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Verband der Reservisten der Deutschen Bundeswehr geht auf Distanz

Nach Fahnenklau bei Reservisten: Aufrufe zur Gewalt?

HAMELN. Wenn es um die Flagge der „Reservekameradschaft Hameln 1“ geht, dann ist Schluss mit lustig: Nachdem den Reservisten zum wiederholten Mal die Fahne vom Mast gestohlen worden ist, kochen auf ihrer Facebook-Seite zumindest die Emotionen hoch. So hoch, dass Kommentare als Aufruf zur Gewalt interpretiert werden können.

veröffentlicht am 12.04.2017 um 11:11 Uhr
aktualisiert am 12.04.2017 um 19:43 Uhr

Auf der Facebook-Seite der Reservistenkameradschaft Hameln 1 kochen nach dem Fahnenklau die Emotionen hoch. Foto: Screenshot
Philipp Killmann

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Philipp Killmann Reporter zur Autorenseite
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Ein Administrator der Facebook-Seite „Reservistenkameradschaft Hameln 1“ hatte am 24. März zwei Fotos eines Fahnenmastes veröffentlicht. Dazu hatte er geschrieben, dass der Reservekameradschaft Hameln 1 (RKHM 1) in der Nacht zuvor nunmehr zum zweiten Mal die Fahne gestohlen worden wurde. Reservisten sind vor allem ehemalige Soldaten, die sich, organisiert in Kameradschaften, als Mittler zwischen Gesellschaft und Bundeswehr verstehen. Auf der Facebook-Seite der RKHM 1 bot sich jetzt ein anderes Bild.

Wegen eines Aufklebers der Antifa (Antifaschistische Aktion) Hameln-Pyrmont, der an dem Fahnenmast womöglich im Zuge des Diebstahls angebracht wurde, war der vermeintliche Täter für den Administrator der Seite schnell ausgemacht: die Antifa. Anhänger der Antifa treffen sich regelmäßig im „Freiraum“ in der Walkemühle, wie auf der Internetseite des Freiraums zu lesen ist und in den Kommentaren zu dem strittigen Beitrag gepostet wurde. „Auf zum Hausbesuch“ war daraufhin etwa in den Kommentaren zu lesen. Ein anderer Kommentar bestand aus dem Foto einer Patrone – dazu die Worte: „Auch für Idioten gibt es ein Heilmittel!“

Weitere Kommentare, die als Aufruf zur Gewalt interpretiert werden können, wurden inzwischen teilweise gelöscht, liegen der Dewezet aber vor. Andere wurden bearbeitet. So wurde etwa aus „Da sollten wir mal vorbeischauen“ vom 24. März am Dienstag „Da sollten wir mal vorbeischauen, um das Gespräch zu suchen“.

Einer der beiden Seiten-Admins ist der stellvertretende Vorsitzende André Tolske. Er schrieb in seiner öffentlich einsehbaren Facebook-Chronik: „So liebe Antifa! Diesmal habt ihr euch mit den Falschen angelegt. Wir sind Reservisten und keine Weicheier. Zieht euch warm an!“ Inzwischen ist der Beitrag verborgen oder gelöscht worden.

Die Flagge der RKHM 1 war vom Privatgrundstück von Holger Maihöfer gestohlen worden. Maihöfer ist Schriftführer der RK und ebenfalls Admin der Facebook-Seite. Da es der zweite Fahnenklau innerhalb von fünf Wochen war, sei er entsprechend „sauer“, wie er im Gespräch mit der Dewezet sagt. Zumal beim letzten Mal auch die Flagge vom Kameradschaftsheim in der Holtensener Landstraße gestohlen worden sei.

Von den fragwürdigen Kommentaren wolle er sich aber distanzieren. „Wir wollten damit nicht zur Gewalt aufzurufen“, sagt er. „Wenn es so rüberkam, tut uns das sehr leid.“

Tatsächlich habe man die Angelegenheit sofort an die Polizei übergeben, bei der wegen Diebstahl, Hausfriedensbruch und Sachbeschädigung Anzeige erstattet worden sei. Die Polizei Hameln äußerte sich trotz mehrfacher Presseanfragen nicht zu dieser Angelegenheit.

Über die umstrittenen Facebook-Beiträge sagt Maihöfer, dass damit nicht zur Gewalt aufgerufen, sondern vielmehr die Bereitschaft „zum Gespräch“ zum Ausdruck gebracht werden sollte. Zumal eindeutige Kommentare, wie der mit der Patrone als „Heilmittel“, von Seitenbesuchern stammen würden, die nicht zur Hamelner Kameradschaft gehören. Dass diese Beiträge teilweise trotzdem stehen blieben, erklärt Maihöfer damit, dass er nicht ständig alle Aktivitäten im Blick haben könne.

Die Antifa, die Maihöfer hinter dem Diebstahl vermutet, sei ihm „völlig egal, schließlich sind wir keine Rechtsradikalen, sondern ehemalige Soldaten“. Wenn die Antifa „irgendwo eine Hakenkreuzflagge runterholt“, dann würde er das „gut verstehen, aber unsere Flagge steht für etwas ganz anderes: für die Bundesrepublik Deutschland, für die Ehre und für die RKHM 1“.

Auf Distanz zu den fragwürdigen Facebook-Beiträgen der RKHM 1 geht auf Anfrage auch der Verband der Reservisten der Deutschen Bundeswehr. „Direkte oder indirekte Aufrufe zur Gewalt dürfen nicht die Lösung sein“, teilt Sprecherin Nadja Klöpping auf Anfrage mit. Gleichwohl äußert der Verband auch Verständnis: „Was wir jedoch nachvollziehen können, ist die emotionale Aufgeladenheit dieser Diskussion“, so Klöpping. Die Kameradschaftsfahne sei „das wichtigste Symbol einer Reservistenkameradschaft.“ Der Verband wolle nun das Gespräch mit dem Administrator suchen „und ihm noch einmal die Verantwortung bewusst machen, die er und seine Kameraden tragen“. Der Reservistenverband setze sich „satzungsgemäß für die freiheitlich demokratische Grundordnung ein“.

Seit Herbst 2016 ist auch der heimische Bundestagsabgeordnete Michael Vietz (CDU) Mitglied der Reservistenkameradschaft Hameln 1. Er befindet die strittigen Kommentare für „schwierig“ und hätte sich von dem Admin der Seite einen „sensibleren Umgang“ mit dem Sachverhalt gewünscht. Die Wut über den Fahnenklau müsse „unter Kontrolle bleiben“.

Dieter Düllberg, der Vorsitzende der RK, erfuhr gestern erst von der Dewezet von den Vorkommnissen. Er habe die Beiträge zwar noch nicht selbst sehen können, sei aber „am Boden zerstört“. Am morgigen Freitag wolle er dies persönlich mit den Verantwortlichen besprechen. „Ich will eine vernünftige RK haben“, sagt er. „Aber so etwas schadet uns nur, denn für so etwas stehen wir nicht.“

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