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Unternehmen setzt auf Aufklärung / In fünf Jahren bundesweit 80 Unglücke

Nach tödlichem Stromunfall: Bahn hält nichts von Zäunen

HAMELN. Nach dem Stromunfall auf den Gleisen an der Prinzenstraße, bei dem am Freitag ein Kind ums Leben gekommen ist, werden Rufe nach einer besseren Absicherung der Bahnanlagen in Wohngebieten laut. Alle Gleise einzuzäunen, sei jedoch nicht möglich, heißt es von der Bahn. Man setzt auf Aufklärung.

veröffentlicht am 11.09.2018 um 16:04 Uhr
aktualisiert am 11.09.2018 um 20:50 Uhr

Piktogramme an diesem Kesselwaggon, der am Hamelner Hafen steht, warnen vor der Gefahr durch Stromschläge. Solche Hinweisschilder befinden sich allerdings nicht an jedem Waggon. Foto: Leo
Ulrich Behmann

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Ulrich Behmann Chefreporter zur Autorenseite
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Der Zehnjährige war am Freitagnachmittag auf einen Kesselwaggon geklettert. Ein Augenzeuge sagte, der Junge sei gestolpert und habe versucht, sich an der 15 000-Volt-Oberleitung festzuhalten. Erst im März 2016 zog sich eine 18-Jährige in Höhe der Sertürnerstraße schwerste Verbrennungen zu – auch sie war auf einen Kesselwaggon geklettert. Im August 2006 kam ein 15-Jähriger am Güterbahnhof ums Leben. Nach Angaben der Feuerwehr war der Jugendliche auf einen Hochspannungsmast geklettert – es war wohl eine Mutprobe. In den vergangenen fünf Jahren gab es Bahnangaben zufolge etwa 80 solcher Unfälle.

Es sei nicht möglich, alle Gleise einzuzäunen, sagt die Deutsche Bahn – schon aufgrund der Länge des Schienennetzes, das mehr als 33 000 Kilometer lang ist und auch durch bewohnte Gegenden führt. Dazu kommen über 5700 Bahnhöfe und Haltepunkte in Städten und Gemeinden. „Somit wäre ein Zaun mit einer Länge, die zweimal um den Äquator reicht, erforderlich.“ Dieser müsse allerdings zahlreiche Lücken haben – etwa an Bahnübergängen oder an Zugängen für die Reisenden. „Und er müsste Rettungskräften und Instandhaltungspersonal freien Zugang zum Schienennetz ermöglichen.“

Auch das Einzäunen von speziellen Gefahrenbereichen, zum Beispiel an Bahnübergängen, bringe nichts, meint DB-Sprecher Egbert Meyer-Lovis. „Die Erfahrung zeigt: Die Zäune werden einfach eingerissen. Die Halbwertszeit beträgt zwei Monate.“ Außerdem könnten Personen um den Zaun herumlaufen, wenn sie es darauf anlegten. Am Unglücksort in der Hamelner Südstadt sind nach Angaben der Bahn „grundsätzlich keine anderen Sicherungsmaßnahmen vorgesehen als die bisherigen“. Die Bahn begründet das so: Das steile und dicht bewachsene Gelände sei bereits „extrem schwer zugänglich“.

Die an Kesselwaggons fest installierten Leitern verleiten Kinder zum Klettern. Foto: ube
  • Die an Kesselwaggons fest installierten Leitern verleiten Kinder zum Klettern. Foto: ube

Obwohl es klare Regeln und Hinweisschilder gebe, komme es an Bahnanlagen leider immer wieder dazu, dass nicht nur Erwachsene ihr eigenes Leben und das anderer Menschen durch leichtfertiges Verhalten und Unachtsamkeit gefährdeten, sondern auch Jugendliche und Kinder, sagt Meyer-Lovis. Daher engagiere sich die Deutsche Bahn seit Jahren gemeinsam mit der Bundespolizei und anderen Partnern präventiv, um Unfälle zu vermeiden. Die Bahn setzt eigenen Angaben zufolge „auf intensive Aufklärungsarbeit“. Für Kindergartenkinder und Schüler wurden spezielle aufwendig gestaltete Medienpakete konzipiert, die (auch von Lehrern) im Internet abgerufen werden können. Dennoch kommt es immer wieder zu schweren Unfällen. Allein in den vergangenen fünf Jahren haben sich bei der Deutschen Bahn Hunderte Unfälle durch unerlaubtes Betreten der Gleise ereignet. Im gleichen Zeitraum haben sich etwa 80 weitere Unfälle ereignet, weil Personen auf Waggons oder Strommasten geklettert sind.



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