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Sicherheitsdienst, der Flüchtlingsunterkunft absicherte, musste anschließend Insolvenz anmelden

Nach dem Großauftrag die Pleite

HAMELN. 2013 hatte sich der Sicherheitsdienst an der Karlstraße gegründet, war vor allem auf die Installation von Alarm- und Videoanlagen für Industrie- und Handelsunternehmen sowie für Privatleute spezialisiert, sicherte aber beispielsweise auch Veranstaltungen wie die Cebit in Hannover ab und übernahm den Personenschutz für Stars wie Diane Kruger. Nun existiert die Firma Trudwig in ihrer bisherigen Form nicht mehr.

veröffentlicht am 15.02.2018 um 18:05 Uhr

Das Schild am Hoftor ist geblieben, doch die Trudwig GmbH & Co. KG ist nicht mehr im Geschäft. Foto: fn
Wiebke Kanz

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Wiebke  Kanz Reporterin (in Elternzeit) zur Autorenseite
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Gefühlt ist es die nächste Firmeninsolvenz, die Statistik sagt allerdings anderes aus: Noch im März vor einem Jahr berichtete die Dewezet über „ein stabiles, leistungsfähiges Dienstleistungsunternehmen“ in der Sicherheitsbranche – die Hamelner Trudwig GmbH.

2013 hatte sich der Sicherheitsdienst an der Karlstraße gegründet, war vor allem auf die Installation von Alarm- und Videoanlagen für Industrie- und Handelsunternehmen sowie für Privatleute spezialisiert, sicherte aber beispielsweise auch Veranstaltungen wie die Cebit in Hannover ab und übernahm den Personenschutz für Stars wie Diane Kruger. Nun existiert die Firma Trudwig in ihrer bisherigen Form nicht mehr: Trudwig hat bereits im Juni 2017 beim Amtsgericht Hameln ein vorläufiges Insolvenzverfahren beantragt, im September wurde das Verfahren offiziell eröffnet.

„Der operative Geschäftsbetrieb wurde eingestellt“, sagt Insolventanwalt Martin Schmidt. Das heißt: Auf dem Papier existiert die Firma Trudwig noch, das Insolvenzverfahren läuft. Tatsächlich arbeitet dort aber seit September letzten Jahres niemand mehr, die Firmen-Homepage wurde abgeschaltet. Ein Teil der zum Zeitpunkt der Antragstellung elf Mitarbeiter und zwei Auszubildenden konnte in eine neue GmbH im Raum Hannover übernommen werden, in der nun auch Kai Trudwig, der ehemalige Geschäftsführer der Trudwig GmbH, angestellt ist. Insolventanwalt Schmidt verbucht das als Teilerfolg.

Nach Insolvenzen anderer Hamelner Betriebe (siehe Kasten) entsteht schnell der Eindruck, die Firmenpleiten häuften sich in den vergangenen Monaten. Das hält Dr. Martin Knufinke, Statistiker bei der Industrie- und Handelskammer in Hannover, aber für unwahrscheinlich. „Von 2016 auf 2017 sind die Insolvenzen bundesweit um 6 Prozent gesunken“, gibt er an. Dieser Trend lasse sich auch auf Niedersachsen und den Landkreis übertragen. Zwar gebe es von Kreis zu Kreis immer auch „Auf und Abs“ in der Entwicklung, die Konjunkturlage sei allgemein stabil, Pleiten dementsprechend zurückgegangen.

Die Firma Trudwig hatte im September 2015 die Überwachung und Absicherung der Flüchtlingsunterkunft auf dem Gelände der Linsingen-Kaserne übernommen. „Ein Riesenauftrag“, sagt Schmidt. Das vorher eher kleine Unternehmen – „sechs, sieben Mitarbeiter“, erinnert sich der Anwalt – habe seinen Mitarbeiterstamm innerhalb kürzester Zeit auf rund 30 Festangestellte erweitert. Zudem seien Firmenfahrzeuge geleast worden. „Die Umsätze sind in dieser Zeit von vorher knapp 500 000 Euro auf 4 Millionen Euro gestiegen“, so Schmidt weiter.

Als die Familienerstaufnahmeeinrichtung Ende Dezember 2016 geschlossen wurde, lief auch der Vertrag mit der Trudwig GmbH aus. Eine Infrastruktur, die im Jahr zuvor praktisch über Nacht aufgebaut worden war, wurde nun nicht mehr benötigt. Dies betraf nicht nur den Sicherheitsdienst, auch mehr als 100 ehren- und hauptamtliche Mitarbeiter des DRK hatten von heute auf morgen keine Aufgabe mehr – und Verträge, die noch über Monate weiterliefen. Allerdings wurden diese Gehälter aus öffentlichen Mitteln bezahlt – anders als beim Sicherheitsdienst: „Die Firma Trudwig konnte die laufenden Kosten nicht schnell genug wieder senken und ihre Mitarbeiter nicht mehr bezahlen“, sagt Schmidt. Am Ende blieb nur die Insolvenz.

Der ehemalige Geschäftsführer Kai Trudwig selbst war gestern nicht zu erreichen.

Information

Insolvenzen der vergangenen Monate

Laut der Wirtschaftsauskunftei CRIF Bürgel ist die Zahl der Firmenpleiten in Deutschland auf den tiefsten Stand seit 1999 gesunken. Das teilte das Unternehmen am Donnerstag mit. Betroffen von einer Insolvenz seien besonders kleine Firmen, die sich nicht etablieren konnten oder Unternehmen die weniger als zehn jahre am Markt waren. Etwa 15 Prozent der insolventen Firmen scheiterten bereits in den ersten zwei Jahren nach Gründung. In Hameln waren in den vergangenen Wochen von Insolvenz betroffen:

Im Dezember 2017 meldet die Natur Brikett GmbH , gegründet im Jahr 2012, Insolvenz an. Ursprünglich wollte das Unternehmen einen zweistelligen Millionenbetrag in einen neuen Standort investieren.

Im Sommer 2015 hatte die Sedai Druck GmbH und Co. KG die insolvente Druckerei Printmedienpartner GmbH in Wangelist übernommen, hatte Pläne, in Bad Nenndorf eine neue Druckerei zu bauen. Ende Januar meldete Sedai Druck Insolvenz an.ll

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