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Trends und Ladenhüter im Antiquitätenhandel / Johanna Franke ist seit 30 Jahren im Geschäft

Nicht alles Alte verkauft sich gut

Hameln. Olle Sachen? Die kommen in den Müll, gehören auf den Flohmarkt – oder sind als Rarität in Antiquitäten-Geschäften zu haben. Und dann richtig wertvoll. Wann aber ist so ein altes Stück nicht einfach nur „oll“, sondern eine Antiquität? Johanna Franke ist seit über 30 Jahren im Geschäft. Sie hat den geschulten Blick, ohne den sie in der Branche kein Bein auf den Boden bekäme. „Lernen? Nein, lernen kann man das nicht“, winkt sie ab: „Man muss einfach Erfahrungen sammeln.“ Und ein Händchen, ein Auge, vor allem aber Leidenschaft für alles besitzen, was alt und von Wert ist. Sie bezeichnet sich selbst als Autodidaktin: „Aber mir kann man so schnell nichts vormachen“, sagt die 55-Jährige.

veröffentlicht am 30.09.2013 um 20:00 Uhr
aktualisiert am 03.11.2016 um 01:21 Uhr

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Autor:

Karin Rohr
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20 Jahre war sie jung, als sie anfing, die Flohmärkte abzuklappern und Dinge zu sammeln, die es in ihrem Elternhaus nicht gab. „Ich gehöre ja noch zur Hippie-Generation“, erzählt Johanna Franke: „Damals gab’s kein Ikea, keine Einrichtungshäuser, keine Deko-Läden. Wenn wir uns von unseren Eltern unterscheiden und einen eigenen Stil entwickeln wollten, mussten wir bei Trödlern stöbern.“ So trug sie ihre ersten Schätze zusammen und machte später aus ihrer Passion einen Beruf. Die gebürtige Hannoveranerin, die seit 1985 in Hameln lebt, kam über Bodenwerder in die Weserstadt, betrieb hier schon an verschiedenen Standorten ein Antiquitäten-Geschäft, bevor sie in die Kleine Straße zog und dort mit 30 Quadratmetern Verkaufsfläche „ausgesprochen glücklich“ ist: „Selbst wenn ich doppelt so viel Platz hätte, würde ich nicht mehr verkaufen“, gibt sie ehrlich zu. Denn auch in der Antiquitätenbranche ist nichts mehr wie früher: „Bei uns hat sich einiges geändert“, sagt sie rückblickend: „Auch wir unterliegen Trends.“ Die Zeiten, in denen schöne alte Sachen als Wertanlage gehandelt wurden, seien vorbei: „Puppen, Gläser, Silber – dafür gab es früher passionierte Sammler, die damit ihre Vitrinen bestückten“, erzählt sie. W55er heute ein fein geschliffenes Glas kauft, will es benutzen – „und auch daraus trinken.“ Gläser seien daher nicht mehr so gefragt: „Die Kunden sind nicht bereit, den Preis zu akzeptieren, weil das Glas ja zerbrechen könnte.“ Schade, findet sie. Und ärgerlich, dass so viele Dinge, die alt und schön aussehen, längst billige Imitate sind, industriell gefertigt werden und in jedem Deko-Laden zu haben sind: „Alles, was trendy ist, wird sofort kopiert.“ Antiquitätenhändler wie Johanna Franke bekommen das zu spüren: „Da sagen die Kunden: Warum soll ich 30 Euro für ein Glas bezahlen, wenn ich ein ähnliches im Einrichtungshaus für 5 Euro bekommen kann?“ Nein, die Wertschätzung von Antiquitäten sei heute nicht mehr wie früher. Umso mehr freut es die Hamelnerin, wenn junge Leute in ihr Geschäft kommen und nach einem besonderen Geschenk suchen: „Am populärsten sind Silber, Schmuck und schöne Kästchen“, listet Johanna Franke auf. Auch antike Spiegel sind bei der jungen Generation beliebt: „Sie richtet sich zwar vorzugsweise modern ein, nimmt aber gern eine Antiquität dazu“, hat sie beobachtet. Haupt-Klientel aber seien die „Best Ager“. Und am begehrtesten sind auch bei ihnen Schmuck, Silber, Leuchter und antike Holzkästen. Aber auch Marmorbüsten und „Hotel-Silber“ würden gern genommen. Unter Letzterem versteht man: „Schüsseln und Schalen aus Cromargan im Art-Deco-Design“, erklärt die Expertin: „Das ist günstiger als Silber, aber sehr edel auf der Tafel.“ Vor allem in Frankreich finde man schönes „Hotel-Silber“.

Drei bis vier Mal im Jahr besucht Johanna Franke große Antiquitäten-Märkte, um dort einzukaufen. Zuletzt war sie im elsässischen Belfort: „Da sind rund 250 Anbieter vor Ort.“ Vor allem in Frankreich, aber auch in den Niederlanden wird sie fündig. Da habe der Handel mit Antiquitäten ja auch eine lange Tradition. Möbel? Nein, davon lässt Johanna Franke lieber die Finger. „Die verkaufen sich schlecht“, meint sie. Allenfalls Stühle und kleine Kommoden im trendigen Shabby Chic seien gefragt. Früher habe sie immer alles perfekt aufpolieren lassen: „Heute sage ich, lasst bloß die Gebrauchsspuren dran.“ So ändern sich die Zeiten. Und die Trends. Weiß ist der Hit: Ein Möbelstück in Weiß verkauft sich besser als in Nussbaum oder Mahagoni. Generell aber setzt die Antiquitäten-Händlerin auf die Dinge, die sich als besonderes Geschenk, als Tafel- oder Wandschmuck eignen.

Was für sie gar nicht infrage kommt? Da lacht Johanna Franke und hat gleich eine ganze Liste parat: „Zinn, Engelbilder, Porzellan mit Goldrand, Nähmaschinen und Bügeleisen, Spinnräder, Puppen und Puppenwagen, Teddys, Putten – das ist alles vorbei.“ Dafür gebe es keinen Markt mehr. „Sammeltassen würde ich nicht einmal geschenkt nehmen.“ Und auch für Textilien hat sie keinen Bedarf. Bleibt die Frage: Wann ist so ein olles Stück aus Omas Schrank eigentlich eine Antiquität? „Von Barock bis 1933“, sagt Johanna Franke. Nach Art Deco ist Schluss. Und Dinge, die aus einer Zeit vor dem Barock stammen, sind ohnehin kaum noch zu haben. Oder längst im Museum.

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Für antike Spiegel interessieren sich sogar junge Leute.


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