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Museum setzt auf Rattenfänger und Kinder

Neuer Leiter, neuer Name, neue Zielgruppe

Hameln. Aus, Schluss, vorbei – als Konfliktstoff scheint das Thema Museumsleitung vom Tisch. Stattdessen richtet sich der Blick des Museumsvereins mit dem neuen Chef des Hauses, Stefan Daberkow, in die Zukunft: Und die soll mit einem neuen Namen beginnen.

veröffentlicht am 28.03.2013 um 21:00 Uhr
aktualisiert am 04.11.2016 um 08:21 Uhr

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Autor:

Catherine Holdefehr
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Ob Schnaps oder Backwaren, es ist meist nicht der Geschmack, sondern der Name, der viele Touristen zu Brotratten oder einem Rattenkiller als Mitbringsel greifen lässt. Dazu eine Rattenfängerpostkarte, ein Rattenfängerbuch und eine Plüschratte: Touristisch setzen die Stadt Hameln, die Hameln Marketing und Tourismus GmbH sowie Einzelhändler gerne auf die Rattenfänger-Sage. Auf dieses Pferd will jetzt auch der Museumsverein aufspringen: In der Jahreshauptversammlung sprach sich die Mehrzahl der Mitglieder dafür aus, den offiziellen Namen „Museum Hameln“ durch einen Zusatz zu ergänzen, der auf die Rattenfängersage hinweist.

„Rattenfängermuseum“ oder auch „Museum Hameln – da, wo der Rattenfänger zu Hause ist“ – wie genau der neue Name lauten wird, werde der Vorstand entscheiden, teilte Klaus Arnold, Vorsitzender des Museumsvereins, mit, nachdem über die grundsätzliche Namensänderung entschieden worden war. Rechtfertigen lasse sich dieser Zusatz, der eine zusätzliche inhaltliche Orientierung über ein „Heimat- oder Stadtmuseum“ hinaus biete, durch das Rattenfängertheater. Im Rahmen des dreijährigen Umbaus des Museums war dies neu gebaut und der Bereich zum Thema Rattenfängersage erweitert worden.

Das Münchhausenmuseum Bodenwerder habe es vorgemacht und gezeigt, wie viele Touristen man durch den Bezug auf die Sage für das Stadtmuseum interessieren könne, so Arnold. „Mit dem Rattenfänger können wir da mithalten.“

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  • Stefan Daberkow

Vom Potenzial des Museums überzeugt, zeigte sich auch dessen designierter Leiter, Stefan Daberkow, der bei der Versammlung den Mitgliedern offiziell vorgestellt wurde. Der 33-Jährige stammt gebürtig aus Neuwied und hat in Passau Kulturwirtschaft sowie Kunstgeschichte, Psychologie und Wirtschaftswissenschaften studiert. Seit 2006 arbeitet er als Vorstandsassistent am Deutschen Hygiene-Museum in Dresden, mit jährlich mehr als 250 000 Besuchern eines der größten Museen in Sachsen mit langer Tradition.

Auch wenn er sich über konkrete Projekte noch nicht äußern wollte, so machte Daberkow deutlich, welche Schwerpunkte er im Hamelner Museum setzen will: „Museum soll Spaß machen“, sagt er, und zwar allen Altersgruppen. Die Attraktivität des Museums für Kinder solle mit kindgerechten Texten und besonderen Angeboten verstärkt werden. Museum müsse nicht langweilig oder nur eine Pflichtveranstaltung mit der Schule sein, sondern sei „ein spannendes Freizeitangebot“. Kostümierte Museumsführer, einfache kurze Erklärungen und Verweise auf Bekanntes, das Kindern in ihrem Alltag begegne, um so ihr Interesse zu wecken, seien mögliche Ideen, so Daberkow.

Arbeiten wolle er auch an der – bislang spärlichen – Außendarstellung des Museums: „Man muss über die Kanäle kommunizieren, die den Interessen der Besucher angemessen sind“, sagt er. Erster und wichtigster Punkt: eine eigene Homepage. Bislang sind (wenige) Informationen nur über Umwege auf der städtischen Internetseite zu finden. Nicht nur Einheimische, sondern verstärkt Touristen in das Museum zu locken, müsse zudem Ziel sein.

Zu den Querelen mit seiner Vorgängerin auf dem Posten der Museumsleitung, Dr. Gesa Snell, äußerte sich Daberkow nicht. Doch auch der Vorstand des Museumsvereins hätte den Namen der ehemaligen Museumsleiterin in der zweieinhalbstündigen Sitzung freiwillig wohl nicht erwähnt: „Für uns ist das Kapitel abgeschlossen“, erklärte Vereinsvorsitzender Arnold nur auf Nachfrage eines Mitglieds. Die Gründe seien den Mitgliedern in einer Sitzung des Verwaltungsausschusses gründlich dargestellt worden, man habe sich mehrfach dazu geäußert und dabei wolle man es dann auch bewenden lassen. Eine Spitze in Richtung der Beamtin, die gegen die Neubesetzung ihrer Stelle Beschwerde eingereicht hat, gab es dennoch: „So weich fällt nicht jeder.“ Offiziell befindet sich die Beamtin im Sabbatjahr.

Versöhnlicher zeigten sich die rund 150 Mitglieder, die zur Versammlung erschienen waren: Auf Nachhaken eines Mitglieds, das sich bei der ehemaligen Leiterin für deren Leistung beim Umbau des Museums bedankte, spendeten sie herzlichen Applaus.



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