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Zum Verkaufsstart gab es die Erweiterung von „World of Warcraft“ schon ab Mitternacht

Nachtaktiv: Spielefans gehen auf Shoppingtour

Hameln (jch). Während im Supermarkt noch die letzten Böden gewischt werden, bevor auch hier – wie im Rest der Gebäude an der Böcklerstraße in Klein Berkel – das Licht ausgeht, ist der Parkplatz vor dem Hamelner Mediamarkt hell erleuchtet. Es ist viertel vor zwölf in der Nacht. Kleine Gruppen von Leuten – bis auf drei Ausnahmen alles Männer im Alter zwischen 18 und Ende 20 – stehen herum, reden, rauchen, warten, während hinter der Schiebetür zwei Sicherheitsleute auf die Uhr schauen.

veröffentlicht am 26.09.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 05.11.2016 um 12:21 Uhr

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Merkwürdiger als diese Momentaufnahme ist der Grund für die nächtliche Zusammenkunft: Es geht um „Mists of Pandaria“, eine Erweiterung des Onlinespiels „World of Warcraft“ (WoW), dessen Verkaufsstart um 0.01 Uhr am Dienstagmorgen beginnt. „Es geht darum, dass man hier dabei ist“, erklärt einer der Männer, die sich jetzt zu einer Schlange vor der Tür formieren. Eigentlich, gibt er zu, sei es Schwachsinn, sich hier in der Nacht anzustellen, „den Code, um das Update freizuschalten, kann man eigentlich auch online kaufen.“ Aber das Ganze habe schon Kult-Charakter, denn auch die vorangegangenen Erweiterungen wurden bereits nachts verkauft.

Rund 35 Euro kostet die Erweiterung des Spiels. Doch die meisten der Spieler, die in dieser Nacht hier sind, kommen mit einer deutlich größeren Box aus dem extra eingerichteten Verkaufsbereich. „Das hier ist die Collectors Edition“, erklärt der erste Kunde der Nacht. Für ein Buch mit Zeichnungen der Charaktere, ein Mauspad, zwei Spielfiguren und einige andere Fan-Artikel hat er rund 70 Euro hingeblättert. „Musste sein!“ Zusätzlich zu den neuerlichen Kosten werden für jeden Spieler monatlich ein paar Euro für den Zugang zum Onlinespiel fällig.

In der Schlange an der Kasse, die schnell mehr als 50 Menschen zählt, drehen sich die Gespräche weniger um die Erwartungen an das neue Spiel, sondern darum, wie sich die kommende Nacht und der Tag gestalten lassen. Während sich einer freut, dass er erst gegen elf zur Schule muss, gibt ein anderer offen zu, dass er sich für die kommenden Tage habe krankschreiben lassen, um Zeit für das neue Spiel zu haben. Das erklärt auch, warum die ansonsten sehr auskunftsfreudigen Onlinespieler ihre Namen lieber nicht in der Zeitung lesen wollen.

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Das Suchtpotenzial von WoW scheint immens. Einige der Spieler wollen mit der Installation deshalb lieber warten, um nicht in die Verlegenheit zu geraten, doch die Nacht durchzuspielen. Der Suchbegriff „Sucht World of Warcraft“ wirft bei Google mehr als vier Millionen Einträge aus, die sich mit dem Thema beschäftigen. In Foren gibt es Hilfen zum Ausstieg, verschiedene Kliniken im Land bieten mittlerweile Entziehungskuren für Online-Spieler an. Das Problem: Das Spiel kann nicht einfach gespeichert und ein paar Tage später wieder aufgenommen werden. Alles findet online statt. Wer aufhört, gerät ins Hintertreffen, weil andere weiterspielen, virtuelle Schlachten schlagen, Reichtümer anhäufen. Wer oben mitspielen will, muss dranbleiben. Für die meisten der rund zehn Millionen Spieler weltweit hat der Ehrgeiz im Spiel Grenzen, andere können aber nicht mehr davon lassen.

Große Hoffnungen, nach der Rückkehr an den Computer gleich in die neue Welt des Online-Universums einzutauchen, hat an diesem Abend keiner der Zocker, die die neue Version in Händen halten. „Die Server sind bestimmt bis heute Nacht um drei komplett dicht“, mutmaßt einer von ihnen. Danach könne man sowieso erst mal damit rechnen, von denen, die schon drin sind „platt gemacht“ zu werden. Will heißen: Die Nachtkauf-Aktion ist eigentlich sinnfrei. Aber: Sie eint die Hamelner WoW-Gemeinde, die sich so auch mal persönlich trifft, statt über Headset miteinander zu kommunizieren.

Auch Michael Kolzuniak, Geschäftsführer des Hamelner Mediamarktes, ist zufrieden mit der Aktion. „Wir haben aufgrund der vielen Nachfragen wieder einen Nachtverkauf veranstaltet und sind sehr zufrieden.“ Bis zum Redaktionsschluss sollen allein in seinem Geschäft mehr als 300 Exemplare des neuen Spiels über den Tresen gegangen sein.

Am Dienstagmorgen um 0.01 Uhr öffneten sich die Tore, und Online-Spiele-Fans konnten die Erweiterung ihres Lieblingsspiels kaufen.

Fotos: jch

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