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Hubert Seipel stößt im Hamelner Forum auch auf Kritik

Nachts mit Putin in der Kapelle

Hameln. Ein Ritt mit freiem Oberkörper, das Posieren mit wilden Tigern oder auch ein Tauchgang an der Meerenge von Kertschzwei: Geschickte Selbstinszenierungen wie diese haben sein Bild in der westlichen Welt geprägt. Seit Wladimir Putin im Jahr 2000 das Amt des russischen Präsidenten übernahm, steht sein Name stellvertretend für alles, was politisch in Russland passiert.

veröffentlicht am 19.02.2016 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 27.10.2016 um 18:41 Uhr

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Autor:

vON rÜDIGER pRADELLA
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Wie der private Putin hinter dem Machtmenschen Putin aussieht, weiß jedoch kaum jemand. Einer, der so viel Zeit mit dem russischen Präsidenten verbracht hat, wie kein anderer westlicher Journalist, ist Hubert Seipel. Bereits 2012 erschien seine ARD-Dokumentation „Ich, Putin“, in der er versuchte, ein politisches wie auch psychologisches Porträt Putins anzufertigen. Jetzt hat der ernste Brillenträger mit dem markant gelockten Haar ein Buch dazu geschrieben: „Putin – Inneneinsichten der Macht“ heißt Seipels Werk, das er am Mittwochabend im Lalu im Rahmen des Hamelner Forums vorstellte.

Die Themen sind vielfältig und doch nicht überraschend gewählt. Seipel erzeugt eine Nähe, wie es Biografen selten gelingt. So kommen immer wieder auf den ersten Blick nebensächliche, auf den zweiten aber bezeichnende Details über Putin zum Vorschein: „Bei einer nächtlichen Besichtigung seiner Privatkapelle erklärte mir Putin sein Motiv“, heißt es etwa. Wer hätte gedacht, dass es auf dem Präsidentenanwesen außerhalb Moskaus eine Kapelle gibt? Boris Jelzin hatte sie zerfallen lassen, der russisch-orthodoxe Christ Putin ließ sie restaurieren. Aber auch brisante Themen wie Homosexualität und die Kriege in Syrien und der Ukraine wurden nicht ausgespart. Die Sicht Seipels ist tendenziell eine putinfreundliche. Er kennt Hintergründe, versucht Themen auch aus einer anderen – der russischen – Perspektive zu betrachten. Dies gefällt offenbar vielen Anwesenden – aber nicht allen. In der Diskussionsrunde wird dies deutlich. „In Syrien werden jeden Tag Krankenhäuser und Schulen bombardiert. Es sterben Kinder und Frauen, und Sie verkaufen uns Putin als guten Menschen!“, bringt ein Mann mit arabisch klingendem Akzent zornig hervor. Er hatte sich etwas anderes erhofft, mehr Kritik an Putin, vielleicht gar eine Lösung.

Andere sind gnädiger in ihren Fragen. „Welchen persönlichen Eindruck haben Sie von Putin?“, „Gibt es einen neuen kalten Krieg oder sogar einen heißen Krieg?“ oder auch: „Was halten Sie von den Kampagnen gegen Putin?“ wird gefragt.

Seipel bleibt vorsichtig: „Wir sind in einem Propagandakrieg, der über viele Kanäle läuft, überhaupt keine Frage“, sagt er. „Auf den Zug mit der Lügenpresse springe ich aber nicht auf.“

TV-Journalist Hubert Seipel hat Wladimir Putin über Jahre immer wieder getroffen. Im Hamelner Forum sprach er über den russischen Präsidenten. Foto: rpr



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