerke aus eigenen Mitteln ausgleichen, um die Zusatzberatung der Landwirte nicht über Gebühr senken zu müssen und die suboptimale Düngung der Felder weiter zu gewährleisten. Das wurde gestern auf der 23. Feldbereisung der Stadtwerke Hameln mit 65 Teilnehmern aus der Land-, Forst- und Wasserwirtschaft, des Naturschutzes, der Boden- und Geowissenschaften, der Kommunalpolitik sowie zuständiger Fachbehörden mitgeteilt.

veröffentlicht am 10.06.2013 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 03.11.2016 um 20:41 Uhr

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Autor:

Wolfhard F. Truchseß
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Hauptthema bei dieser Feldbereisung mit Start in Voremberg und Zwischenstopps am Tünderanger beim Hof von Friedrich Hake sowie dem Hähnchenmäster Wilhem Siekmann in Völkerhausen mit 30 000 Tieren war die Frage, ob sich Biogasanlagen mit ihren Restsubstraten und Massentierhaltung mit dem Grundsatz des Trinkwasserschutzes in Einklang bringen lassen. Susanne Treptow, Geschäftsführerin der Stadtwerke Hameln, sieht darin derzeit kein Problem und verweist auf die rückläufige Nitratbelastung des Trinkwassers, stellt aber auch fest, dass nicht von den Pflanzen aufgenommene Nitrate natürlich irgendwann auch in den Hamelner Trinkwassergewinnungsgebieten auftauchen könnten.

Tatsächlich liegt der Nitrateintrag im Landkreis Hameln-Pyrmont mit 30 kg pro Hektar derzeit weit unter dem landesweiten Durchschnitt von 90 kg/ha und damit bei weniger als 20 Prozent der erlaubten Obergrenze von 170 kg/ha. Für die heimischen Landwirte ist dies eher ein Mangel, wie Friedrich Hake betont: „Der Mangel an organischem Dünger muss durch Mineraldünger ausgeglichen werden, der aus Mineralöl hergestellt wird. Das ist absolut nicht nachhaltig.“ Ausgleichen könne man dies am ehesten, wenn die teilweise über dem Grenzwert liegenden Überschüsse aus den Zentren der Massentierhaltung im Weser-Ems-Gebiet oder dem Landkreis Cloppenburg mit bis zu 210 kg/ha Nitrat in den Süden Niedersachsen transportiert und hier zur Düngung verwendet würden, auch wenn dadurch eine Art Gülle-Tourismus entstehe. Als entscheidend für die Nitrataufnahme durch die Pflanzen bezeichnet Agraringenieur Thomas Loges den Zeitpunkt der Ausbringung: „Sinnvoll ist das nur im Frühjahr, wenn die Pflanzen Nitratbedarf haben. Im Herbst ist das eher wie ein Verklappen.“

Hähnchenmäster Siekmann sieht mit seiner positiven Nitratbilanz kein Problem in der Ausbringung seiner Hähnchenstreu, ein großes dagegen darin, dass sein Pferdemist genau wie Hähnchenstreu behandelt wird und er jährlich eine teure Genehmigung für die Zwischenlagerung auf dem Feld beantragen muss. Auf die Gesetzgeber in Hannover ist er deshalb ganz schlecht zu sprechen.

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  • Frisch aufgestallte Küken bei Hähnchenmäster Siekmann. wft

Demonstration bei der Feldbereisung: Mit seinem Holmer Terra Variant bringt Landwirt Friedrich Hake (3.v.l.) die Restsubstrate seiner Biogasanlage zielgenau zehn Zentimeter unter die Bodenoberfläche zur Düngung der Pflanzen direkt an den Wurzelbereich.wft

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