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Dauerstreit ist offenbar kein Rot-Kreuz-Ideal: Schwund von 14 Prozent beim Hamelner Ortsverein

Mitglieder verlassen das DRK in Scharen

Hameln (bha). Wie keinem anderen DRK-Ortsverein im Umkreis laufen dem Hamelner die Mitglieder davon. Nach Angaben des Kreisverbandes lag der Schwund beim Ortsverein im vorigen Jahr bei 14 Prozent, die Mitgliederzahl sank von 2350 im Jahr 2010 auf 2017 im Jahr 2012. Der Grund für den extremen Rückgang dürfte vor allem in dem jahrelangen Streit zwischen dem Ortsverein und dem Kreisverband zu suchen sein.

veröffentlicht am 28.03.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 06.11.2016 um 17:41 Uhr

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Zum Vergleich: Die 77 übrigen Ortsvereine, die zum Kreisverband zählen, verloren im selben Zeitraum zusammen nur 163 Mitglieder – im Schnitt 2,1 Personen pro Ortsverein von Haverbeck bis Amelgatzen/Gellersen. Unter den Dächern der Ortsvereine sind insgesamt 13 271 Mitglieder gemeldet.

Dass die Hamelner innerhalb so kurzer Zeit so drastisch eingebüßt haben, kann niemandem so richtig schmecken. Das Deutsche Rote Kreuz lebt von seiner Gemeinschaft und dem Engagement tausender Ehrenamtlicher neben den Hauptamtlichen. Dass über 300 Männer und Frauen an der Basis mit der Politik und der Vorgehensweise der Funktionäre in den Vorständen nicht einverstanden sind – die Austritte machen das allzu zu deutlich. Inwieweit die Missstimmungen zwischen Kreisverband und Ortsverein dem Roten Kreuz nachhaltig schaden, lässt sich kaum bemessen. Dass es die Vorstände bislang nicht geschafft haben, einvernehmlich eine neue Richtung einzuschlagen, um das Ansehen der Hilfsorganisation nicht weiter zu schädigen, kann den (ehemaligen) Mitgliedern nicht schmecken. Zwar hält sich der Landesverband als nächsthöhere Ebene in der hierarchischen DRK-Struktur mit Wertungen zurück, doch auch dort bestehe ein Interesse daran, dass „solche Streitpunkte gar nicht erst entstehen“, heißt es aus Hannover. Einwirken kann der Landesverband jedoch nur auf seine Mitglieder, die Kreisverbände, nicht aber auf die niedersachsenweit 1100 Ortsvereine.

Zwischen dem Kreisverband mit Landrat Rüdiger Butte an der Spitze und dem Ortsverein unter Führung des Vorsitzenden Wilfried Altkrüger knirscht es seit Jahren. Die Geschichte bedingt, dass Hameln eine andere Satzung hat als die übrigen 77 Ortsvereine und sich nicht ohne Weiteres dem Kreisverband unterordnen ließ. Hameln war selbst Kreisverband und hatte nach einer Umstrukturierung einen Sonderstatus, dessen Rahmen per Kooperationsvertrag gesteckt war. Nach der Kündigung des Vertrages durch den Kreisverband und der Weigerung des Ortsvereines, sich zu Bedingungen des Kreisverbandes unterzuordnen, kommt keine Ruhe in die Sache. Auch nach etlichen Schlichtungsverfahren, einer fristlosen Kündigung des OV-Geschäftsführers und Gerichtsbeschlüssen zugunsten des Ortsvereins, ist der Weg noch nicht frei für eine harmonische Zusammenarbeit. Mit dem Ende dieses Monats soll all das nun ein Ende haben.

Beiden Vorständen liegt seit dieser Woche ein Papier auf dem Tisch, das vier Mediatoren (zwei von jeder Seite) in mehreren Monaten erarbeitet haben. In ihm sollen jene Kompromisse enthalten sein, die eine friedliche Zusammenarbeit zwischen dem Kreisverband und dem Ortsverein möglich machen. Beide Parteien haben Stillschweigen vereinbart, bis sich die Vorstände auf den Inhalt verständigt haben. Auch die Mediatoren äußern sich zu den Inhalten nicht. Gespannt dürften die DRK-Mitglieder darauf warten, dass Antworten geliefert werden. Denn Fragen gibt es noch reichlich. Zum Beispiel nach der Organisation der Bereitschaftsdienste und danach, welcher Verein oder Verband welche Befugnisse hat, wenn das DRK irgendwo gebraucht wird.

Auch die Frage nach der Höhe der finanziellen Verluste des Ortsvereins durch misslungene Immobiliengeschäfte steht im Raum. Dass für den Ortsverein 25 000 Euro „verloren“ seien, hatte der Kreisverband behauptet. Eine Summe, die manches Mitglied aufschrecken lässt. Ebenso die Kosten für eine Stiftung, die der Ortsverein gründen wollte: Ein Kapitalstock von 90 000 Euro war im Gespräch, der inzwischen auf 50 000 Euro reduziert wurde. Eine Entscheidung über die Zukunft einer Stiftung steht aus. Die bereits seitens der Stiftungsbehörde genehmigte Stiftung „Rotkreuz-Stiftung Hameln“ wurde jedenfalls Anfang März vom Innenministerium als zuständiger Behörde aufgehoben. Warum? Auch diese Frage wartet noch auf Antwort.



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