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Vertreter der Abbaufirmen stellen sich Fragen und Kritik der Tünderaner

Neues Kieswerk soll drei andere ersetzen

Hameln. Tür auf, Tür zu. Im Minutentakt kommen Bürger in den kleinen Raum. Die Sitzung des Ortsrates in Tündern war bestens besucht. Zwischen den Ortsratsmitgliedern sitzen auch zwei Vertreter der Kiesfirmen Cemex und Mineral Baustoff GmbH.

veröffentlicht am 07.11.2013 um 21:00 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 18:21 Uhr

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Autor:

von julia rau
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„Fragen Sie, was Sie möchten, aber nichts zu Kies.“ Ortsbürgermeisterin Elke Meyer weiß um die Explosionsgefahr dieses Reizthemas. Die Bürgerfragestunde ist deshalb schnell beendet. Als dann „Auswirkungen der Auskiesung zwischen Emmern und Ohr“ als Tagesordnungspunkt aufgerufen wird, beginnt nervöses Stühlerücken.

„Wir sind bei dem Thema sehr sensibel geworden“, erklärt Meyer den Firmenvertretern. Johannes Granow, Prokurist der Mineral Baustoff GmbH, reagiert gelassen: „Natürlich ist Tündern von der Auskiesung betroffen. Dennoch entsteht ein neues Kieswerk.“ Dieses solle die Kapazität der drei anderen haben und sie im Prinzip ersetzen. Südlich der Jugendanstalt an den Bahnschienen soll das sehr leistungsstarke, „aber deswegen räumlich nicht größere“ Kieswerk hin, so Projektmanager Naturschutz von Cemex, Martin Freimuth. Es soll für 600 000 bis 700 000 Tonnen jährlich ausgelegt sein. Und das bei sinkender Nachfrage. „Besonders im regionalen Vertrieb gibt es mehr Angebote als Nachfrage“, so Granow. Deshalb sollen nun die Fernmärkte im Norden bedient werden. „Oben bei Hamburg gibt es fast nur Sand, keinen Kies. Die Nachfrage dort ist groß“, sagt Granow.

Die Idee der beiden Unternehmen, die den Bau des neuen Werkes gemeinsam in Angriff nehmen wollen, ist, eine Bahnverbindung herzustellen. „Dann würde der Lkw-Verkehr, durch Tündern komplett entfallen“, so Freimuth. Neben den zwei vorhandenen Bahngleisen müssten dazu zwei weitere entstehen, die in etwa die Länge eines Zuges haben, also 700 Meter. Um sich Kurzstreckenfahrten zum neuen Werk zu sparen, muss auch die Beförderung des Rohkieses aus dem Abbaugebiet Ohr 1 anders geregelt werden. Der Transport mit Lkw sei finanziell nicht sinnvoll, so Granow. Also müsse ein anderer Weg gefunden werden. „Also ein Förderband wollen wir nicht“, erklärt Meyer. Das sei zu laut und störe das Landschaftsbild. „Irgendeine Belästigung kriegen wir sowieso. Wir müssen nur überlegen, welche die geringste ist“, meint dazu Ortsratsmitglied Ralph Wissmann.

Die Entscheidung spitzt sich demnach zu auf: Kieswerk Ohr, dessen Lärm nach Tündern dringt oder ein Förderband zwischen Ohr und dem neuen Werk. Die Idee Granows: „Es ist eine technisch einfache Lösung, wenn man einen bepflanzten Wall vor das Band baut, der es optisch und vom Lärm her abschirmt. Außerdem kann man leise Kunststoffrollen verwenden.“

Für die anwesenden Bürger immer noch zu viel der Belästigung. Für die unterschiedlichen Möglichkeiten des Transports zwischen Auskiesung und Verladung gebe es Machbarkeitsstudien, so Granow weiter. „Ein förmliches Verfahren oder einen konkreten Plan dagegen noch nicht“, betonen beide Vertreter immer wieder. Das wollen ihnen die Tünderaner augenscheinlich nicht ganz glauben. „Wer sagt denn, dass sie dann nicht auch noch die Vorhanggebiete auskiesen“, fragt eine Bürgerin. Ortsbürgermeisterin Meyer macht diesen Spekulationen aber sofort ein Ende: „Diese Gebiete sind aus dem Plan herausgenommen wurden wegen unterirdischer Versalzung.“

Über die Restdauer der Auskiesung kann Freimuth nur sagen: „Wir sind schon über der Halbzeit.“ Die Kiesförderung für Ohr 1 schätzt Granow indes auf 30 weitere Jahre. Er betont: „Dadurch, dass wir auf die Bahn gehen, müssen wir größere Mengen produzieren. Man kommt so schneller zum Ziel der Endrekultivierung.“ Bis es soweit ist, müssen aber sowohl Zugverladung als auch betriebliche Infrastruktur, sprich Förderband, genehmigt werden. Das eine ohne das andere geht nicht. Und vor 2015 komme das neue Werk sowieso nicht, so Granow. Wenn es dann aber steht, läuft es Montag bis Samstag zwischen 6 und 22 Uhr. „Bisher stehen wir da aber am Anfang und werden die Bürger so früh wie möglich über Pläne informieren“, verspricht Freimuth.

Links oben hinter den Bäumen die Jugendanstalt, rechts der See. Dazwischen soll das neue Werk gebaut werden. Im Vordergrund ist Tündern zu sehen. Zu den vorhandenen Schienen kommen dann auch noch zwei neue.

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