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Möbel Heinrich: Die Meinungen sind geteilt

veröffentlicht am 09.06.2011 um 18:16 Uhr
aktualisiert am 05.12.2017 um 14:35 Uhr

Hameln (ni). Möbel Heinrich will seine Filiale am Multimarkt erweitern und im Zuge dieses Ausbaus auch die Verkaufsfläche für das innenstadtrelevante Sortiment an Wohnaccessoires und Küchenutensilien auf 2500 Quadratmeter vergrößern. Im Hamelner Einzelhandel stoßen die Expansionspläne des Unternehmens nur auf geteilte Zustimmung.

Der Vorsitzende des Hamelner Einzelhandelsverbandes, Holger Wellner, hat „grundsätzlich“ Verständnis für das Streben der Möbelbranche nach größeren Verkaufsflächen auch für das sogenannte „Randsortiment“ jenseits von Sofa, Schrankwand und Küchenzeile. Es entspreche offensichtlich den Kundenwünschen und sei darum ein wichtiges Kriterium, um im Wettbewerb mit der Konkurrenz bestehen zu können. „Auf der anderen Seite“, so Wellner, „gibt es Spielregeln, die für alle gelten“. Festgeschrieben sind sie im niedersächsischen Landesraumordnungsprogramm (LROP), das die Verkaufsflächen für diese innenstadtrelevanten Angebote bei Großprojekten auf der Grünen Wiese auf maximal 800 Quadratmeter begrenzt.

Die Stadt hat diese Vorgabe bei der Aufstellung von Bebauungsplänen zu beachten – oder muss beim Land eine Ausnahmegenehmigung beantragen (Zielabweichungsverfahren). Genau das will die Verwaltung tun, um Möbel Heinrich bei der Realisierung seiner Pläne zu unterstützen. Wellner hält dieses Engagement für ein „in Hameln etabliertes Unternehmen, das expandieren möchte“ für legitim. Zwar sei es „richtig, dass es gewisse Regeln gibt, was zulässig ist und was nicht. Aber es mag genauso gut Situationen geben, in denen eine Ausnahme von den Regulierungen des Landes sinnvoll wäre“, so der Verbandsvorsitzende. Ob sich die angepeilte Größenordnung für das Randsortiment nachteilig auf Geschäfte mit vergleichbarem Angebot in der Innenstadt auswirken würde – „das vermag ich nicht zu beurteilen“, sagt Wellner und sieht darum in einem von der Stadt beantragten Zielabweichungsverfahren ein gutes Instrument, diese Frage zu klären.

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Die Nachbargrundstücke inklusive Tospann hat Möbel Heinrich schon aufgekauft. Doch die Expansionspläne des Unternehmens könnten jetzt an Regelungen des niedersächsischen Landesraumordnungsprogramms scheitern. Foto: Wal

Unternehmer Bernhard Renner dagegen „kann nicht verstehen, dass die Stadt eine Sondergenehmigung für Möbel Heinrich beantragen will“. Sich für 2500 Quadratmeter Einzelhandel mit zentrenrelevantem Angebot vor den Toren der Innenstadt starkzumachen, stehe nicht nur zum Landesraumordungsprogramm, sondern auch zu Hamelns Märkte- und Zentrenkonzept im Widerspruch. Dieses Konzept sei schließlich erstellt worden, um die Explosion von Einzelhandelsflächen auf der Grünen Wiese („mit billigem Bauland und niedrigen Mieten“) einzudämmen und zu verhindern, dass der Innenstadt das Wasser abgegraben werde. „Wenn Möbel Heinrich dieses Sortiment unbedingt anbieten will, dann bitte in der Innenstadt. Ich freue mich über jeden, der kommt“, sagt Renner. Denn es gehe nicht darum, Konkurrenz fern-, sondern „die Stadt zu erhalten“. Dieses vorrangige Ziel aber sei gefährdet, wenn durch die Konkurrenz außerhalb des Zentrums Läden im Zentrum in ihrer Existenz gefährdet werden. „Wenn keine Mieten reinkommen“, so Renners Gleichung, „verfällt die Bausubstanz, und Mieten kommen nur rein, wenn es Läden gibt“.

So wie Renner, plädiert auch Kirsten Jackenkroll für die Einhaltung der im LROP festgeschriebenen Steuerungsmechanismen für die Entwicklung von Einzelhandels-Verkaufsflächen in Mittelzenten wie Hameln. „Die wurden ja nicht zum Scherz in das LROP aufgenommen“, sagt die Centermanagerin der Stadt-Galerie. „Die bestehenden Regelungen gelten für alle und sollten auch beachtet werden.“ Die Bemühungen der Stadt Hameln um eine Ausnahmegenehmigung für das Projekt Möbel Heinrich sieht sie kritisch, zumal es sich in diesem konkreten Fall um eine Überschreitung der zulässigen Maximalfläche um das Dreifache handle. „Diese Differenz fällt schon ins Gewicht“, sagt Jackenkroll und ist sich sicher: Von einem so geballten Konkurrenzzuwachs an der Peripherie der Stadt „wären auch Läden im Center betroffen“.



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