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Es fehlt zunehmend an Lehrern

Nachwuchssorgen in den Fahrschulen

HAMELN-PYRMONT. Es gibt wieder mehr Fahrschüler in Hameln-Pyrmont – doch das Interesse am Beruf des Fahrlehrers sinkt. Es zeigen sich erste Engpässe. Auch deshalb hat der Bund kürzlich die Fahrlehrerausbildung verändert.

veröffentlicht am 05.03.2018 um 17:03 Uhr
aktualisiert am 05.03.2018 um 19:20 Uhr

„Schulterblick nicht vergessen!“ – Jeanette Engel und Thomas Schreiner im Fahrschulwagen. Die Zahl der Fahrschüler in Hameln-Pyrmont steigt seit einigen Jahren wieder. Foto: Dana
Marc Fisser

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Marc Fisser Reporter / Newsdesk zur Autorenseite
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HAMELN-PYRMONT. Für die Fahrschulen könnte es eine gute Nachricht sein: Die Zahl der Fahrschüler in Hameln-Pyrmont ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. 1335 Anfänger hinterm Lenkrad haben 2017 bei der Straßenverkehrsbehörde die Fahrerlaubnis beantragt – vier Jahre zuvor waren es nur noch 938 gewesen, vor elf Jahren allerdings 1718. Nachwuchssorgen quälen die heimischen Fahrschulen derzeit weniger auf der Schülerseite, sondern stärker auf dem Beifahrersitz. „Die Suche nach Personal ist schwierig geworden“, bestätigt Frank Neumann, der Vorsitzende der Kreisgruppe Hameln im Fahrlehrerverband Niedersachsen. Die Besetzung mit frischen Kräften scheitere nicht selten, obwohl der Radius für die Stellenausschreibungen immer größer gezogen werde. Dabei liege das Durchschnittsalter der Fahrlehrer in den rund zwei Dutzend Betrieben im Landkreis bei 50 Jahren, ein Generationswechsel sei absehbar.

Auch bundesweit ist die Zahl der Fahrlehrer kontinuierlich gesunken und das Durchschnittsalter gestiegen. 2015 waren drei von vier Verkehrsausbildern älter als 44 Jahre. „Die Altersstruktur ist ein großes Problem für die Branche. Daher müssen wir neue Wege gehen, um den Beruf attraktiver und zukunftsfähig zu machen“, hatte der Bundestagsabgeordnete Patrick Schnieder (CDU) gefordert. Die Fahrschulen erwirtschafteten im Schnitt etwa 42 000 Euro je Beschäftigtem, der Betrieb verzehre jedoch große Teile des Umsatzes. In strukturschwachen Gebieten mit wenigen Schülern und niedrigen Stundenpreisen verdienten Fahrlehrer oft nicht mehr als 1400 Euro brutto. Schnieder: „Der Nettolohn eines deutschen Fahrlehrers ist mehr als bescheiden; für viele Fahrlehrer ist es schwierig, den Lebensunterhalt alleine mit Fahrstunden zu bestreiten, und gänzlich unmöglich, etwas für das Alter zurückzulegen. Die Nachwuchsprobleme kriegen wir so nicht in den Griff.“ Sein Kollege Stefan Zierke (SPD) meint zugleich, es sei nötig, „die Qualität der pädagogischen Ausbildung der Fahrlehrer zu erhöhen“. Der Bund hat aus diesen Gründen zum Jahresbeginn die Fahrlehrer-Ausbildung überarbeitet. Sie dauert jetzt zwölf statt zehn Monate, Fahrlehrer benötigen jetzt aber keinen Motorrad- und Lkw-Führerschein mehr, wenn sie nur Pkw-Stunden anbieten wollen. Das Mindestalter wurde von 22 auf 21 Jahre gesenkt. Zudem verspricht der Staat, die oft kleinen Fahrschul-Unternehmen bei den bürokratischen Pflichten zu entlasten

