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Manche drücken sogar der deutschen Elf die Daumen – und „Schwalben“ können die anderen genauso gut

Nicht alle Italiener in der Region setzen auf Sieg

Hameln-Pyrmont. Gemeinhin sind die Italiener nicht gerade als große Diplomaten bekannt. Eher geht ihnen das mediterrane Temperament durch, auch und vor allem, wenn es um Fußball geht. Das wird heute Abend nicht anders sein, wenn die „Squadra Azzurri“ gegen Jogi Löws Elf im Halbfinale steht. Und doch sagen die in Hamen und Umgebung lebenden Italiener unisono: „Der Bessere soll gewinnen.“ Versteht sich, dass sie insgeheim aber trotzdem ihren Landsleuten die Daumen drücken. Wichtig scheint vor allem eines: Es wird gefeiert!

veröffentlicht am 28.06.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 06.11.2016 um 02:21 Uhr

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Autor:

Christa KochUnd Dorothee Balzereit
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Salvatore Cali etwa freut sich schon seit Tagen auf die Begegnung der beiden Favoriten. Der Wirt der Pizzeria „Roma“ in der Baustraße ist optimistisch, dass er heute Zeit finden wird, um gemeinsam mit der ganzen Familie und vielen Freunden – Italienern, aber auch Deutschen – in seinem Wohnort Obernkirchen die Partie zu sehen und Party zu machen. In sein Hamelner Lokal verirrt sich vermutlich zu dieser Zeit ohnehin kaum jemand.

„Ich will natürlich, dass Italien gewinnt“, sagt der 45-Jährige, auch wenn er offiziell einfach dem besten Team den Sieg wünscht. Sein Lieblingsspieler ist übrigens Torwart Gianluigi Buffon („der ist ruhig und beherrscht“), während er gegenüber Stürmer Mario Balotelli (der mit dem Irokensen-Haarschnitt) so seine Vorbehalte hat: „Ich habe da was von Skandalen gehört.“ Egal: Gefeiert wird heute in jedem Fall, bei gutem Wetter soll sogar eine Straße gesperrt werden, damit geschätzte 800 Fans grillen können. Calis Tipp: „2:1 für Italien, das Finale entscheiden Italien und Spanien dann unter sich.“

Santo Mancarella ist Sizilianer, ein Italiener jedenfalls nicht, was seinen Stolz angeht. Vielleicht ist er aber auch ein Stück weit Deutscher, lebt er doch schon seit 1965 in Hameln. Der Händler für italienische Spezialitäten in der Ritterpassage schaut sich das Spiel gemeinsam mit seiner Ehefrau Edith an, und entsprechend ist die Wohnung des Ehepaares in der Stubenstraße deutsch-italienisch geschmückt, zu trinken gibt es Bier und Wein, ein Ehestreit droht deshalb nicht. Mittelfeldspieler Andrea Pirlo und Buffon – das sind die Favoriten, wie es sie nach Mancarellas Meinung kein zweites Mal in der Fußballszene gibt, weshalb er auch glaubt, dass Italien das heutige Match mit 2:1 gewinnt. „Kommt es allerdings zum Elfmeterschießen, wird Deutschland siegen“, sagt er pessimistisch.

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Kein Public Viewing, sondern Fußball zu Hause vor dem eigenen Fernseher, und zwar mit der ganzen Familie und den Nachbarn – so sieht auch das Programm heute Abend bei Raffaele Sant’ Angelo aus. Wobei die Nachbarn natürlich einen Sieg der deutschen Mannschaft herbeisehnen, während die Italiener – der Name Sant’ Angelo ist vor allem den Besuchern des Hamelner Wochenmarktes seit Ewigkeiten ein Begriff und gilt dort als Institution – natürlich ihren Landsleuten den Einzug ins Finale wünschen. Der 52-Jährige erstaunt seine Mitbürger allerdings, wenn er nicht nur fordert, dass doch bitteschön der Bessere gewinnen möge, sondern sogar verrät, dass er ganz insgeheim eigentlich sogar Deutschland den Sieg gönnt – diese Mannschaft müsste endlich mal gewinnen gegen Italien, so seine Meinung. Und wie hoch? „3:1 heute Abend, und am Ende wird Deutschland Europameister“, orakelt er. Begründung: „Wenn sie’s jetzt nicht endlich werden, wann denn dann?“

Zwischen 100 und 150 Leute erwartet Marino di Tullio auch heute wieder im „Dolmen“ zum Fußball, wenn Deutschland und Italien bei der EM aufeinandertreffen. Deutsche und italienische Landesfarben werden dann das Eiscafé in Bad Münder und die Wangen des Wirtes schmücken, und genauso ausgeglichen wünscht er sich das Spiel. „Der Bessere soll gewinnen“, meint der gebürtige Italiener versöhnlich. Sohn Mauro glaubt, dass Gomez das einzige Tor in der 90. Minute machen wird. Das würde Marino di Tullio nicht stören: „Es wird Zeit, dass die Deutschen mal gewinnen, damit wir endlich unsere Ruhe haben.“

Dass das WM-Spiel Deutschland-Italien 2006 den Deutschen zugesetzt hat, kann eine Angestellte des Restaurant Barese, die lieber anonym bleiben will, bestätigen: Tagelang wären die Gäste danach dem Italiener in der Innenstadt ferngeblieben. Einer habe direkt nach dem Spiel sogar verzweifelt seine Tröte zertreten. Heute werden Angela di Tullio und ihre Familie das Spiel wieder gemeinsam mit den deutschen Gästen im Innenhof des Restaurants verfolgen. Anders als ihr Schwager steht sie hundertprozentig hinter den Italienern: 2:1 ist ihr Tipp. Dass die „Schwalben“ eine Domäne der Italiener sind, bestreiten übrigens alle di Tullios: „Das können die anderen genauso gut.“

Ehestreit wegen Fußball – bei den Martellas in Ohr kein Thema. Das deutsch-italienische Ehepaar namens Giuseppe und Hannelore hat sich zusammengerauft, was den Kampf ums runde Leder angeht. Deshalb hat Nachbar Wilfried Voß, als technischer Leiter der Dewezet früher mal Chef des italienischen Schlossers und manchen besser bekannt als Erzähler plattdeutscher Geschichten, den beiden auch ein Gedicht gewidmet. Es endet so: „Ach, lasst den Ball doch einfach rollen/und, wenn es klappt, auch oft ins Tor./Einer gewinnt bestimmt von beiden,/in Ehen kommt das öfter vor.“

Drückt zwar für Italien die Daumen, wünscht aber insgeheim doch der deutschen Mannschaft heute den Sieg: Raffaele Sant’Angelo.

Fotos: CK, Dana, fiffi

Hannelore und Giuseppe Martella (li.) und Salvatore Cali sagen: „Der Bessere soll gewinnen.“



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