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Ralf-Joseph Foit spielt seine Rolle seit 40 Jahren

Nikolaus mit Kindheitstrauma

HAMELN. Seit 40 Jahren, erzählt Ralf-Joseph Foit, schlüpfe er jährlich ins Nikolaus-Kostüm und ziehe damit durch mehrere Städte. Am Mittwoch besuchte er auch die Redaktion der Dewezet. Den Antrieb für sein Hobby erklärt er mit einem Kindheitstrauma.

veröffentlicht am 06.12.2017 um 17:21 Uhr
aktualisiert am 06.12.2017 um 18:00 Uhr

Seit 40 Jahren spielt Ralf-Joseph Foit den Nikolaus. Gestern besuchte er den Weihnachtsmarkt und die Redaktion der Dewezet. Foto: dana
Jens Spickermann

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„Der Nikolaus hat mich damals in einen Sack gesteckt, den Keller heruntergeschleppt und verprügelt“, sagt Foit. Der heute 60-Jährige wohnte seiner Erzählung zufolge als Junge im St-Hedwig-Kinderheim in Lippstadt. Als vor etwa 13 Jahren bundesweit über Misshandlungen in deutschen Kinderheimen zwischen 1950 und 1970 berichtet wurde, ging es wiederholt um dieses Heim.

Die Gewalt-Erfahrungen mit einem als Nikolaus verkleideten Lehrer, von denen Foit berichtet, scheinen zusammen mit anderen Misshandlungen in der Einrichtung bei ihm Spuren hinterlassen zu haben, die er auf seine ganz eigene Weise bewältigt: „Eine totale Ruhe geht in mir auf, wenn ich den Nikolaus spiele“, sagt Foit. Er freue sich darüber, dass auf dem Weihnachtsmarkt die Leute auf ihn einströmen und Fotos schießen. Es rühre ihn, wenn Kinder in Aufregung geraten, sobald sie ihn zu Gesicht bekommen. Geld nehme er für seine Auftritte nicht, denn er mache das auch für sich selbst – er möchte einen „guten“ Nikolaus darstellen, um den Prügel-Nikolaus seiner Kindheit zu verdrängen. „Die wollten uns damit auf dem falschen Wege erziehen“, erzählt er über seine Erfahrungen. „Neun Jahre Qual und Folter“ habe er in dem Kinderheim durchstehen müssen.

Seit 15 Jahren wohne er in Klein Berkel und trete seitdem jährlich in Hameln und den Nachbarstädten auf. Vorher sei er mit seinem Kostüm in Heidelberg unterwegs gewesen. „Ich werde manchmal auf der Straße angesprochen und gebucht“, erzählt er. Einmal habe es ihn sogar für einen Auftritt nach München verschlagen. Eine Bezahlung habe er auch dafür nicht haben wollen, sondern nur die Fahrtkosten erstattet bekommen. „Mir macht das einfach Spaß. Wenn ich strahlende Kinderaugen sehe, dann bringt mir das was“, sagt er.

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