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Trotzdem wieder fünf Prozent Dividende

Niedrigzinsen und zu viele Vorschriften bei der Volksbank

HAMELN. Es ist nicht nur die Niedrigstzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB), die der Volksbank Hameln-Stadthagen das Leben schwer macht, wie am Dienstagabend auf der Vertreterversammlung des Genossenschaftsinstituts im Weserbergland-Zentrum deutlich wurde. Es ist nach Angaben des Vorstandsvorsitzenden Michael Joop auch die überbordende Regulatorik und extreme Dokumentationspflicht, die die Arbeit der Volksbank belastet.

veröffentlicht am 21.06.2017 um 09:34 Uhr

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Wolfhard F. Truchseß Reporter
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Und dennoch: Trotz sinkender Zinserträge – das Zinsergebnis ging um 2,437 Millionen Euro auf 31,548 Millionen Euro zurück – hat das Institut im vergangenen Jahr seinen Jahresüberschuss dank eines auf 11,56 Millionen Euro gestiegenen Provisionsüberschusses von 2,822 Millionen Euro auf 2,875 Millionen Euro steigern können. Im Vergleich zum Jahr 2014 sind das allerdings 644 000 Euro weniger. An die knapp 44 000 Genossenschaftsmitglieder wird auch in diesem Jahr eine Dividende von fünf Prozent gezahlt – insgesamt 728 381,01 Euro.

Um den Ausfall der Zinsen und den dadurch ausfallenden Ertrag der traditionell hohen Kundeneinlagen langfristig zu kompensieren und die Bank mit sicheren Erträgen zu versorgen, „investieren wir in begrenztem Umfang in Immobilien“, wie Joop erklärte, „vornehmlich in Ballungsgebieten und größeren Städten“.

Wichtigster Treiber des wirtschaftlichen Wachstums sei auch im vergangenen Jahr der private Verbrauch gewesen, erklärte Joop. Aber auch das Bauhauptgewerbe habe seine Rekordjagd fortgesetzt. „Die Auftragsbücher der allermeisten unserer Geschäfts- und Firmenkunden waren randvoll“, bilanzierte Joop, was aber dazu geführt habe, dass die Inanspruchnahme von Betriebsmittelkrediten rückläufig gewesen sei. Trotzdem erhöhte sich die Kreditaufnahme insgesamt um 4,9 Prozent auf 196,5 Millionen Euro. Einschließlich der Kontokorrentkredite und geleisteter Bürgschaftsverpflichtungen wuchs das Kundenkreditvolumen nach Angaben des Vorstandsmitgliedes Nils Bradtmöller auf 743,9 Millionen Euro. Nicht nur auf der Kreditseite legte die Bank zu, auch die Summe der betreuten Kundengelder stieg zum Jahresende 2016 auf gut 2,7 Milliarden Euro. „Eine tolle Entwicklung“, wie Joop konstatierte. Den Gewinn vor Steuern gibt die Volksbank Hameln-Stadthagen für 2016 mit 15,108 Millionen Euro. „Damit haben wir im vergangenen Jahr ein zufriedenstellendes Ergebnis erwirtschaftet und sind dadurch wiederum in der Lage, unser Eigenkapital zu dotieren“, erklärte Bradtmöller. Aus den versteuerten Gewinnen würden zur Stärkung des Eigenkapitals dem Fonds für allgemeine Bankrisiken 6,95 Millionen Euro zugeführt. 4,55 Millionen Euro zahlt die Bank an Steuern – zu viel, wie Bradtmöller anmerkte. Weitere 2,153 Millionen Euro gehen in die Rücklagen der Bank.

Eine nicht enden wollende Papierflut geht uns aber einfach zu weit.

Michael Joop, Vorsitzender der Volksbank

Bei Negativzinsen, die an die EZB für Einlagen zu zahlen seien, und Niedrigstzinsen errechnete Joop für den Privatkundenbereich eine Marge von nur noch 0,20 Prozent und zog das Fazit: „Damit kann keine Bank der Welt leben oder überleben.“ Das derzeitige Zinsniveau sei nicht nur für die Banken Gift, betonte Joop, es sei auch für Altersversorger und Sparer „verheerend“. Denn unter Berücksichtigung einer Inflationsrate werde real Geld verloren. Die Folge: „Das Geldvermögen der Bundesbürger verliert derzeit 75 Milliarden Euro pro Jahr an Wert.“

Ausdrücklich begrüßte Joop einen „funktionierenden Verbraucherschutz“. Die vom Gesetzgeber auferlegten Dokumentationspflichten „und eine schier nicht enden wollende Papierflut gehen uns aber einfach zu weit“. Zumal es dem deutschen Gesetzgeber immer wieder gelinge, „auf die ohnehin schon umfangreichen Regelungen noch einen drauf zu setzen“. Dies sei keine Entwicklung wie die Digitalisierung; „wir sehen hier viel Willkür und Hoheitlichkeit“. Auch wenn mit der Meckerei eigentlich mal Schluss sein sollte, gebe die Bankenaufsicht immer wieder Anlass zu Kritik. In diesem Monat hätten alle deutschen Kreditinstitute wieder einmal an einer Zinsumfrage von Bundesbank und BaFin teilnehmen müssen. „Schier unglaubliche 1800 Datenfelder wurden abgefragt.“ Weil die aber nicht alle aus den IT-Systemen abrufbar seien, sei die Belastung für kleine und mittlere Banken „enorm groß“. Es sei gerade diese Regulatorik gewesen, die im vergangenen Jahr die Volksbank Bad Münder auf den Gedanken gebracht habe, Fusionsgespräche mit der Volksbank Hameln-Stadthagen aufzunehmen und die Fusion auch zu vollziehen.

Auf der Tagesordnung stand auch die Wiederwahl von drei Aufsichtsratsmitgliedern. Markus Baukmeier und Hans-Harm Damke wurden einstimmig bei jeweils einer Enthaltung wiedergewählt, Dr. Michael Knoche einstimmig im Amt bestätigt.

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