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Rachel Dohme, Vorsitzende der liberalen jüdischen Gemeinde, erhält das Bundesverdienstkreuz

Mit Tatkraft, Dynamik und Hartnäckigkeit

Hameln (wft). Seit fast zwei Jahren steht in Hameln wieder eine Synagoge. Als die ersten Pläne für den Neubau in der Bürenstraße geschmiedet wurden, wollte kaum jemand daran glauben, dass es der am 7. September 1996 offiziell gegründeten liberalen jüdischen Gemeinde gelingen würde, ihr Vorhaben zu verwirklichen. Zweifler konnten nicht wissen, mit welcher Tatkraft, Dynamik und Hartnäckigkeit Rachel Dohme, die Vorsitzende der Gemeinde, gemeinsam mit zahlreichen Mitstreitern das Ziel bis zur Einweihung am 20. Februar 2011 verfolgte.

veröffentlicht am 14.12.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 05.11.2016 um 00:41 Uhr

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Schon lange bevor nach dem Fall des Eisernen Vorhangs jüdische Kontingentflüchtlinge nach Hameln gelangten, hatte Rachel Dohme begonnen, sich in der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit für jüdische Belange zu engagieren und war in den Vorstand der Gesellschaft gewählt wurden. Die Amerikanerin mit ihrem deutschen Ehemann Ferdinand nahm sich der Flüchtlinge, die im Schloss Hasperde untergebracht waren, sehr schnell an und organisierte das Projekt „Familie zu Familie“. Rund 50 jüdische Familien hätten auf diesem Weg intensive Kontakte zu deutschen Haushalten erhalten, erinnert sich Rachel Dohme. Sie sollten kennenlernen, wie man in Deutschland lebt, sollten Sitten und Gebräuche erleben und einen Grund haben, Deutsch zu lernen. Rachel Dohmes Bilanz über diese Zeit: „Diese Initiative hat mehr geholfen als alle anderen Maßnahmen.“

Vor allem aber sollten jene, die ihr Judentum leben wollten, auch jüdisches Leben kennenlernen. Auch das nahm Rachel Dohme in die Hand, gab in Hasperde Religionsunterricht und organisierte die Feiern jüdischer Feste. Schnell bildete sich eine richtige jüdische Gruppe. In diesen Jahren war in Hannover bereits eine liberale jüdische Gemeinde im Aufbau und bald fuhr der „Rachel-Bus“, wie die Fahrten genannt wurden, nach Hannover, wo Rachel Dohme selbst Gründungsmitglied war und engen Kontakt zu Katarina Seidler hielt, der Landesvorsitzenden der liberalen jüdischen Gemeinden in Niedersachsen. Den Anstoß, die aus der ehemaligen Sowjetunion gekommenen Menschen zu organisieren, hatte das Ehepaar Polina und Josif Pelts s.A. gegeben. Polina Pelts ist noch heute die stellvertretende Vorsitzende der Gemeinde in Hameln und gilt als das Herz der Gemeinde – Rachel Dohme dagegen als der Kopf.

Dass die liberale jüdische Gemeinde heute ein vollwertiges Mitglied aller jüdischen Institutionen in Deutschland und der World Union for Progressive Judaism ist, verdankt sie nach Ansicht von Katarina Seidler vor allem der Netzwerkarbeit Rachel Dohmes. Sie habe eine kaum vorstellbare Arbeit geleistet. So wurde aus den Visionen der Mutter von drei inzwischen erwachsenen Kindern tatsächlich Realität. Der erste für den Bau der neuen Synagoge bedeutende Schritt war die Gründung der „Stiftung liberale Synagoge Hameln“ im Jahr 2004, getragen von elf Stiftern und begleitet von bedeutenden Persönlichkeiten der Stadt und führenden Mitgliedern der Gemeinde. Der Ort des Neubaus stand von Anfang an fest: Er sollte auf dem Grundstück der im Jahr 1938 zerstörten damaligen Synagoge errichtet werden. Das Grundstück war bereits im Jahr 2001 von der Familie Dohme von der Stadt erworben worden. Inzwischen ist die Synagoge fester Bestandteil des religiösen Lebens in Hameln – und nicht nur das. Sie ist auch ein Ort des Dialogs, denn viele Gruppen und Schulklassen besuchen die Synagoge. Suna Baris, eine muslimische Nachbarin der Synagoge, schätzt an Rachel Dohme besonders ihre „authentische Offenheit und ihre herzliche Art“. Sie habe mit ihrer Gemeindearbeit viel zur Völkerverständigung beigetragen. Dass die Juden in Hameln fest zur Gesellschaft gehören, „verdanken sie vor allem Rachel Dohme“.

Heute um 17 Uhr wird Rachel Dohme in der Synagoge im Rahmen eines Gottesdienstes das Bundesverdienstkreuz verliehen. Die Laudatio wird Katarina Seidler halten.

Rachel Dohme, die Vorsitzende der liberalen jüdischen Gemeinde in Hameln, erhält heute das Bundesverdienstkreuz.

Foto: wft



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