Die Fahrlehrer- Ausbildung bleibt teuer“

Frank Neumann, Fahrlehrerverband

Frank Neumann – seit 29 Jahren in der Branche, in seinem Betrieb in Bodenwerder und Hameln sind acht Fahrlehrer tätig, davon sechs fest angestellt – ist skeptisch, dass die Gesetzesänderung ausreicht, die Situation entscheidend zu verbessern. „Die Fahrlehrer-Ausbildung bleibt teuer“, stellt er fest. Denn mit den Nebenkosten für die auswärtige Unterkunft müsse der Aspirant 12 000 bis 15 000 Euro aufbringen – und das bei einer Durchfallquote im pädagogischen Bereich von bis zu 50 Prozent. Die Prüfung kann zweimal wiederholt werden, am Ende bleibe dennoch jeder Fünfte auf der Strecke und habe das Lehrgeld somit in den Sand gesetzt. Diejenigen, die durchkommen, erwarten nicht selten „sehr niedrige Löhne“, wie Neumann bedauert. Das sei den „teils grenzwertigen Niedrigpreisen“ geschuldet, mit denen manches Unternehmen die Konkurrenz auszustechen versuche. Die meisten der Fahrschulen in Hameln-Pyrmont sind nach Angaben des Kreisvorsitzenden Betriebe mit bis zu drei Mitarbeitern. Jeder kalkuliere für sich selbst; Kooperationen gebe es nur vereinzelt, indem man sich zum Beispiel bei speziellen Fahrzeugen aushelfe.

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Trotz der jüngst gestiegenen Kundenzahl bleibt Neumann auch hier vorsichtig: „Die Wertigkeit des Autos und damit des Führerscheins bei den 18-Jährigen ist bereits gesunken“, sagt er. In Großstädten, aber auch Mittelstädten wie Hameln mit funktionierendem Bus- und Bahnangebot, sei der Führerscheinerwerb kein Automatismus mehr. Die Stoffvermittlung sei aber immerhin mit Hilfe der Lernsoftware leichter, der Lernstand transparenter geworden. Beim Werben der jungen Leute und der Nutzung moderner Medien haben viele Fahrlehrer dennoch Nachholbedarf. „Eine unaktuelle Homepage ist schlimm“, weiß Neumann. Schließlich ist der Auftritt im Internet zumeist der erste Eindruck, den sich ein Interessent verschafft. Nicht wenige Fahrschulseiten scheinen aus den Kindertagen des Onlinewesens zu stammen. Dabei wandelt sich soeben das Berufsbild des Fahrlehrers – hin zum Mobilitätsberater und Fahrzeugsoftware-Pädagogen. „Mancher Kollege scheut die Investition“, erklärt der Branchensprecher, „und mancher ist gedanklich nicht so weit.“

Information

Stop!

Wer ins Auto steigt, wird Schrecksekunden und Wutausbrüche erleben. „Der hat seinen Führerschein wohl auf dem Jahrmarkt gewonnen“, ist mit Blick auf Vorder-, Hinter- oder Nebenmann ein gängiger Verdacht. Ein Blick auf die Straße:


Blinken: Abbiegen oder Fahrstreifenwechsel funktionieren auch ohne Blinker – muss ja nicht jeder wissen, wo ich hin will.


Stoppen: Achteckiges Schild, Aufschrift „Stop“, dicke Linie auf der Fahrbahn – papperlapapp: Anhalten selbst ohne Querverkehr belastet die Umwelt und vergeudet Zeit.


Rechts vor links: Woher soll man in der Eile wissen, wer rechts, wer links ist – wer zuerst kommt, fährt halt zuerst. Irre: Mitunter sollen Linksabbieger Recht haben, wenn sie auf die Vorfahrt pochen. Ausgerechnet eine schnöde abgeflachte Bordsteinkante setzt die RVL-Regel außer Kraft? Glaubt doch keiner!


Verkehrsberuhigter Bereich: Schrittgeschwindigkeit? Dafür sind Autos nicht gebaut – könnte man ja gleich zu Fuß gehen …


Grünpfeil: Paradox: Die einen halten beim Rechtsabbiegen trotz Grünpfeils dauerhaft an der roten Ampel und werden angehupt, die anderen rollen ohne Stopp durch und werden, wenn’s die Polizei bemerkt, streng bestraft.


Rettungsgasse: Seitdem beim Stau vermehrt Fahrer nach links beziehungsweise rechts ziehen, bietet sich den Spurhaltern ein viel freierer (Fotografier-) Blick nach vorne, teilweise bis zur Unfallstelle! mafi



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