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Museum blickt auf 400 Jahre Hochzeitshaus zurück

Neue Entdeckungen zum Jubiläum

HAMELN. Seit 400 Jahren prägt das Hochzeitshaus das Bild der Rattenfängerstadt maßgeblich. Zum Jubiläum widmet das Museum Hameln dem prachtvollen Bau eine Sonderpräsentation – und zeigt auch neue Forschungsergebnisse.

veröffentlicht am 23.08.2017 um 19:30 Uhr

Im Themenbereich Weserrenaissance präsentiert das Museum die wechselvolle Geschichte des Hochzeitshauses. Foto: MZ
Michael Zimmermann

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1617 wurde das Hochzeitshaus als letztes Bauwerk der Weserrenaissance im Hamelner Stadtzentrum fertiggestellt, ein Jahr vor Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges. 400 Jahre später ist das zunächst als „Neues Gebäude“ bekannt gewordene Haus eines der Wahrzeichen der Rattenfängerstadt und liefert immer wieder Stoff für engagierte Diskussionen.

Zum Jubiläum widmet das Museum Hameln dem eindrucksvollen Gebäude und seiner wechselvollen Geschichte eine Sonderpräsentation im Themenbereich Weserrenaissance, die am Mittwochabend eröffnet wurde. Alle historischen Kräfte der Stadt, wie das Stadtarchiv oder der Verein für regionale Kultur und Zeitgeschichte, hätten ein „rundes Gesamtpaket“ zum Jubiläum geschnürt, erklärt Museumsleiter Stefan Daberkow. Die Sonderpräsentation will aber nicht nur die Historie beleuchten, auch der Blick in die Zukunft wird gewagt. „Die neuen Pläne des Architekten Peter Nasarek führen die jahrhundertealte Tradition des Hauses konsequent weiter“, findet er.

In der Präsentation sollen nicht nur bereits bekannte Dinge vermittelt, sondern auch neue Forschungsergebnisse präsentiert werden. So werden sonst nicht gezeigte Objekte ausgestellt, darunter archäologische Funde einer Grabung von 2005, die normalerweise im Magazin des Landesmuseums Hannover lagern. Die Stücke verrieten viel über die Festkultur des 17. und 18. Jahrhunderts, erklärt Wibke Reimer, wissenschaftliche Volontärin am Museum. Sie hat die Präsentation zusammengestellt und ist bei ihren Recherchen auf weitere neue Befunde gestoßen: Lange Zeit seien zum Beispiel keine Grundrisse bekannt gewesen, die vor 1903 erstellt wurden. Nun entdeckte Reimer Grundrisszeichnungen der „Neuen Schencke zu Hameln“, die aus der Zeit um 1770 stammen sollen. Schon damals gab es offenbar auch Umbaupläne für das Haus, die ebenfalls zu sehen sind. Ob diese aber jemals umgesetzt wurden, ist noch unbekannt.

Wibke Reimer zeigt die Funde, die Archäologen 2005 am Hochzeitshaus entdeckten. Foto: mz

Als stummer Zeitzeuge schlage das Hochzeitshaus eine Brücke zwischen der vergangenheit und der Gegenwart der Stadt, meint Reimer. Trotzdem ist über die Nutzung des Gebäudes eigentlich nur wenig bekannt. „Sicher ist, dass das Hochzeitshaus schon immer Teil des öffentlichen Lebens der Stadt war“, sagt Reimer. Und schon immer hatte es viele Funktionen. Es beherbergte im Laufe der Zeit unter anderem ein Lazarett, Lagerräume, die Ratsapotheke, die Ratsweinschänke, das Zeughaus sowie den Festsaal, in dem Veranstaltungen und Feiern stattfanden. Immer wieder wurden dort auch hochrangige Gäste empfangen, von Herzog Georg von Braunschweig und Lüneburg bis zu Queen Elizabeth II..

Auch, wie viele Vermählungen dort überhaupt stattfanden, ist nicht klar. Die viel erwähnte „letzte Hochzeit“ soll 1721 gefeiert worden sein. Eine weitere Erwähung einer Hochzeit entdeckte Wibke Reimer in alten Kämmererbänden – ein Fund, der zeige, dass im Hochzeitshaus noch eine Menge Stoff für die Forschung steckt, wie Daberkow findet. „Das Thema ist noch lange nicht abgeschlossen.“

Information

Vorträge bei der Dewezet

400 Jahre Hochzeitshaus: Gemeinsam mit dem Verein für regionale Kultur- und Zeitgeschichte Hameln lädt die Dewezet im Herbst zu einer Veranstaltungsreihe ein:

Prof. Dr. Carl-Hans Hauptmeyer, Springe: „Das Hamelner Hochzeitshaus von 1617 – Norddeutschland und die Welt am Vorabend des Dreißigjährigen Krieges“ Prof. Carl-Hans Hauptmeyer vertrat bis zu seiner Emeritierung vor vier Jahren das Fachgebiet Regionalgeschichte an der Leibnizuniversität Hannover und ist ein besonderer Fachmann der niedersächsischen Geschichte. Mittwoch, 18. Oktober, 19 Uhr, Vortragssaal der Dewezet (Osterstraße 15).
Historiker Bernhard Gelderblom und Archäologe Joachim Schween: „Hamelns alte Mitte“ – ein Gang zum Hochzeitshaus, Rathaus und zur Marktkirche. Freitag, 20. Oktober, 16 Uhr Treffpunkt: vor dem Hochzeitshaus.
Bernhard Gelderblom: „Vom Glanz und Elend des Hochzeitshauses in seiner 400-jährigen Geschichte“, Mittwoch, 25. Oktober, 19 Uhr, Vortragssaal der Dewezet.
Joachim Schween: „Tafeln im Hochzeitshaus aus archäologischer Sicht. Relikte frühneuzeitlicher Esskultur aus einem Kloakenschacht am Lüttgen Markt.“ Mittwoch, 1. November, 19 Uhr, Vortragssaal der Dewezet.
Bläserkonzert: Musik zum Advent und zur Entstehungszeit des Hochzeitshauses, Hamelner Blechbläser unter Leitung von Bernd Dormann, Sonntag, 17. Dezember, 18 Uhr, Marktkirche.



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