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Frankfurter Nonsens-Duo präsentiert in der Sumpfblume neues Programm

„Mundstuhl“: Deftig-derb mit voller Wucht

HAMELN. Der Andrang ist groß, die Schlange vor der Kasse lang und die Vorfreude fast mit Händen greifbar. Warum Mundstuhl? „Weil die aus Hessen kommen, so wie ich auch“, outet sich eine der drei Damen in der vierten Reihe. „Wir wollen Spaß haben und Mundstuhl schafft das“, erklären Yvonne, Gabi und Silke. So wie alle an diesem Abend in der proppevollen Sumpfblume. Blöd nur, dass Roger Whittakers schnulziges „Albany“ gleich viermal hintereinander läuft.

veröffentlicht am 26.11.2018 um 17:30 Uhr
aktualisiert am 26.11.2018 um 18:20 Uhr

In ihren flamingofarbenen und wurstpellenartigen Kostümen erntet das Duo einen grandiosen Auftrittsapplaus. Foto: eaw
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Ernst August Wolf Reporter
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Ein Versehen der Technik? Keineswegs, denn das ist bereits die Einstiegsnummer zum nigelnagelneuen Programm von Mundstuhl. „Flamongos“ heißt das und in ihren hautengen, männliche Problemstellen an Bauch und Hüfte deutlich akzentuierenden, flamingofarbenen und wurstpellenartigen Kostümen erntet das Duo einen grandiosen Auftrittsapplaus.

„Unser Programm ist neu. Wir üben heute vor Publikum“, stellen Lars Niedereichholz und Ande Werner unverfroren fest. „Wo sonst, wenn nicht in Hameln?“ Und so beginnt eine ebenso rasante wie respektlose, deftig-derbe und zotenreiche, politisch absolut unkorrekte Comedy-Supershow.

Manchmal geht die im Sekundentakt verbal unter die Gürtellinie. Sehr zum Vergnügen des Publikums. Das ist mehrheitlich zwischen 40 und 60 plus und hält den beiden Hessen schon seit Jahrzehnten die Treue. „Die sind einfach Kult“, stellt auch ein Zuschauer aus Springe mit hessischem Migrationshintergrund fest. Tiefschürfiges Polit-Kabarett ist nicht die Sache der beiden Comedians, die an diesem Abend in viele verschiedene Rollen schlüpfen.

Tempo ist stattdessen angesagt. Verbale Regelverletzung im Stil der klassischen Punch-and-Judy-Show gibt’s zuhauf. Doch gerade das erwartet das treue Mundstuhl-Publikum. Da spielt es keine Rolle, dass es ab und an zu grenzwertigen Entgleisungen kommt, die geschmackliche Grundberührungen verursachen. Je doller, desto ausgerasteter die Reaktion. Ganz im alten, bewährten und beliebten Stil von forschen Dialogen, die mitunter zur Schreierei ausufern, halten Mundstuhl uns den Zerrspiegel vor. Etwa als alleinerziehende Ossi-Dating-App-Expertinnen Peggy und Sandy aus dem ostdeutschen Plattenbau, im steten Konflikt zwischen Flüchtlingsintegration und den Problemen mit ihrem nach rechts ausufernden neo-patriotischen Nachwuchs. Nicht nur das Outfit der beiden, auch ihre Denke ist herrlich schrill. Schenkelklopfer garantiert.

Großartig auch die Parodie auf die Illusionisten Siegfried und Roy, die hier Sickfried und Roooy heißen und gekonnt eine Las-Vegas-Zaubernummer auf die Schippe nehmen. Das ist Nonsens pur. Natürlich sind auch die beiden Klassiker Dragan und Alder wieder mit dabei, die sich ganz den modernen Statussymbolen der Gegenwart, sprich Instagram-Fotos, widmen.

Mundstuhl, das ist eine Comedy-Institution. Vielfach ausgezeichnet, sogar mit dem Echo. Auch in der Sumpfblume boten sie ein komödiantisches Elementarerlebnis voller Wucht. Ihr zehntes Bühnenprogramm, ohne Pause, atem- und ruhelos, mit unerhörter Witz- und Pointendichte. Mundstuhl, das ist der witzigste Comedy-Doppelpack in Deutschland, der immer wieder höchst erfolgreich unsere im Alltag tief verborgenen, weil politisch unkorrekten Gedanken und Gefühle vibrieren lässt. Eine Gratwanderung, auf der sich das Duo in vielen Jahrzehnten noch nie verirrt hat.



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