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Hamelner Musiker plädiert für „Dezibel-Regelung“

Nick March muss leiser spielen

HAMELN. Der Musiker Nick March spielt häufig in der Hamelner Innenstadt. Dabei hat er immer einen kleinen Verstärker, der ihm nun zum Verhängnis wurde. Weil sich jemand über die Lautstärke beschwerte, stoppte das Ordnungsamt den Auftritt. Eine generelle Dezibel-Regelung könnte solche Scharmützel verhindern, doch die Stadt hat Einwände.

veröffentlicht am 21.02.2019 um 12:42 Uhr

Nick March tritt immer mit Gitarre, Stimme und Verstärker auf. FOTO: PRIVAT
Birte Hansen

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Birte Hansen-Höche Reporterin zur Autorenseite
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Sollte er einfach nur Komplimente erheischen wollen, dann kann er seinen Auftritt in der Stadt und jenen im Internet bei Facebook als „vollen Erfolg“ verbuchen. Seine Geschichte geht so: Nick March, Hamelner Musiker, spielt – wie schon so oft – in der Hamelner Fußgängerzone vor der Sparkasse Gitarre und singt und wird – wie sonst eigentlich nie – vom Ordnungsamt nach fünf Liedern gestoppt, weil sich jemand über die Straßenmusik beschwert hatte. Tatsächlich hält Nick March sich an eine Regel nicht: Er spielt (immer) mit kleinem Verstärker, was offiziell nicht erlaubt ist und inoffiziell selten jemanden auf den Plan ruft. Nachdem er diesen kleinen ungewöhnlichen Zwischenfall im Internet veröffentlich hat, hagelt’s (mit einer Ausnahme) Lob, Anerkennung, Schulterklopfen für ihn und seine Musik. Zusammenfassung der fast 90 Kommentare: Zu laut sei er nie, so schön sei seine Musik, wie könne sich darüber nur jemand beschweren? Nick March selbst hinterfragt das Verstärker-Verbot.

Er spiele hauptsächlich Balladen, die von Natur aus leiser daherkommen, und daher setzt er auf den „Amp“. Der ist zwar fast überall verboten, werde aber oft geduldet. Was ihn ärgert: „Wenn ich mit einer akustischen Band mit lauten Instrumenten (Akkordeon, et cetera) da gewesen wäre, hätte ich ohne Probleme weiter machen können. So ist die Verordnung. Wenn wir ein Dezibelmessgerät dabei gehabt hätten (kann ich euch versichern), hätte es deutlich mehr gemessen als bei mir. Das finde ich nicht gerechtfertigt, und ihr? Ich erzähle hier aus der Praxis von über 50 Städten in 5 Jahren“, schreibt er online.

Bestätigen kann das wohl jeder, der dann und wann an Musikern mit diversen Instrumenten und lautem Gesang in der Innenstadt vorbeigeht. Trotzdem hält die Stadt von einer fair erscheinenden „Dezibel“-Regelung nichts.

„Dann müssten wir Messungen vornehmen“, entgegnet Pressesprecher Stadt Hameln, Thomas Wahmes, auf Anfrage. „Dann wird es kompliziert.“ Jetzt „haben wir eine lockere, unkomplizierte Regelung“, wirbt Wahmes für den Hamelner Umgang mit Straßenmusikern. Nick March kann das bestätigen. Sein Unmut galt nach seiner Schilderung auch weniger der Stadtverwaltung – als viel mehr den Hamelnern allgemein, denn: Ein kurzer Zuruf im Sinne von „Ey Nick, sei mal leise“ würde doch reichen, damit er leiser oder an anderer Stelle weiterspielt, wenn er vielleicht gerade stört. „Kurzes Gespräch, ich würde einpacken“, erklärt er.

Statt auf Gespräch auf Ordnungsamt zu setzen – davon hält er nichts. Dennoch: Einen Dezibel-Grenzwert fänd er fair. Zum einen könnten Musiker sich dann selbst kontrollieren, zum anderen könnte das Ordnungsamt – wenn es sowieso ausrückt, weil es gerufen wurde – vor Ort nachmessen. Wahmes allerdings hält das für nicht so einfach umsetzbar: „Wo sollen wir messen? In den Geschäften? In den Wohnungen?“ Wenige Tage später hat Nick March es dann bei erneut traumhaften Wetter wieder gewagt: an derselben Stelle, mit demselben Equipment. Ergebnis: Keine Klagen. Und: Er kommt wieder, mit Verstärker.

Information

Hamelns Regeln zur Straßenmusik

  • Musikgruppen von mehr als drei Personen benötigen für ihren Auftritt eine Sondernutzungserlaubnis der Stadt.
  • Bei Auftritten dürfen elektro-akustische Verstärker nicht eingesetzt werden.
  • Gewerbsmäßige Auftritte sind nicht erlaubt; dazu zählt auch der Verkauf von Musikträgern.
  • An einer (Spiel-)Stelle darf nur eine Stunde lang musiziert werden.
  • Die Benutzung von sehr lauten Trommeln oder ähnlich lauten anderen Rhythmusinstrumenten ist nicht gestattet.
  • An Werktagen ist die Straßenmusik nur zwischen 10 und 20 Uhr erlaubt, an Sonn- und Feiertagen ist Straßenmusik nur nach den üblichen Gottesdienstzeiten zulässig.
  • Finden erlaubte Veranstaltungen statt, ist Straßenmusik dort nicht gestattet.

Straßenmusik kann aus besonderen Gründen jederzeit von der Polizei oder vom Ordnungsamt unterbunden werden.



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