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Rund 550 Teilnehmer bei Großdemonstration in Hameln / Heimische Politiker an vorderster Front

Mit Trommeln und Transparenten gegen Atom

Hameln. Umsteigen, und zwar sofort! So lässt sich zusammenfassen, was am Sonnabend als zentrale Forderung durch die Stadt schallte: die Nutzung von regenerativen Energien statt Atomkraft. Und zwar vor allem deshalb, weil die Entsorgungsfrage nach wie vor nicht geklärt ist. Zu einer Demonstration gegen den Transport von plutoniumhaltigen Mox- Brennelementen vom englischen Sellafield nach Grohnde und deren Verwendung im Kernkraftwerk hatte deshalb das Anti-Atom-Plenum Weserbergland unter der Leitung von Bernd Schlinkmann aufgerufen. „Wenn hundert Demonstranten kommen, haben wir schon gewonnen“, hatte Schlinkmann noch kurz vor der Demo am Sammelpunkt auf dem Bahnhofsvorplatz gesagt. Seine Erwartungen und die zahlreicher Bürgerinitiativen, Bündnisse, Umweltverbände und Parteien sowie Gewerkschaften gegen die Atomkraft sollten weit übertroffen werden: 550 Demonstrationsteilnehmer zählte die Polizei, die den Zug unter den Klängen von Hörnern, Pfiffen aus Trillerpfeifen, Schlachtrufen und Mitnahme von Transparenten über die Deisterallee zur Hochzeitshaus-Terrasse begleitete.

veröffentlicht am 07.02.2010 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 10.11.2016 um 19:21 Uhr

Josua Conzendorf.

Autor:

Heiko Gropp
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Anika Nübel, die mit weiteren 44 Kollegen für Sicherheit sorgen sollte, hatte im Vorfeld nicht mit Problemen gerechnet, zumal Schlinkmann Ordner und Organisatoren des Demonstrationzuges aufgefordert hatte, eine friedliche Demo zu gewährleisten. Und daran hielten sich alle bis zum Schluss.

Zu Beginn der Demo hatte Josua Conzendorf vom Anti-Atom-Plenum Weserbergland mit seinem Vortrag den Teilnehmern kräftig eingeheizt. „Schützen Kernkraftwerke etwa die Gesundheit, garantiert der Staat deren hundertprozentige Sicherheite Gibt es eine sichere Endlagerung des radioaktiven Mülls, und ist dessen Transport vor Unfällen geschützt?“ Rhetorische Fragen, auf die die Antwort jeweils „Nein“ laute. Zudem wisse nicht nur die deutsche Regierung, dass aus den Moxa-Brennelementen relativ einfach Atombomben gebaut werden könnten. „Unsere Regierung verzockt die Zukunft unserer und der kommenden Generation, um sich selbst den Profit in die Taschen zu wirtschaften“, lautete ein Vorwurf. Daher sei es die Pflicht aller, dagegen aufzustehen, denn „wir haben das Recht auf ein unversehrtes Leben“.

Zahlreiche weitere Redner nutzten die Gelegenheit während der Zwischenstopps des Zuges und am Ende an der Hochzeitshaus-Terrasse, um ihren Gefühlen freien Lauf zu lassen und das über Lautsprecher weithin hörbar kundzutun. Immer wieder wurden auch Rufe zum Takt der Trommel skandiert, wie „Eins, zwei, drei – umschalten jetzt“, „Atomkraft stopp“, „Mox, Mox, Mox – weg den Dreck“ und „Wind, Gas, Wasser, Sonne statt Atommüll für die Tonne“. Ähnliches war auch auf den mitgeführten Transparenten zu sehen.

In vorderster Front der Demo befanden sich Politiker wie die Bundestagsabgeordnete Gabriele Lösekrug-Möller (SPD). „Kein Ausstieg aus dem Ausstieg. Wir wollen umstellen auf erneuerbare Energien“, sagte sie. „Die Atomkraft hat keine Perspektive“, so kurz und knapp der Landtagsabgeordnete Ulrich Watermann (SPD). Werner Sattler von der Stadt-SPD: „Wenn wir heute nichts tun, dann dürfen wir uns morgen nicht beklagen, denn die Atomkraft ist nicht vom Menschen zu beherrschen.“ Als „überfällig“ bezeichnete Ralf Hermes vom BUND den Ausstieg aus der Atomenergie, und Horst Boldt (Linke) verwies ebenfalls auf die Forderung seiner Partei für den Ausstieg aus der Kernkraft.

Demonstrantin Heike Tauber-Hager: „Mit Atomenergie war ich noch nie einverstanden, weil die Entsorgung nicht geregelt ist. Wer kauft schon ein Auto ohne eingebaute Bremsen?“ Anke Berkemeyer aus Hameln: „Ich bin ein ökologisch und umweltbewusster Mensch, daher lehne ich diese Energie ab.“ Zuspruch erhielten die Demonstranten auch von Passanten. „Das Atomkraftwerk muss weg“, sagte Giesela Köhler. Bedroht von der Atomenergie fühlt sich Margarete Gräfe, und Dino Ljuhar: „Wenn die so weitermachen, ist bald alles vorbei.“ Rainer Sagawe vom BUND bekam großen Applaus für seine Forderung: „Wir haben Biogas, Windenergie, Sonnenenergie. Wir können sofort umsteigen.“



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