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Street Food Markt zieht die Massen an – darf aber noch viel exotischer werden

Mit vollem Mund mitten in Hameln …

HAMELN. Ach, was sind sie modern, diese Street Food Festivals. Dabei sind sie so neu gar nicht: Schließlich war die Expo 2000 vor unserer Haustür auch so etwas wie eine kulinarische Weltreise. Dennoch ist es klasse, dass sich Hameln mit VollMund einreiht. Wir haben die Probe aufs Exempel gemacht – und uns mal durchprobiert.

veröffentlicht am 05.05.2019 um 14:03 Uhr

Street-Food-Märkte sind hip: Überall in Deutschland futtern sich die Menschen durch die unterschiedlichsten Angebote. So auch in Hameln – von Afrika bis Asien.
Thomas Thimm

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Thomas Thimm Stv. Chefredakteur zur Autorenseite
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Es ist so eine Sache mit dem Geschmack, bekanntlich lässt sich darüber ganz groß streiten, doch besser lässt man es … Mitten in Hamelns Altstadt trifft, so werben die Veranstalter, „geballte kulinarische Vielfalt auf ungebremste Entdeckerfreude“. Schauen wir mal. Richtig ist: Beim VollMund bereiten Hamelner Gastronomen, mobile Garküchen und Food-Trucks mit viel Raffinesse und einem besonderen Spaß am eigenen Tun ihr Essen zu – manches bleibt eher normal, manches ist tatsächlich ausgefallen, manches schmeckt gar exotisch.

Wir starten mit Wildbratwurst – Bratwurst muss irgendwie immer sein – und einer „Wild in the Box“: Wildschwein vom Spieß, Rotkrautsalat, Curly Fries. Nun ja, die Bratwurst ist ganz okay, sie schmeckt etwas anders als üblicherweise, eine Offenbarung ist es aber nicht. Dafür die wilde Box: Das Wildschwein schmeckt mal so richtig gut, das Rotkraut passt, natürlich, wunderbar dazu, ebenso der Preiselbeer-Senf – klasse.

Weiter geht’s rüber zum Pulled-Pork-Truck. In einer wirklich langen Schlange warten die Menschen geduldig auf ihr Stückchen amerikanisches Barbecue. Man muss anerkennen, dass dieses pulled pork, also zerrupftes Schweinefleisch, mittlerweile schon so etwas wie ein Klassiker auf dieser Art von Märkten ist. Da kann man auch gar nicht so viel falsch machen: Schweinefleisch wird langsam im Smoker gegart, dann zerrupft und mit diversen Saucen ins Brötchen gequetscht – und schon kann der Spaß losgehen.

5 Bilder
Extrem lecker: der „Black Salmon Burger“. Foto: DT

Jetzt ist aber erst mal ein echter Burger dran: Ein Bacon Cheeseburger soll es sein, mit feinstem Rindfleisch und, bitte, gut gemacht. „Street food is slow food“ steht draußen am Truck dran, ganz frei übersetzt also „gut Ding will Weile haben“. Drinnen im Truck haben die jungen Burgerbrater aus Göttingen die Mucke so laut, dass sie sich bei jeder neuen Bestellung anschreien müssen, soll halt auch Spaß machen, die Arbeit. Was dann am Ende dabei herauskommt, muss jeden McDonalds und Burger King vor Neid erblassen lassen: das Fleisch eine Wucht, saftig, zart, gut gewürzt, das Burgerbrötchen alles andere als Pappe, gut geröstet, warm, knackig, und die Saucen geben diesem Burger auch noch den Kick, den er verdient hat.

Nun läuft’s, da muss auch noch der dritte Burger her. Schräg gegenüber lächelt uns der „Black Salmon Burger“ an, also nicht lange gefackelt, bestellt, noch einen kurzen Schnack mit den drei Männern vom Grill, und hineingebissen. Ganz anders, na klar, ist ja auch Lachs – aber geschmacklich eine echte Wucht: Das schwarze Brötchen macht schon rein optisch etwas her, der Lachs auf den Punkt gegart, umhüllt von einem echt leckeren Gurkensalat, angemacht mit Chili – Alfons Schuhbeck lässt grüßen, wobei der auch noch Ingwer an seinen Gurkensalat lässt. Aber in jedem Fall großes Street-Food-Kino – das muss man gegessen haben.

Nun wird es mexikanisch, die beiden Herren der Quesadillas überzeugen mit selbst gemachten Mais-Nachos, die bereitgestellte Sauce ist für manchen Gaumen zu scharf, aber was soll’s, das ist halt Mexiko. Punktabzüge gibt es jedoch für die Hauptgerichte, die man im „Mexcal“ besser bekommt: die Quesadilla Pollo mit Hähnchen schmeckt zu stark nach Koriander, die Quesadilla Carnitas mit Schweinefleisch trieft nur so vor Öl und Fett, das haben weder das Schwein noch die Kunden verdient.

Nun sind wir zwei-, dreimal kreuz und quer über den VollMund-Markt gelaufen, vollgefuttert sind wir, aber eines müssen wir einfach noch probieren: Das Hamelner Handbrot hat mit seinem kleinen, feinen Stand auf dem Pferdemarkt ein Heimspiel, da gehört es sich, dass wir nicht dran vorbeigehen. Und gut, dass wir Halt machen: Es schmeckt grandios, da ist Wumms drin, einfach lecker. Wenn doch nur alle Käse-Schinken-Brote auf der Welt so gut schmecken würden …

Mein Standpunkt
Thomas Thimm
Von Thomas Thimm

Unter dem Strich kann man sich nicht beschweren: Bei dem VollMund-Markt haben wir nicht immer, aber meistens Glück gehabt. Und nicht immer, aber meistens wirklich gut gegessen. Insofern hat VollMund den Geschmackstest insgesamt bestanden. Allerdings wäre Hameln zu wünschen, dass dieser Markt größer wäre und es ein üppigeres Angebot gäbe. Wer raffinierte, exotische Köstlichkeiten verspricht, muss sich daran messen lassen. Es gibt zu viel Bratwurst, Spieß und Schwein. Es darf exotischer, ausgefallener und experimenteller werden. Dafür sind solche Märkte da. Und dafür gibt man gerne sein Geld aus. Ein echtes VollMund-Festival könnte für die Hamelner, aber auch touristisch punkten.



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