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Großangelegte Suchaktion an der Weser / Feuerwehrtaucher rücken auch zu Unwetter-Einsatz aus

Nachts in Hameln – Mann läuft ins Hochwasser

Hameln. Was ist am frühen Montagmorgen an der Weserpromenade in der Nähe der Jugendherberge geschehen? In der Dunkelheit sei ein Mann vom überfluteten Fußweg in den Fluss gelaufen und von der starken Strömung mitgerissen worden, berichtet ein 18 Jahre alter Hamelner, der sagt, er sei nachts spazieren gegangen, weil er nicht schlafen konnte. Um 2.13 Uhr informiert der Augenzeuge die Polizei. Sein Notruf löst eine großangelegte Suchaktion aus. Die Polizei schickt Streifenwagen, die Feuerwehr zieht Spezialisten zusammen. Taucher und Bootsführer rücken mit zahlreichen Fahrzeugen an. Doch schnell steht fest: Ein Rettungsboot kann nicht zu Wasser gelassen werden. Zum einen ist die Strömungsgeschwindigkeit wegen des Weserhochwassers extrem hoch; derzeit beträgt sie 1,5 Meter pro Sekunde. Zum anderen könnte die Bootsbesatzung bei völliger Finsternis keinen Hindernissen ausweichen. „Auf dem Fluss ist viel Treibgut unterwegs. Es ist zudem unmöglich, die überfluteten Zäune zu sehen“, sagt Ortsbrandmeister Emil Burose.

veröffentlicht am 01.03.2010 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 10.11.2016 um 17:21 Uhr

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Autor:

Ulrich Behmann
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Ehren- und hauptamtliche Feuerwehrleute bringen an beiden Ufern der Weser starke Halogenscheinwerfer in Stellung, rüsten sich mit Handscheinwerfern aus und machen sich zwischen Hameln und Wehrbergen zu Fuß auf die Suche nach dem Verunglückten. Polizisten halten derweil auf der anderen Weserseite Ausschau nach einem Menschen in Not. Polizeihubschrauber „Phönix 95“, der über eine Wärmebildkamera und einen Suchscheinwerfer verfügt, kann wegen des Orkans nicht starten. Die Suche nach dem ins Wasser gestürzten Läufer wird um 3.30 Uhr erfolglos abgebrochen.

Am Nachmittag kann das „Fliegende Auge“ der Polizeihubschrauberstaffel eingesetzt werden. Zwischen 15 und 16 Uhr sucht die Besatzung den Fluss ab. Sie kann keine Leiche finden. „Bei uns ist bislang keine neue Vermisstenmeldung eingegangen“, sagt der Erste Kriminalhauptkommissar Axel Brünger, Leiter des 1. Fachkommissariats, auf Anfrage der Dewezet.

Der Weserpegel liegt bei 5,56 Meter. Derzeit fließen pro Sekunde 870 000 Liter Wasser durch Hameln. Eine gigantische Menge. Nach Angaben des Hochwassermeldedienstes ist die Gefahr für die Altstadt vorerst gebannt. „Die drei Wetterdienste, mit denen wir in Kontakt stehen, haben für die kommenden Tage keine größeren Niederschlagsmengen vorausgesagt“, berichtet Andreas Böhmert und fügt hinzu: „Oberhalb und unterhalb von Hameln fallen die Pegel bereits leicht.“ Die zu 89 Prozent gefüllte Edertalsperre hat einen Zufluss von 197 Kubikmetern pro Sekunde. Sie gibt derzeit 110 Kubikmeter Wasser pro Sekunde ab. Das ist der Grund, warum das Wasser nur langsam fallen wird.

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Die Feuerwehrtaucher sind gestern ein zweites Mal angefordert worden. Bei dem Orkan ist ein Teil des Förderbandes eines 130 Tonnen schweren Schwimmbaggers in einen Kiessee bei Tündern gefallen. „Durch die starken Böen sind zwei Stahlseile gerissen“, erklärt Betriebsleiter Frank Hermann Gericke.

Am Mittag steigt Taucher Frank Löhle ins eiskalte Wasser und befestigt am versunkenen Förderband zwei Gurte. Ein 100-Tonnen-Autokran ist schon in Stellung gegangen. Kranführer Hermann Alves nimmt das schwere Ungetüm an den Haken. „Wenn wir Glück haben, können wir in drei Tagen wieder fördern“, sagt Gericke. Den Sturmschaden schätzt er auf 20 000 Euro.

„Zwei Taucheinsätze an einem Tag, das kommt nicht oft vor“, sagt Lehrtaucher Christoph Nolte, stellvertretender Leiter der Tauchergruppe. Nolte und seine Kameraden lieben ihren Job. Sie machen ihn ehrenamtlich.

Bis tief in die Nacht sind auch andere Freiwillige im Einsatz gewesen. Killer-Orkan „Xynthia“ hat ihnen viel Arbeit beschert. Mehr als 300 Mitglieder von 31 Feuerwehren sind im Zuständigkeitsgebiet der Leitstelle „Weserbergland“ damit beschäftigt gewesen, entwurzelte Bäume von Straßen, Schienen und von einem Haus zu räumen. Innerhalb von nur zwölf Stunden hat die Leitstelle 67 Unwetterschäden registriert. Der letzte Einsatz hat die Freiwillige Feuerwehr Hameln gestern um 3.30 Uhr nach Klein Berkel geführt. An der Schulstraße war eine Tanne auf einen Gehweg gestürzt.

Das versunkene Förderband wird von einem Kran aus dem Kiessee gehievt. Sicherungstaucher Benjamin Streichert verfolgt die Bergung vom Ufer aus.

Das tonnenschwere Kiesförderband liegt auf dem Grund des Sees. Feuerwehrtaucher haben es am Haken eines 100-Tonnen-Kranes befestigt.

Nachts an der Hamelner Jugendherberge – Feuerwehrtaucher Carsten Bartling (links) und Matthias Nauenburg rüsten sich für einen Rettungseinsatz aus. Ein Mann soll um 2.13 Uhr in die Weser gefallen und von der Strömung mitgerissen worden sein.

Fotos: ube



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