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13. Auflage von „Musik hinter Gittern“ findet bei Häftlingen großen Anklang

Musizieren als Katalysator

Tündern. „Hallo, mein Name ist Cetin, ich spiele seit 14 Tagen Klavier“, sagt der junge Mann etwas schüchtern. Was dann folgt, damit hätte niemand gerechnet. Zusammen mit Klavierlehrer Georgi Dimitrov absolviert der Häftling ein kleines Stück fehlerfrei, und erntet donnernden Applaus und „Super“-Rufe.

veröffentlicht am 07.04.2014 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 01.11.2016 um 15:41 Uhr

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Autor:

Ernst August Wolf
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Cetin ist einer der drei Insassen der Jugendanstalt Tündern, die im Rahmen des 13. Konzertes „Musik hinter Gittern“ ihre Klavierkünste vortrugen. Seit 2007 bietet Dimitrov jugendlichen Straftätern die Möglichkeit, sich mit Klavierunterricht zu beschäftigen. Sein Erfolgsrezept lautet: „Ich bin Dein Freund, nicht Dein Lehrer.“ Musik sei ein echter Katalysator, noch nie habe er gehört, dass einer seiner Schüler rückfällig geworden sei, so der Musiklehrer.

Eine Feststellung, die auch der erstmals zum Konzert erschienene neue Staatssekretär im Justizministerium, Wolfgang Scheibe, mit Interesse vernahm. Von der Konzentration, Geduld und Begeisterung der zuhörenden Häftlinge überrascht, wertete Scheibe das Konzert als einen „deutlichen Fingerzeig“ und „einen erfolgreichen Weg in eine straffreie Zukunft“. Was in Tündern mit der Konzertreihe „Musik hinter Gittern“ veranstaltet werde, habe durchaus Vorbildcharakter.

Zum 13. Mal gastierte Hartmut Zimmermann von der Internationalen Stiftung zur Förderung von Kultur und Zivilisation mit seinem Ensemble in der Jugendanstalt. Auf dem Programm standen leicht verständliche, zielgruppenorientiert anmoderierte Stücke von Schumann, Offenbach und Lortzing sowie ein zeitgenössisches Solo für Viola von Simon Papanas. Dessen „Come Paganini“ betiteltes „Caprice für Viola solo“ fand durchaus das Interesse der jugendlichen Zuhörer. „Das ist mal was ganz anderes als bloß Musik im Radio. Und diese Art von Musik kommt bei vielen auch an, weil man sie live erlebt.“ So wurde auch das Viola-Solo der 31-jährigen, aus St. Petersburg stammenden Maria Pavlova heftig beklatscht. Die seit zehn Jahren in Deutschland lebende Musikerin hat in Karlsruhe studiert und gastierte zum ersten Mal in der Jugendanstalt. Wie sich das als Frau vor so vielen jungen Männern anfühle? „Ach wissen Sie, Publikum bleibt Publikum“, so die junge Musikerin gelassen. „Was hier besonders auffällt, ist, dass es zu einem emotionalen Wechselspiel zwischen Zuhörern und der Musik kommt. Mich hat überrascht, dass doch eine deutliche Freude im Publikum zu spüren ist.“

„Eigentlich treffen hier schon zwei Welten aufeinander, aber die Jungs lernen auch, dass Disziplin, Fleiß und Leistung, Durchhaltevermögen und gutes Selbstwertgefühl zum Erfolg führen“, so auch Dietmar Müller von der Jugendanstalt. Eine Feststellung, die vom tosenden Applaus bestätigt wurde.

Spielte erstmals in der Jugendanstalt Tündern: Maria Pavlova aus St. Petersburg.

eaw



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