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Verkehrssituation in Klein Berkel birgt viele Gefahren / Tündern hat ein Projekt für Fußgänger ins Leben gerufen

Neue (Schul-)Wege für die „Generation Rücksitz“

Klein Berkel (roh). Die Zahl der Eltern, die ihre Kinder mit dem Auto zur Schule bringen, steigt mit zunehmender Dunkelheit. „Die Tendenz ist“, so Stadtsprecher Thomas Wahmes, „dass immer mehr Kinder möglichst direkt vor die Schultür gefahren werden.“ Vor allem die Sorge um die Sicherheit sei das Motiv für viele Eltern, sagt die Rektorin der Grundschule Klein Berkel, Uta Mager. Laut Schulordnung ist der zur Schulstraße gelegene Haupteingang für die Kinder tabu. Mager: „Die Schüler dürfen ihn nur in Begleitung eines Erwachsenen betreten oder verlassen. Die Gefahr, dass sie besonders nach Schulschluss auf die Straße rennen und dabei weder nach links noch nach rechts schauen, ist einfach zu groß.“

veröffentlicht am 13.12.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 10.11.2016 um 23:41 Uhr

Gefährlich: Wenn die Kinder aussteigen, kann es zu brenzligen Si
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Deswegen gibt es gleich mehrere Seiten- und Nebeneingänge, die die Schüler nutzen können. Einer davon ist ein reiner Fußweg und birgt so nur wenige Gefahren. Ein anderer Zugang allerdings führt über eine Nebenstraße, „Die Worth“. Und hier spielt sich jeden Morgen das gleiche Spiel ab: Mütter und Väter fahren mit dem Auto vor oder in die Nähe des am Fußweg gelegenen Tores und lassen ihre Kinder aussteigen. Sowohl von Anwohnern, Mitarbeitern der Schule als auch von Eltern ist aber zu hören, dass einige Autofahrer Schüler massiv gefährden. Der Verkehrssicherheitsexperte der Hamelner Polizei, Andreas Hinz, weiß: „Wir haben dieses Problem an vielen Schulen im Stadtgebiet, und zu 99 Prozent sind es die Eltern selbst, die ihre Kinder gefährden.“ Hinz und Mager berichten von zur Fahrbahn aussteigenden Kindern, von Falschparkern und Geschwindigkeitsübertretungen. „Die Worth“ wird zwischen 7.30 Uhr und 8 Uhr für viele Schüler zum Slalomlauf durch parkende, an- und abfahrende Autos. Das zirka 40 Meter messende absolute Halteverbot auf der Eingangsseite der Schule werde ebenso missachtet wie die gelben Fußwegmarkierungen auf beiden Seiten der Straße. Ganz eilige Eltern parken, aus der Schulstraße kommend, auf der linken Seite. Hauptkommissar Hinz: „Wenn das eigene Kind dann links aussteigt, steht es quasi vor dem Eingangstor, aber mit welchen Gefahren für alle anderen Schüler dieses Manöver verbunden ist, scheinen einige zu vergessen.“

Schulelternratsvorsitzende Jeannette Blumberg hat schon viele Gespräche mit besorgten Eltern geführt und setzt vor allem auf die Aufklärung: „Wir müssen die Eltern noch besser informieren und überzeugen, dass sie einen Teil zu einem sicheren Schulweg beitragen müssen. Rektorin Mager: „Vor der Schule gibt es viele Parkplätze, und auf der gegenüberliegenden Straßenseite sind ebenfalls welche vorhanden, dazu der Zebrastreifen.“ Sie weiß auch nicht, warum diese Möglichkeit nicht genutzt wird, hat aber einen Vorschlag: „Wenn es in der Straße ‚Die Worth‘ morgens und mittags ein beidseitiges absolutes Halteverbot gäbe, zum Beispiel für eine Stunde, dann würde der Slalomlauf ein Ende haben.“

In nächster Zeit sollen Schulwegpläne erarbeitet werden, so Mager weiter, und bis dahin werde man weiterhin bei Elternabenden und Infoveranstaltungen darauf hinweisen, dass sich Gefahren vermeiden lassen. Für die Stadt Hameln als Schulträger und Verkehrsbehörde richtet Wahmes einen Appell an die Eltern: „Mit großer Sorge beobachten wir das zum Teil erhebliche Gefährdungspotenzial, das auf den Schulwegen durch Fahrzeuge besteht. Gerade vor der Grundschule in Klein Berkel sind aber ausreichend Parkplätze vorhanden, und von dort sind es nur wenige Meter bis zu den Seiteneingängen.“

Auch Verkehrssicherheitsberater Hinz setzt auf Aufklärung: „Mit zahlreichen Informationsbroschüren und Ratgebern weisen wir Autofahrer immer wieder auf die Gefahren hin. Gerade das Linksaussteigen ist dabei ein großes Problem. Aber umsetzen müssen das die Eltern, selbst dann, wenn sie Eile sein sollten“, so Hinz. Und: „Der für die Schule zuständige Kontaktbeamte Oliver Bente wird wie bisher den Schulweg regelmäßig kontrollieren, und auch ich selbst werde mir in nächster Zeit einen Eindruck vor Ort verschaffen.“

In Tündern geht man andere Wege für die „Generation Rücksitz“: Im Rahmen des Projekts „Bewegter Schulweg“ sollen Schüler motiviert werden, statt mit dem Auto zu Fuß zur Schule zu kommen. Kontaktbeamter Friedrich Meinberg unterstützt die Aktion, denn die Zahlen sprächen dafür. „Ich beobachte, dass gerade Eltern gravierende Fehler machen“, sagt er.

Projektleiterin Cornelia Piper, Studentin der Gesundheitswissenschaften, hat im Vorfeld Schule und Eltern sensibilisiert. Und um für die Kinder einen Anreiz zu schaffen, gibt es einen Bewegungsplan, auf dem sie notieren, wie sie zur Schule kommen. Die Klasse mit den meisten Fußgängern erhält nach drei Monaten einen Preis.



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