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Verein „Al Rahman für Integration“ löst sich auf / Muslime sollen nun gemeinsam entscheiden

Moschee oder keine Moschee?

Hameln. Es sah ganz so aus, als sei die jahrelange Suche an ihrem Ende angelangt: Omar El Charif, Vorsitzender des Vereins „Al Rahman für Integration“, schien an der Deisterstraße das Gelände für eine arabische Moschee in Hameln gefunden zu haben. Er erwarb das Grundstück und kündigte an, sich zu einem späteren Zeitpunkt zu den genauen Plänen zu äußern. Gestern äußerte er sich nun – und überraschte mit einer ganz neuen Wendung.

veröffentlicht am 20.08.2013 um 21:00 Uhr
aktualisiert am 03.11.2016 um 08:21 Uhr

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Frank Henke

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Frank Henke Redaktionsleiter zur Autorenseite
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Der Verein „Al Rahman“ wurde aufgelöst. Dies hätten die Vereinsmitglieder am 19. Juli beschlossen, teilte Charif mit. Das im vergangenen Jahr gekaufte Gebäude und Grundstück Deisterstraße 48 gehe nun an die Islamische Gemeinde Hameln über, die ganz in der Nähe, in der Hunoldstraße 3, ihren Sitz hat. Gestern Vormittag übergab Charif vor dem sanierungsbedürftigen Gebäude symbolisch einen großen Schlüssel an den Vorsitzenden der Gemeinde, Bilgin Onur. Den Rest des Vereinsvermögens – etwa 12 000 Euro – überließen Charif und sein Mitstreiter der Türkisch-Islamischen Gemeinde Hessisch Oldendorf. Die Fatih-Moschee am Thiewall ging leer aus, weil sie kein gemeinnütziger Verein sei, sondern eine staatliche türkische Einrichtung, hieß es zur Erklärung.

Dabei waren Charifs Pläne für das 2200 Quadratmeter große Areal an der Deisterstraße weit gediehen. Planskizzen für einen Moschee-Neubau oder alternativ einen Umbau des ehemaligen Wellner-Hauses existieren bereits. Doch genau da lag der Knackpunkt, so die Darstellung des ehemaligen Vereinsvorsitzenden und jetzigen Liquidators: Einige Mitglieder von Al Rahman hätten den Umbau, andere den Abriss gefordert, „große Meinungsverschiedenheiten“ seien die Folge gewesen – und nun also das Ende des umstrittenen Vereins. Auf dessen Internetseite waren wiederholt einschlägige islamistische Schriften zu finden.

In einer schriftlichen Erklärung zur Auflösung nennt Charif dann auch „den großen psychischen Druck von Presse und Behörden“, welchem der Verein „über Jahre“ habe standhalten müssen. „Wir wurden zu Unrecht Gruppierungen zugeordnet, denen wir überhaupt nicht angehören“, so Charif. Noch in der vergangenen Woche hatten Unbekannte ein Transparent an der Fußgängerzone über der Springer Landstraße aufgehängt – Aufschrift: „Keine Salafisten-Moschee!“ „Es ist sehr schade, dass Muslime so angegriffen werden“, sagt Onur. Bundesnachrichtendienst und Bundesregierung hätten „beste Verbindungen“ zu Salafisten etwa in Saudi-Arabien, sagt er, aber: „In Hameln braucht man da nicht weiter zu suchen.“

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Für das Gelände an der Deisterstraße soll nun eine gemeinsame Lösung der hiesigen Gemeinden gefunden werden, sämtliche Muslime seien eingeladen, sich einzubringen. Eine Moschee, in der auf Arabisch und auch auf Türkisch gebetet wird, ist denkbar. Wobei Onur und Charif unisono auf die Bedeutung der „gemeinsamen Sprache Deutsch“ in den Gemeinden verweisen.

Die muslimischen Gemeinden sollen nun gemeinsam entscheiden, was sie gerne auf dem Grundstück unweit der Eisenbahnbrücke sähen: Kulturzentrum? Moschee? Oder doch beides? Umbau oder Neubau? Alles sei offen. Finanziert werden müsste jede Baumaßnahme über Spenden. Fest steht indes: „Für uns ist die Sache erledigt“, sagt Charif.

Omar El Charif (u. li.), Eigentümer des Areals Deisterstraße 48, übergab gestern symbolisch den Schlüssel an Bilgin Onur, Kopf der Islamischen Gemeinde Hameln.Wal

Entwürfe von Al Rahman: Ein Umbau des bestehenden Gebäudes …

… oder doch ein Moschee-Neubau: Nach Angaben Charifs kam es darüber zu Meinungsverschiedenheiten.



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