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Eigentümer und Sanierer sind sich einig

Neuer Glanz nach altem Vorbild fürs Dempterhaus

Architekt Falk Lippelt demonstriert, wie die Fugen zwischen den alten Balken mit Leisten aus Eiche neu verkeilt werden (oben, li.). Seit mehr als 400 Jahren steht das Dempterhaus immer noch grundsolide an seinem Platz. Jetzt ist es für die Fassadensanierung eingerüstet.

veröffentlicht am 07.04.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 12.11.2016 um 03:21 Uhr

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Die letzte Fassadensanierung des Dempterhauses liegt rund 30 Jahre zurück. Jetzt ist eine neue fällig. Behutsamer Umgang mit der historischen Substand ist dabei oberstes Gebot.

Fotos: Dana

Hameln (ni). „Unsere Altvorderen waren schon nicht doof.“ Hamelns Denkmalpfleger Michael Voss sagt das voller Hochachtung vor dem Können der Baumeister vergangener Jahrhunderte – und vor ihrem Wissen um das harmonische Zusammenspiel der von ihnen verwendeten Werkstoffe. Diesem Wissen verdankt die Nachwelt so wunderschöne Gebäude wie das Dempterhaus am Markt, das seit mehr als 400 Jahren immer noch grundsolide an seinem Platz steht. Jetzt verhüllen Gerüste und feinmaschige Planen den Prachtbau – unerlässliche Requisiten für eine Fassadensanierung, die der Architekt Falk Lippelt mit großem Respekt vor der historischen Substanz angeht.

„Wenn etwas zu erhalten ist, sollte man es erhalten.“ Lippelts Ansatz lässt das Herz des Denkmalpflegers jubeln. „Die Vorschläge des Architekten zur Sanierung werden von mir bedenkenlos mitgetragen“, sagt Voss. So einfach wird dem auf Erhalt und Bewahrung Bedachten die Arbeit nicht immer gemacht.

2 Bilder

Die letzte Fassadensanierung des Dempterhauses liegt rund 30 Jahre zurück. Die damals als technischer Fortschritt gefeierten neuen Materialien wie Holzersatzstoff und wasserfeste Farben kamen dabei glücklicherweise kaum zum Einsatz. So blieben den reich verzierten Eichenbalken die Schäden erspart, die sich heute an so vielen Fachwerkhäusern zeigen, die zur gleichen Zeit nach dem damaligen Stand der neuesten Erkenntnisse saniert wurden. „Die Balken sind durchweg gut erhalten“, freut sich Lippelt über das Ergebnis der Bestandsaufnahme. Hinter der inzwischen restlos entfernten Farbschicht kamen keine gravierenden Nässeschäden zum Vorschein. Nur hier und da tauchte in Fugen zwischen den Balken die Holzersatzmasse auf und zeigen sich ein paar morsche Stellen. Im Zuge der Sanierung „werden die Fugen mit alten Eichenholz neu ausgekeilt“, so Lippelt.

Mischung aus Kalk und „Trass“

Der alte Putz auf den mit Ziegelsteinen ausgemauerten Gefachen bleibt weitgehend erhalten. Nur wo er lose war, wurde er abgeschlagen und wird er ersetzt. Lippelt zerbröselt einen kleinen Placken zwischen seinen Fingern und zupft dabei feine Fasern aus den Krümeln: „Rinderhaar. Das hat man früher unter den Putz gemischt, das macht ihn elastisch.“ Auf das Rinderhaar will Lippelt bei dem neuen Putz zwar verzichten und statt dessen auf Leinen oder Baumwolle zurückgreifen. Ansonsten aber soll der Putz nach historischem Vorbild aus einer Mischung aus Kalk und „Trass“ (einem natürlichen Gestein) zusammengerührt werden.

Dieser „Kalktrass“ wird auch die neuzeitlichen Zementfugen zwischen den Quadern des Sandsteinsockels ersetzen. Die beiden Materialien vertragen sich genau so wenig miteinander wie altes Holz und der Ersatzstoff Epoxidharz. Hinter den damit behandelten Teilen staut sich die von den Balken aufgenommene Nässe; das Holz fault. Auch der Zement wirkt wie eine Wassersperre. „Das Wasser, das in den Stein einregnet, staut sich“, erklärt Lippelt. Außerdem bewirke die Härte des Zements, dass Druck auf den weicheren Sandstein ausgeübt werde und dadurch Risse entstehen. Kalktrass dagegen „ist weicher, nimmt Flüssigkeit auf und gibt sie nach außen ab“.

Falk Lippelt hat sich für die Sanierung der Dempterhaus-Fassade mit Handwerksbetrieben umgeben, die erfahren sind in der Restaurierung historischer Bauten. Und hat es bei diesem Projekt – auch das ist ein Glücksfall für den Denkmalschutz – außerdem mit einem privaten Eigentümer als Auftraggeber zu tun, „der alles tun will, um die Substanz dieses Hauses zu erhalten und bereit ist, dafür viel Geld in die Hand zu nehmen“.



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