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Jens Meyers „Pflanzkompositionen“ gehen in die zweite Runde

Neues Buch: Der Beete-Flüsterer legt nach

HAMELN. Nichts erfolgreicher als der Erfolg – und nichts schwieriger, als ihn festzuhalten. Das weiß auch der Beete-Flüsterer und Pflanzenkulinariker der Dewezet, der in der Saison, wenn der Garten gleichermaßen bearbeitet und genossen werden will, Woche für Woche auf seiner Gartenseite ins Flüstern gerät.

veröffentlicht am 27.04.2017 um 17:51 Uhr
aktualisiert am 27.04.2017 um 18:50 Uhr

Autor Jens F. Meyer präsentiert „Beetgeflüster 2“. Foto: CW Niemeyer-Buchverlag
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Autor

Richard Peter Reporter

Auch ins Beschwören als ein Beetbeschwörer sozusagen. Ein liebenswerter Liebhaber, typischer Amateur, auch wenn er das schon längst nicht mehr ist und nicht nur, weil er einem die lateinischen Namen seiner Pflänzchen um die Ohren haut. Was ja auch sinnvoll sein kann, weil je nach Region unterschiedliche Namen verwendet werden.

Ein Bescheidener dennoch – den ein Blatt, eine schlichte Blüte begeistern kann. Wie das „Wesergold“, das gerne im Rudel blüht. „Ein Schatz für jeden Garten“ von Jens F. Meyer nicht nur geflüstert, geradezu beschworen – und ein ganzes Kapitel der Staudengärtnerei Junge in Wehrbergen gewidmet. Und das, weil der Prophet nun mal im eigenen Land nichts gilt. Für den Beeteflüsterer nichts weniger als ein „paradiesischer Flecken Weserbergland“. Berühmt auch die Seerose „Fritz Junge“ und ebenfalls vom selben Schöpfer und weltweit begehrt; das Lampenputzergras „Hameln“. Es muss nicht immer der Pfeiffer sein. Und nicht nur die Generation der Altvorderen erfolgreich – Hans-Friedrich Großmann hat sich mit der Schleifenblume „Fischbeck“ einen Namen gemacht.

Allein das ein Grund, auch dieses, auf 270 Seiten angewachsene Nachfolgebändchen mit dem immergrünen Apfel, der geschrumpften Gießkanne – und ähnlich klein geratenem Beeteflüsterer als Cover – zu erwerben. Auch wenn die einzelnen Kapitel an Volumen zugelegt haben – wieder ein klassisches Nachtkästchen-Buch, das einen Kapitel um Kapitel und Abend für Abend gelesen, schöne Träume flüstert. Denn Garten – selbst wenn man ihn nur liest –, steht für Entschleunigung. Und zwischendrin eingebettet – vielleicht auch eingebeetet - wieder Gedichte, sehr lyrisch, bildhaft und manchmal saukomisch wie „Trip“, das „An einem Juniabend im September“ beginnt und über „Ich lachte Tränen tiefer Trauer“ bis zu der schönen Zeile „Ich freute mich, dass ich mich freute“ führt.

Und wieder, weil er das wie kaum ein anderer beherrscht – sprachschöpferisch formuliert, und immer, wenn gärtnerisches Pathos die Leichtigkeit bedroht, mit Bodenhaftung gegensteuert. Witz und Komik – manchmal auch aus Calau importiert, gegen Ernst und Strenge und die ewigen Paragraphen-Fuchser, die ihre Schöpfungen auch noch reiten. Wann immer es beim J. F. Meyer ernst wird – zu ernst: er fängt es lächelnd auf.

Diesmal nicht die Jahreszeiten als Vorgabe – universeller und der Garten als „Open-Air-Konzertsaal“ mit „Pflanzkompositionen und Beetsinfonien“ – und so ein bisschen Mike Jagger beschworen, des Teufels Sänger, der so himmlisch klingen kann. Kunst im weitesten Sinn – Kreativität ist alles, auch wenn man mit einem „Knoblauchbaum“ gutgläubige Kollegen verarscht und der Stinkknolle, die so herrlich schmeckt im kargen Büro-Grün eine Art Christbaumkugel-Existenz in Weiß gönnt. Hier flüstert der Beetflüsterer weit über die Beete hinaus.

Ob „Quartett der Schattenkünstler“ – der Ith-Lerchensporn gehört dazu wie der duftig duftende Waldmeister - oder der April als „Amuse Gueule – Appetithäppchen auf das Menü des Sommers. Kein „Monat für Weicheier“ – und übrigens einer mit ausnahmslos Ausrufezeichen! Und das dickste – von wegen den „Grünen Daumen“ hochgelegt – hinter die Vokabel „Arbeit!“ gesetzt. Und Sprachakrobatisch auf dem Hochseil: „Der Schein-Mohn – eben nur Schein. Nicht Sein-Mohn, nicht Mein-Mohn, nur Schein-Mohn. Und überraschend: „Der Schein-Mohn ist mein Waterloo, ließ mich himalayahoch jauchzen und dann in tiefste Verzweiflung stürzen“. Quasi in den Marianengraben der Tiefstsee.

Da ist er wieder, der Jens F. Meyer, der so spielerisch formuliert, so plusromantisch sein kann, megasentimental und mit einer kleinen Wendung vor den „Scherben eines schönen Scheins“ steht.

Besonders gerne gelesen – weil der Berlepsch aus dem „Quartett der Saftigen“ mein persönlicher Favorit ist, aber von Hausfrauen, weil er dem Apfel-Bild-Ideal so wenig ähnlich sieht, leider gemieden. Und apropos gemieden: schon Wolfram Siebeck, gefragt, was er vom Golden Delicious halte, meinte: „Was soll ich schon von einem Apfel halten, der selbst von Würmern gemieden wird“. Das kommt Meyers Apfel-Erkenntnissen schon sehr nahe.

Es macht einfach Spaß, dieses Bändchen, vor allem, wenn ich von meinem Garten und dessen Naturrausch überrascht werde: macht nichts. Auch der Meyer kennt das Chaos, in dem Pflanzen sich wohlfühlen, Nur hin und wieder sollte man spüren, dass der Mensch auch ein ordnendes, gestaltendes Wesen ist. Dennoch muss man nicht alles regulieren wollen. Weil ohne Brennessel ein paar Falter fehlen würden. Und das Wichtigste: ein Garten ist sinnlich zu erleben. Wer ihn nur beackert, bringt sich um seinen Genuss. Den der Beeteflüsterer überreich durch die Seiten strömen lässt. Ein Genussstrom.

Das Geheimnis seines Erfolgs: er lässt auch die leben, die nur Leben wollen. Für sie lässt er – neben den Lesern, die ein Gläschen was auch immer in all der Pracht süppeln wollen oder nur mit Freunden grillen – auch ein paar Brennesseln stehen. Haben Sie schon mal geguckt, wie schön die sein können? Kleine grün strukturierte Wunder auch sie. Schöpfung. Und in einem Risotto einfach sensationell. Wie das Beetgeflüster. Auch als zweiter Aufguss.

„Beetgeflüster 2“, 272 Seiten, 14,90 Euro, CW Niemeyer Buchverlage. Das Buch ist in der Dewezet-Geschäftsstelle in der Osterstraße erhältlich.

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