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Hameln-Pyrmonter sind Teil der Menschenkette / Anja Piel und Gabriele Lösekrug-Möller an Bord

Mit vier Bussen zum Protest in den Norden

Hameln-Pyrmont (wul). Die Kühltürme von Grohnde sind weder vom Hamelner Bahnhof noch von Bad Pyrmont aus sichtbar, und trotzdem sind sie ein Grund für rund 200 Atomkraftgegner aus der Region, am Samstagmorgen gegen 8 Uhr in die Reisebusse zu steigen und in Schleswig-Holstein Farbe zu bekennen.

veröffentlicht am 25.04.2010 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 10.11.2016 um 12:21 Uhr

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Vor 24 Jahren flog der Reaktor des Atomkraftwerks Tschernobyl in die Luft – eine Katastrophe, die bis heute ihre Spuren hinterlassen hat. Zusammen mit dem Richtungswechsel der schwarz-gelben Koalition, nicht am vereinbarten Atomausstieg festzuhalten, und dem AKW Grohnde vor der eigenen Haustür liefert der Jahrestag den Aktivisten ausreichend Stoff, um sich kurz vor der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen in die rund 120 Kilometer lange Menschenkette zwischen den Atomkraftwerken Brunsbüttel und Krümmel einzureihen.

Anja Piel, Landesvorsitzende vom Bündnis 90/Die Grünen, war dabei und begeistert von der Beteiligung. „Wir freuen uns, dass das breite Bündnis der verschiedenen Verbände, Initiativen und Organisationen zu einem so großen Erfolg geführt hat. Gemeinsam haben wir es geschafft, die Kette pünktlich um halb drei zu schließen“, sagt sie und wertet die Aktion als „Ohrfeige für die atompolitischen Irrläufe der schwarz-gelben Bundesregierung“. „Ihr sollte klar sein, dass bei einem ,Weiter so‘ mit ständig wachsendem und generationsübergreifendem Widerstand zu rechnen ist“, so Piel. Sie war in Bad Pyrmont in den Bus gestiegen, in dem zahlreiche Jugendliche „in ihren grünen T-Shirts“ saßen. Wie auch der SPD-Bundestagsabgeordneten Gabriele Lösekrug-Möller fiel Piel die große Anzahl junger Menschen auf, die sich gegen Atomenergie starkgemacht hätten. Lösekrug-Möller: „Offenkundig interessiert es die nächste Generation doch – es gibt eine Bewegung, die sich einvernehmlich für den Ausstieg ausspricht.“ Wer da Atomkraft fördert, spiele mit der Sicherheit zukünftiger Generationen und gefährde Arbeitsplätze bei den erneuerbaren Energien.

Gerade die erneuerbaren Energien seien es, die die Jüngeren motivierten, gegen die Laufzeitverlängerungen zu demonstrieren, meint Britta Kellermann, Sprecherin des Anti-Atom-Plenums Weserbergland, das gleich zwei Busse in Pinneberg hatte. „Wir hätten wohl noch einen dritten vollbekommen, aber die Zeit war zu kurz“, sagt Kellermann über die große Resonanz auch der Generation, die vom Anfang der Anti-Atombewegung wenig mitbekommen hat. Während es in der Vergangenheit hauptsächlich um Widerstand gegangen sei, gehe es jetzt um das Befürworten der erneuerbaren Energien. „Das ist eine positive Aussage, und das ist das, was motiviert“, so Kellermann. Ob die Protestaktion sich auch positiv auf das regelmäßige Engagement im Plenum auswirkt, ist abzuwarten: Am Mittwoch, 5. Mai, ist die nächste Sitzung, 19 Uhr, in der Hamelner Sumpfblume.

Regelrecht euphorisch ist Ralf Hermes vom Bund für Natur- und Umweltschutz (BUND), der ebenfalls am Samstag in der Menschenkette stand. „Es war total klasse“, sagt er und spricht von „Volksfeststimmung“, ohne dass aber der ernste Hintergrund des Protesets dabei in Vergessenheit geraten sei. Die Organisation vor Ort sei sehr gut gewesen, die Busse wurden an die jeweiligen Streckenabschnitte gelotst. „Wir standen an einer Landstraße“, so Hermes, was als Standpunkt nicht ganz so toll gewesen sei, aber die Abschlusskundgebung in Elmshorn mit mehreren 10 000 Menschen dagegen umso mehr. Dort, wo der ehemalige Bundesumweltminister Sigmar Gabriel gesprochen hat, trafen Hermes und seine Mitreisenden auch auf Lösekrug-Möllers Bus. Dessen Besatzung war zuvor nach Pinneberg gelenkt worden. Ob die öffentlichkeitswirksame Menschenkette die Koalition in Berlin ihre Politik überdenken lässt? „Darüber haben wir auch viel gesprochen“, sagt Lösekrug-Möller – jedenfalls sei es ein sehr deutliches Signal an die Politik gewesen.



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