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Eine Idee und was daraus werden könnte

Mit Kunst und Design gegen den Leerstand

Hameln (kar). Flair. Hameln hat es. Dank der mittelalterlichen Fachwerkhäuser und der Weserrenaissance. Für viele Einheimische und Besucher aber gehören auch schöne Läden dazu. Und da herrscht zwar nicht gerade Ebbe, aber gefühlt: viel zu viel Leerstand. „Tatsächlich“, widerspricht Stadtmanager Dennis Andres, „ist das nicht so.“ Bei Mittelzentren sei eine Leerstandsquote von 20 Prozent normal: „Hameln liegt darunter.“ Andererseits räumt Andres ein: „Jeder Leerstand beeinflusst das Stadtbild negativ.“

veröffentlicht am 09.08.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 05.11.2016 um 19:41 Uhr

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Wie interessiert Eigentümer sind, ihren vielleicht schon seit Jahren verwaisten Laden wieder mit Leben zu füllen, ist individuell unterschiedlich. Da gibt es zum einen Eigentümer, die weit weg leben und mit der Rattenfängerstadt nichts am Hut haben, und andererseits Immobilienbesitzer, die sich über langfristige Mietverträge mit Filialisten freuen, auch wenn diese mit ihrem Geschäft vielleicht schon längst in die Stadt-Galerie umgezogen sind. „Mietverträge von fünf bis zehn Jahren sind da völlig normal“, sagt Andres. Warum also sollte ein Eigentümer auf diese sichere Einnahmequelle verzichten und einen alten Vertrag durch einen neuen Mieter ablösen, von dem man noch gar nicht weiß, ob er sich lange behauptet? „Das Interesse an leerstehenden Geschäften ist da“, weiß Andres: „Aber einige sind langfristig vermietet, andere werden modernen Ansprüchen nicht mehr gerecht.“ Zum Beispiel, wenn sie durch Stufen nicht behindertengerecht sind.

Hameln hatte auch schon vor dem Bau der Stadt-Galerie gemessen an der Einwohnerzahl sehr viel Verkaufsfläche, stellt der Stadtmanager fest und wertet das zunächst einmal positiv: „Das kann für die Attraktivität als Einkaufsstadt sprechen oder auch für die hohe Kaufkraft.“ Fest aber steht, dass sich durch das große Einkaufszentrum im Herzen der Altstadt ein Wandel vollzogen hat: „Aus ehemaligen 1a-Lagen sind jetzt vielleicht 1b-Lagen geworden“, sagt Andres. Das wirke sich auf die Mieten aus, verlange andererseits aber auch ein Umdenken. Für Hameln könnte das ein „Nischendenken“ bedeuten, das kreativen Köpfen die Chance gibt, in Geschäften etwas anzubieten, was man nicht überall bekommt. „Die Filialisierung der Innenstädte ist ein deutschlandweites Thema“, stellt Andres fest: „Aber es gibt auch immer mehr Menschen, die das Besondere, das Individuelle, suchen.“

„Shop-Hopping“ nennt die Hamelner Künstlerin und Designerin Claude Sikora als nachahmenswertes Münchner Beispiel für Leerstandsnutzung: „Kunst und Kunstgewerbe belebt dort die schon länger leerstehenden Läden. Es werden handgemachte Unikate angeboten“, erklärt sie. Vielen Künstlern könne man sogar über die Schulter schauen, wenn sie ihre Ware herstellen. Auch für die Rattenfängerstadt mit ihrem hohen Touristenaufkommen hält sie so etwas für denkbar: „Es gibt eine Gruppe von etwa 20 Leuten, die daran interessiert wären.“

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  • Ist offen für neue Konzepte: Stadtmanager Dennis Andres.
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  • Hat eine Idee: Künstlerin und Designerin Claude Sikora.

Interessiert zeigt sich auch der Stadtmanager: „Wenn man so etwas geballt hinbekommt und es räumlich bündeln könnte, wäre das sehr attraktiv für Hameln“, meint Andres. Genau wie Claude Sikora denkt er dabei nicht an die Hauptadern der Altstadt, sondern fasst die Seitenstraßen ins Auge: „Spezielle Angebote locken auch in weniger frequentierte Ecken.“

Auch wenn so eine Lösung kein Schnellschuss ist, wie Dennis Andres feststellt – der erste Schritt ist getan: „Ich möchte gern vermitteln, wenn Eigentümer Interesse haben“, sagt der Stadtmanager: „Das ist für sie eine tolle Chance“. Aus so einer vorübergehenden Lösung für „kleines Geld“ haben sich in anderen Städten schon florierende Läden entwickelt, die feste Mietverhältnisse nach sich zogen. Claude Sikora will jetzt ein Konzept erarbeiten und der Stadtmanager seinerseits auf die Eigentümer zugehen und ihnen diese Idee schmackhaft machen. Denn mit individuellen Angeboten, mit Design, Kunst, handgefertigter Mode und hübschen Accessoires ließen sich in Hameln einige Nischen füllen, glaubt nicht nur Claude Sikora. Und warum sollte so etwas nicht auch langfristig funktionieren?



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