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Politik und Verwaltung sorgen sich um Jobs und Gebäudebestand / Für Landwirte wird’s schwieriger

Mühlenschließung löst große Betroffenheit aus

Hameln (CK). Die bevorstehende Schließung der Wesermühle in Hameln hat einhellige Betroffenheit in der Politik ausgelöst. Wie bereits berichtet, hatte die Vereinigte Kunstmühlen AG mit Sitz in Hamburg angekündigt, das Hamelner Werk im kommenden Jahr stillzulegen; von 46 Mitarbeitern werden voraussichtlich nur acht Fachkräfte bleiben und unter der Marke „Kampffmeyer Food Innovation“ verschiedene Mehle veredeln.

veröffentlicht am 28.09.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 05.11.2016 um 11:41 Uhr

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Oberbürgermeisterin Susanne Lippmann, die die Nachricht am Mittwoch bekommen hatte, denkt zuallererst an die Arbeitsplätze. „Auch eine Größenordnung von rund 40 Jobs ist ein großer Verlust für Hameln“, bedauert sie. Zwar würden für bestimmte Mitarbeiter bestimmte Lösungen gesucht, etwa Altersteilzeit, aber es sei nicht wegzudiskutieren, dass das eben nicht für alle gelte, sondern sich etliche einen neuen Job suchen müssten. Froh ist die Oberbürgermeisterin allein über die Zusage des Unternehmens, dass alle Auszubildenden ihre Lehre beenden können, wenn auch nicht in Hameln. Dass die Stadt nun aber ihre einzige Mühle verliert – „für den Traditionsstandort Hameln ist das alles andere als schön.“

Die CDU-Fraktion im Hameln Rathaus zeigt sich von der Nachricht über die Betriebsschließung nach den Worten ihres Vorsitzenden Claudio Griese „tief betroffen“. „Immerhin fallen rund 40 Arbeitsplätze weg, auch wenn der eine oder andere noch übernommen werden sollte“, bedauert er. Aber auch für den Wirtschaftsstandort Hameln sei das Aus für die Wesermühlen ein „schwerwiegender Eingriff“, zumal es in der Region landwirtschaftliche Strukturen gebe, die dadurch beeinträchtigt würden, wenn die einzige Mühle in Hameln ihre Pforten schließe.

„Ich bin von der Nachricht total überrascht worden“, sagt Werner Sattler. Der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Fraktion sieht in der Mühlenschließung einen „schweren Schlag für Hameln“, auch wenn es sich „nur“ um rund 40 Arbeitsplätze handele. „Wichtig ist jetzt vor allem, dass die Auszubildenden ihre Ausbildung wohnortnah beenden können oder aber die Kosten für eine Unterkunft übernommen werden“, fordert der Sozialdemokrat, der hofft, dass der Schließung der Wesermühlen nicht weitere folgen werden.

Ob tatsächlich der vermehrte Maisanbau mit dafür verantwortlich ist, dass das Unternehmen in Hameln dichtmacht oder ob das lediglich zur Begründung mit herangezogen wurde – darüber mag Sattler nicht spekulieren. „Betriebswirtschaftlich ist die Entscheidung durchaus verständlich. Kleinere und nicht hoch technisierte Betriebe bleiben oft auf der Strecke. Das ist weltweit so“, glaubt er und bedauert in diesem Zusammenhang auch, dass ein Stück Mühlengeschichte in Hameln verloren geht. Für schwierig hält Sattler eine mögliche Folgenutzung der exponierten Gebäude: „Da müssen sich Politik und Verwaltung Gedanken machen.“

Ursula Wehrmann, Grüne, hält das Ganze für einen „herben Schlag und mehr als bedauerlich“. „Die Mühlen gehören einfach zur Geschichte Hamelns dazu“, sagt die Bürgermeisterin. Besonders bedauerlich aber findet sie den drohenden Verlust von Arbeitsplätzen. „Man weiß noch nicht, ob es etwa Personalüberleitungsvereinbarungen oder Ähnliches gibt. Und selbst wenn, dann würden betroffene Mitarbeiter ja die Stadt verlassen, und das ist schon grundsätzlich schade.“ Gerade Hameln habe, im Gegensatz zu Städten wie etwa Wunstorf („da läuft es fantastisch“), keine gute Verkehrsanbindung, vor allem nicht an die Autobahn. In Sachen Industrie und Gewerbe hechele die Stadt jedem hinterher, mache im Grunde genommen nichts weiter als Bestandspflege. Insofern sei die Mühlenschließung bedauerlich.

Vor allem in dem riesigen Gebäudebestand sieht Hans Wilhelm Güsgen ein gewaltiges Problem. Der Vorsitzende der FDP-Fraktion sei geradezu „erschrocken“ gewesen, dass es so weit gekommen sei, als er die Nachricht über die Betriebsschließung gelesen habe, sagt er. „Es ist bedauerlich, dass hier in der Mühlenstadt Arbeitsplätze wegfallen“, das sieht der Liberale als größtes Problem. Dicht dahinter aber folgt die Sorge um die Betriebsgebäude und deren eventuelle Nachnutzung – „oder bleibt uns am Ende vielleicht gar eine Ruine?“, lautet seine rhetorische Frage.

„Für die Bauern in der Region wird die Direktvermarktung ihres Getreides jetzt schwieriger.“ Davon ist der Ratsherr Jobst Brüggemann – er baut als Landwirt selbst Roggen und Weizen an – überzeugt. Es gebe zwar noch ein paar kleinere Mühlen im Lippischen, die aber seien nicht so gut zu erreichen, meint er. Brüggemann selbst vermarktet nicht direkt, sondern über die Agravis, die frühere Hauptgenossenschaft. Da bekommt er zwar nicht ganz den gleichen Preis wie bei einer Mühle, doch scheut er nach eigenen Aussagen die langen und umständlichen Kontrakte. Trotzdem hält er die beabsichtigte Mühlenschließung im Interesse seiner Berufskollegen ebenfalls für bedauerlich.

Silo der Kampffmeyer-Mühle im Hamelner Hafen. Die Stadt mit dem Mühlstein im Wappen (u.) soll nun ihre letzte Mühle verlieren. Foto:Dana



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