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Goldene Zeiten: Restaurierte Zifferblätter und Zeiger montiert

Münsteruhr hat wieder ein Gesicht

Hameln. Schlag zehn Uhr hängt an der Nordseite des Münsterturms das erste der beiden frisch restaurierten Zifferblätter – diesmal läuft alles planmäßig. Und das, obwohl es in Strömen regnet. Wenigstens ist es weder windig noch gibt es Gewitter. „Bei Sturm würde sich das Zifferblatt wie ein Segel bewegen“, sagt Karsten Weiß von den Herforder Elektromotorenwerken. Ein Zifferblatt, aus Kupfer und Eisen gefertigt, misst 1,88 mal 1,88 Meter und wiegt etwa 80 bis 100 Kilogramm. Gemeinsam mit Bernd Motzek wuchtet Weiß das erste der beiden Quadrate, die im April zusammen mit drei Zeigerpaaren vom Westturm abmontiert und in der Zwischenzeit restauriert worden sind, in den schmalen Korb. Kranfahrer Siegfried Lengwenus bugsiert die kostbare Fracht in die Höhe – der 80-Tonnen-Kran reicht bis in 52 Meter Höhe. Das genügt. Bei der Demontage im Frühjahr hatte der Ausleger des zunächst aufgebauten Krans nicht bis an die Südseite des 42 Meter hohen Turms herangereicht – damals musste ein zweiter Kran anrücken. Während Lengwenus seine Kollegen an Nord- und Westseite auch im Blick hat, erfolgen die Arbeiten auf der Südseite nur per Funk – vom Münsterkirchhof aus, wo der Kran aufgebaut ist, kann die Seite zum Münsterwall nicht eingesehen werden.

veröffentlicht am 05.08.2014 um 21:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 19:41 Uhr

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Kerstin Hasewinkel

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Kerstin Hasewinkel Stv. Redaktionsleiterin zur Autorenseite
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Der Kran selbst zieht Blicke auf sich, aber die Schaulustigen interessieren sich auch für das verbliebene Zifferblatt, das noch auf der Ladefläche des Firmenfahrzeugs der Herforder steht. Wann hat man schon einmal Gelegenheit, das historische Stück aus der Nähe zu betrachten? Für Gerd Freise ist es ein besonderer Moment. Er war als 22-Jähriger bei der letzten Restaurierung 1966 dabei, damals noch in der Kirche zwischen Altar und Sakristei. Die Handwerker-Initiale mit Freises Namen, die damals die Arbeit dokumentierte, wurde bei der jetzt erfolgten Restaurierung auf der Rückseite des Zifferblattes belassen. Wieder lesbar ist auch die Aufschrift „Anno 1898“. „Sie war einst übermalt worden und ist durch die Verwitterung wieder sichtbar geworden“, weiß Dr. Marion Müller, Vorsitzende des Vereins der Freunde und Förderer des Hamelner Münsters. Kleine vergoldete Punkte symbolisieren die Minuten. Wer genau hinschaut, wird feststellen, dass die Vier mit vier Strichen – „IIII“ – und nicht wie üblich mit einer „IV“ gekennzeichnet ist. „Das ist bei Uhren üblich, weil es besser lesbar ist“, so Müller. Im historischen Gehäuse steckt mittlerweile ein moderner Kern: Das Uhrwerk wird per Funk gesteuert.

Um 10.20 Uhr ist es soweit: Per Hammerschlag wird das Zifferblatt an der Nordseite, das zunächst an der Unterseite verankert worden ist, endgültig befestigt. Dann geht es zunächst mit der Montage der Zeiger aus Kupferblech, die mit Blattgold belegt sind, an der Westseite weiter. Dazu kommen Weiß und Motzek wieder auf den Boden zurück, laden die Zeiger, die 1,10 mal 0,80 beziehungsweise 0,87 mal 0,19 Meter messen, in ihren Krankorb. Schritt für Schritt geht es weiter, bis am Nachmittag alles montiert ist. Die Zeiger wurden auf 12 Uhr eingestellt und liefen kontrolliert vor – bis das Laufwerk die Echtzeit erreicht hatte.

Der Kostenvoranschlag beläuft sich auf 15 000 Euro. In welcher Höhe weitere Kosten für Unvorhersehbares anfallen, beispielsweise für den Ersatz des stark korrodierten Eisenrahmens, der das Kupferblech des Zifferblatts verstärkt, ist dem Kirchenvorstand noch nicht bekannt.

2 Bilder

Weitere Fotos von den Arbeiten unter dewezet.de

Noch ein Hammerschlag, dann hängt das erste der beiden restaurierten Zifferblätter am Westturm des Münsters.Wal

Alles fertig: Die Zeiger stehen auf zwölf Uhr – das Laufwerk läuft kontrolliert vor, bis die Echtzeit erreicht ist. 1966 hat Gerd Freise (rechts) als 22-Jähriger an der damaligen Restaurierung mitgewirkt. Die Inschrift auf der Rückseite belegt es.



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