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Rückearbeiten im Wald nicht möglich / Kaum Sturmschäden

Nässe problematischer als Sturm

Mehr Sorgen als die Sturmschäden macht Forstamtsleiter Ottmar Heise das feuchte Wetter. Es verhindert die Rückearbeiten im Wald komplett. Das schwere Gerät, das gebraucht würde, um die Stämme der aus dem Wald zu transportieren, ist nicht einsetzbar - es würde an den durchweichten Hängen steckenbleiben.

veröffentlicht am 12.10.2017 um 14:03 Uhr
aktualisiert am 12.10.2017 um 19:52 Uhr

Die schwere Maschine befindet sich lediglich in der sogenannten „Rückeschleuse“: Mit einem Seil wird von hier aus der Stamm eines gefällten Baumes herangezogen. Um mit schwerem Gerät abseits der Wege zu arbeiten, ist es zu nass. Foto: Dana
Dorothee Balzereit

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Dorothee Balzereit Reporterin / ViaSaga zur Autorenseite
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Hameln. Dieser Kelch ist an Hameln glücklicherweise weitgehend vorbeigegangen: Die Schäden, die Sturmtief Xavier im Hamelner Wald hinterlassen hat, sind überschaubar und überhaupt kein Vergleich mit Kyrill, sagt Forstamtsleiter Ottmar Heise. Damals seien Sturmböen mit bis zu 200 Stundenkilometern über das Weserbergland hinweggefegt. Diesmal waren die Böen wesentlich schwächer, betroffen waren eher der Norden und der Osten des Landes.

Einige umgeknickte Bäume auf Waldwegen wurden im Hamelner Forst bereits weggeräumt, was in den Beständen liegt, wird dort belassen. Der Sturm habe im Endeffekt ähnliche Auswirkungen gehabt, wie ein anderer namenloser Sturm Mitte September. Der Grund: Die ungewöhnlich frühen „Herbstböen“ trafen auf belaubte Bäume. „Die Angriffsfläche ist in diesem Fall viel größer, als wenn eine Böe durch entlaubte Kronen pfeift“, sagt Heise.

Sehr viel mehr Sorgen als die derzeitigen Sturmschäden macht dem Forstamtsleiter das dauerfeuchte Wetter. Es verhindert derzeit die Rückearbeiten im Wald komplett. Das schwere Gerät, das gebraucht würde, um die Stämme der Buchen, Eichen, Douglasien, Eschen und Fichten aus dem Wald an die Wegränder zu transportieren, ist nicht einsetzbar - es würde an den durchweichten Hängen steckenbleiben.

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„Die Nässe ist ein Riesenproblem für die Arbeiten im Wald“, sagt Heise. Je feuchter es ist, desto tiefer sind die Furchen, die durch die einsackenden Maschinen entstehen.

Ob die andauernde Nässe dem Klimawandel geschuldet ist, vermag Heise nicht mit Sicherheit zu sagen. Dass aber die Starkregenereignisse zugenommen haben, sei nicht nur subjektiv so, sondern durchaus messbar.

„Wir bräuchten kältere Winter“, sagt Heise. Frostperioden ab November wären für die Arbeit im Wald ideal. Dann sei der Boden gefroren und die Arbeit mit der Rückemaschine, dem Seilschlepper oder dem sogenannten „Forwarder“, der die Stämme quasi Huckepack nimmt, verursache keine Schäden. Doch die Winter sind seit Jahren zu mild.

Und der Frühling zu trocken. Der viele Regen habe den Landwirten im Frühjahr gefehlt. Diese haben derzeit derzeit keine Chance ihre Kartoffeln und ihren Mais zu ernten: „Wir kommen nicht auf die Felder“, sagt Kreisland wirt Karl-Friedrich Meyer. Man müsse abwarten, dass der gesättigte Boden ein wenig abtrockne.

Infolge der klimatischen Verschiebungen beobachtet Heise eine weitere Veränderung: „Die Bäume behalten ihr Blätter im Herbst länger als früher“, erklärt Heise. Stabiler seien die Bäume durch das gesteigerte Wachstum aber keineswegs. Auf den starken Stämmen liegt, wie beschrieben, bei Herbststürmen eine Menge Druck. Ist der Boden dazu noch besonders feucht, trage das vor allem bei Flachwurzlern zur Labilität bei.

Für die drei angestellten Forstwirte bedeutet das insgesamt viel zusätzliche Arbeit. Würde einer von ihnen bei der ohnehin eng bemessenen Personaldecke ausfallen, wäre das ein ziemliches Problem, sagt Heise. Und das, obwohl man schon einen Großteil der Arbeit über Unternehmen abwickelt.

Wenn die Rückearbeiten demnächst beginnen, wird es auch auf den Wegen öfter mal nicht so aussehen, wie es die Spaziergänger gewohnt sind. „Das lässt sich leider nicht vermeiden“, bittet Ottmar Heise deshalb schon im Voraus um Verständnis. Die Arbeiten dauern voraussichtlich bis ins neue Jahr hinein

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