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Benehmen erwünscht

Neue Hausordnung: Gegen Chips und Rucksäcke im Theater

HAMELN.Das Theater ist ein besonderer Ort. Ein Ort, an dem ein bestimmtes Benehmen erwartet wird. Früher habe es einen Konsens gegeben, über das, was geht und was nicht, sagt Hamelns Theaterleiter Wolfgang Haendele. Heutzutage nicht mehr. Deshalb gibt es eine neue Hausordnung. Diese hängt auch in Glas gerahmt im Foyer.

veröffentlicht am 13.09.2018 um 17:33 Uhr
aktualisiert am 13.09.2018 um 18:40 Uhr

Theater soll kein beliebiges All-inclusive-Erlebnis sein, sondern ein besonderer Raum bleiben. Das heißt auch: Chips & Co. haben dort nichts verloren. Foto: dana
Dorothee Balzereit

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Dorothee Balzereit Reporterin / ViaSaga zur Autorenseite
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Das Theater ist ein besonderer Ort. Unter anderem einer, an dem man sich für gutes Benehmen nicht schämen muss, im Gegenteil: Es ist explizit erwünscht. Im Klartext heißt das: Speisen, Getränke, Jacken, Handys, Laptops, Fotoapparate und Taschen bleiben draußen und während der Vorstellung sitzen alle konzentriert und ruhig auf ihren Sitzen. Fertig.

Soweit die Theorie. Die Praxis sieht anders aus. Der eine will die Garderobengebühr sparen, der nächste eine Erinnerung aufs Smartphone bannen. Nicht jeder Elternteil ist sich sicher, dass der Sprössling die einstündige Vorstellung ohne Flüssigkeits- und Nahrungszufuhr übersteht. Und nicht nur die Kinder packen im Theatersessel gern mal Mitgebrachtes aus. Knabbern wie im Kino mögen auch die Großen.

„Früher gab es einen unausgesprochenen Konsens über das, was geht und was nicht“, sagt Theaterleiter Wolfgang Haendeler. Doch die Zeiten, in denen bereits das Auswickeln des Hustenbonbons schräge Blicke nach sich ziehen konnte, sind lange vorbei.

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Um dem weiteren Verfall der Sitten vorzubeugen, gibt es nun eine Hausordnung. In Glas gerahmt hängt sie im Foyer zwischen den Eingangstüren zum Saal. Neu ist auch, dass demnächst sechs Damen an den Türen zum Rang und zum Parkett stehen werden, die darauf achten, dass Taschen und Jacken an der Garderobe abgegeben werden. Die kostet dafür demnächst nichts mehr. „Die Damenhandtasche darf natürlich weiterhin mit hinein“, sagt Haendeler. Auch auf die Piktogramme, die bisher auf das Verbot zu filmen und zu fotografieren hinwiesen, will man künftig verzichten. Sie werden ersetzt durch eine Ansage vor der Vorstellung.

Dem Theaterleiter ist es wichtig, zu vermitteln, dass Theater kein beliebiges All-inclusive-Erlebnis ist, sondern ein besonderer Raum. „Dort oben auf der Bühne wird live gearbeitet, das ist ein Riesenunterschied.“ Für die Schauspieler sei es ein Zeichen des Respekts, nicht durch eine wie auch immer geartete Geräuschkulisse zu stören.

Übrigens seien es nicht immer nur die Kleinen, die die Regeln nicht kennen: Auch Erwachsene würden bei der Ouvertüre, also wenn der Bühnenvorhang noch geschlossen ist und das Orchester zu spielen beginnt, munter weiterreden, so Haendeler.

Bei Schulen und Kindergärten sei es ganz unterschiedlich: Es gebe Lehrer und Betreuer, die die Kinder vorbildlich vorbereiten, andere dagegen gar nicht. Dass Jacken, Mäntel und Taschen nun draußen bleiben müssen, hat übrigens auch einen ganz praktischen Grund: der Brandschutz. „Es wäre etwas paradox“, sagt Haendeler, „wenn man erst viel Geld in den Brandschutz steckt und hinterher die Vorschriften nicht so ernst nimmt.“ Dazu gehört eben auch, die Garderobe nicht mit hineinzunehmen.

Mein Standpunkt
Dorothee Balzereit
Von Dorothee Balzereit

Die Zeit der Konzentration auf die Bühne ist überschaubar. Es sollte nicht all zu schwer sein, sich in dieser Zeit von Chipstüte, Smartphone oder der Brotdose zu trennen. Theater ist eben nicht Kino, und das ist gut so.



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