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Jeder Musikschüler wird pro Jahr mit mehr als 500 Euro subventioniert / Fusion kann sparen helfen

Muss die Stadt für Hobbys Erwachsener zahlen?

Hameln. Sie sind wertvolle Bildungseinrichtungen für Kinder und Jugendliche. Viele Eltern möchten, dass ihr Kind früh mit Kunst und insbesondere mit Musik in Kontakt kommt; ein Instrument erlernt. Hameln bietet als Mittelzentrum mit der Jugendkunst- und Jugendmusikschule zwei solcher Einrichtungen, die sich der künstlerischen Früherziehung widmen. Und das kostet den Steuerzahler Jahr für Jahr Geld, viel Geld sogar, denn sowohl Jugendmusik- als auch Jugendkunstschule stehen unter separaten Verwaltungen.

veröffentlicht am 29.11.2010 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 12.01.2017 um 22:16 Uhr

Hans-Joachim-Weiß-Redakteur-Lokales-Hameln-Dewezet

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Hans-Joachim Weiß Reporter zur Autorenseite
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Während an der Jugendkunstschule ausschließlich Honorarkräfte beschäftigt sind, die die bis zu 120 Schüler pro Schuljahr in verschiedenen Sparten wie Malen, Werken oder Fotografie unterrichten, kümmert sich ein Mitarbeiter des Kulturbüros sowie eine weitere Kraft mit zehn Stunden pro Woche um das Management. Das allein schlägt mit 25 000 Euro pro Jahr zu Buche und muss bezuschusst werden, denn die Erträge in Höhe von 19 000 Euro decken gerade die Sachkosten und die Bezahlung der vier Honorarkräfte.

Bei der Subvention der Musikschule sind die Zahlen inzwischen sechsstellig: 922 000 Euro Aufwand stehen rund 487 000 Euro Ertrag gegenüber. Die Differenz von 435 000 Euro gleicht Jahr für Jahr die Stadt aus. Mit Geld, das eigentlich gar nicht vorhanden ist und die Verschuldung weiter vorantreibt.

27 Mitarbeiter, verteilt auf 18 Stellen, sind bei der Jugendmusikschule Hameln fest angestellt. Hinzu kommen zwei Mitarbeiter im Rathaus, verteilt auf 1,4 Stellen, die sich um die Verwaltung der Einrichtung kümmern. Etwa 850 Kinder und Jugendliche nutzen das Angebot, deren Eltern den Einzelunterricht mit monatlich 93 Euro vergüten müssen und für den Gruppenunterricht 60 Euro zu bezahlen haben. Genutzt wird die Jugendmusikschule auch von etwa 50 Erwachsenen. Die zahlen für den Einzelunterricht zwar monatlich 123 Euro, werden aber ebenfalls vom Steuerzahler subventioniert. Mit gut 500 Euro muss die Stadt Hameln pro Jahr jeden einzelnen Musikschüler bezuschussen.

Angesichts leerer Kassen eine nicht unerhebliche Summe. Dabei kommen auch Kinder in den Genuss der Förderung, deren Eltern sich ein höheres Entgelt durchaus leisten können. Eine einkommensgesteuerte Bezahlung wäre rechtlich zwar durchsetzbar, doch erhöhte das den Verwaltungsaufwand, „weil die Verdienstnachweise geprüft werden müssten“, wie Andreas Breitkopf als zuständiger Fachbereichsleiter betont. Jugendkunst- und Jugendmusikschule unter dem Dach der Volkshochschule zu integrieren, erscheint aussichtslos, weil sich dieser Zweckverband ausschließlich der Erwachsenenbildung verschrieben hat und ebenfalls bezahlt werden müsste. Ein entsprechender Prüfauftrag der Mehrheitsgruppe wird von der Verwaltung gerade abgearbeitet. Ende des Jahres will Breitkopf das Ergebnis verkünden.

Doch die Stadtväter kommen nicht umhin, auch an diesen Bildungseinrichtungen zu sparen, wollen sie Jugendkunst- und Jugendmusikschule dauerhaft in Hameln erhalten. Deshalb bedarf es unbequemer Entscheidungen: nämlich als erstes einer Fusion und damit der Zusammenlegung beider Verwaltungen unter ein Dach, was zumindest die Personalkosten senkte. Auch ist es verdienenden Erwachsenen, die sich im Alter entschließen, ein Instrument zu erlernen, zuzumuten, einen unsubventionierten Preis für ihr Hobby zu zahlen. Und die monatlichen Kosten für Kinder Besserverdienender gilt es ebenfalls zu überdenken, da zumutbar – als Solidarbeitrag zum dauerhaften Erhalt beider Einrichtungen in Hameln.

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