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Erneut halbe Million Defizit / Kirchenkreistag entscheidet über Schicksal der Einrichtung

Muss die Jugendwerkstatt morgen schließen?

Hameln (fh/ww). Der Jugendwerkstatt Hameln steht das Wasser bis zum Hals. Nachdem 2011 ein Defizit von rund 650 000 Euro verzeichnet wurde, sieht es in diesem Jahr nicht wirklich besser aus: Laut Dewezet-Informationen stellt man sich auf ein erneutes Minus in der Größenordnung von einer halben Million Euro ein. Morgen Abend wird nun der Kirchenkreistag über die Zukunft der Einrichtung und ihrer rund 50 Mitarbeiter entscheiden. „Ich würde mir sehr wünschen, dass es weitergeht“, sagt Superintendent Philipp Meyer – zum einen, weil ein Bedarf an Jugendarbeit bestehe, zum anderen, weil er eine „moralische Verpflichtung“ sieht, die diakonische Einrichtung zu erhalten.

veröffentlicht am 13.11.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 05.11.2016 um 05:21 Uhr

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Angesichts der neuen Hiobsbotschaften scheint der Neustart der Jugendwerkstatt bereits gescheitert: Seit Jahresbeginn arbeiten unter ihrem Dach die gemeinnützige Bildungs-GmbH und deren Tochtergesellschaft, die gemeinnützige Service-GmbH. Einziger Gesellschafter der Bildungs-gGmbh ist der Kirchenkreis Hameln-Pyrmont. Ziel der neuen Struktur war es, mehr Geld zu erwirtschaften. „Zu optimistisch“ seien die Erwartungen wohl gewesen, es in zwei bis drei Jahren auf eine „schwarze Null“ zu schaffen, sagt Meyer nun. Michael Lange, Geschäftsführer beider Gesellschaften, möchte sich gegenüber der Dewezet derzeit nicht zur finanziellen Lage der Jugendwerkstatt äußern.

Morgen werden den Mitgliedern des Kirchenkreistages nun die folgenden Optionen zur Abstimmung vorgelegt:

Eine Weiterführung der Jugendwerkstatt, mit „verringertem Umfang“ und dem Ausgleich der anfallenden Defizite durch den Kirchenkreis.

Eine Weiterführung mit „stark verringertem Umfang“ und deutlich weniger Personal.

Die Liquidation beider Gesellschaften der Jugendwerkstatt.

Wird kein anderer Beschluss gefasst, drohe den Gesellschaften die Insolvenz, heißt es.

Eigentlich hat der Kirchenkreis Hameln-Pyrmont – wie der Superintendent in der Vergangenheit wiederholt äußerte – nicht die Absicht, weiterhin finanziell in die Bresche zu springen. Mehr als 1,2 Millionen Euro habe der Kirchenkreis in den vergangenen Jahren für die Jugendwerkstatt gezahlt. „Unsere Ausgleichsrücklage ist verbraucht“, sagt Meyer.

Stadt und Landkreis versichern derzeit zwar, dass die bisherige Zusammenarbeit mit der Jugendwerkstatt im kommenden Jahr fortgesetzt werden soll – eine Förderung darüber hinaus ist in Zeiten klammer Kassen jedoch „illusorisch“, wie auch der Superintendent meint. Bisher bringt die Pflege der städtischen Hamelner Grünflächen der Jugendwerkstatt 58 000 Euro im Jahr ein. 150 000 Euro sollen für die Durchführung verschiedener Projekte – etwa des Jugendarbeitslosen-Projekts für 14- bis 27-Jährige – im kommenden Jahr vom Landkreis in die Kasse der Jugendwerkstatt fließen.

Rudolf Kallmeier-Voss, Sprecher des Jobcenters Hameln-Pyrmont – einer der größten Auftrag- und Geldgeber der Jugendwerkstatt – sagt, dass Gespräche über die Vergabe möglicher Aufträge für 2013 bereits geführt wurden. Falle die anstehende Prüfung positiv aus, vergebe das Jobcenter im kommenden Jahr 20 Aufträge, deren Kosten im jeweils vier- bis fünfstelligen Bereich lägen, an die Jugendwerkstatt.

Für die Verantwortlichen der Jugendwerkstatt ist all das wohl nur ein schwacher Trost, denn grundsätzlich sind entscheidende Einnahmen rückläufig: 1,98 Millionen Euro sind noch im Jahr 2006 von der Arbeitsagentur an die Jugendwerkstadt gegangen. Im vergangenen Jahr waren es gerade noch 850 000 Euro. Ein Ausfall von 1,1 Millionen Euro – das sei „nicht verkraftbar“, sagt Superintendent Meyer. Der allgemeine wirtschaftliche Aufwind und der demografische Wandel („Es sind viel weniger Jugendliche“) seien Gründe für diesen Rückgang. Vor allem aber wirke sich die Tatsache aus, dass auch Arbeitsförderungsmaßnahmen nun an die billigsten Anbieter vergeben würden. „Und das sind oft nicht wir“, sagt Meyer. Bis zu 300 Jugendliche sind derzeit in der Jugendwerkstatt aktiv.

Die Jugendwerkstatt Hameln hatte eigentlich gehofft, nach dem turbulenten Jahr 2011 nun in ruhigeres Fahrwasser zu gelangen. Der langjährige Leiter Klaus-Dieter Jösten war im März des vergangenen Jahres nach diversen Unregelmäßigkeiten entlassen worden. Ein Rechtsstreit folgte. Interimschef Bernt Renzenbrink leitete schließlich die Gründung der zwei Gesellschaften ein. Zum Beginn dieses Jahres übernahm Lange das Ruder: „Jede Maßnahme wird auf den Prüfstand gestellt, ob sie sich noch rechnet“, sagte der neue Geschäftsführer zum Einstieg. Die Wende hat er damit offenbar nicht geschafft.



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