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Tod eines Briefmarkenhändlers – wie die 21-köpfige Sonderkommission „Phila“ arbeitet

Mit Hightech auf der Suche nach dem Mörder

Hameln. Es ist Donnerstag, 0.58 Uhr, als im Büro von Axel Brünger das Handy klingelt. Auf diesen Anruf hat der Leiter des für Mord und Totschlag zuständigen 1. Fachkommissariats des Zentralen Kriminaldienstes (ZKD) an der Zentralstraße schon seit mehr als einer Stunde gewartet. Kriminalhauptkommissar Andreas Zoch teilt seinem Chef das vorläufige Ergebnis der Obduktion mit: Fest steht nun: Der Mann, der neun Stunden zuvor in einer Eigentumswohnung des Sechs-Parteien-Hauses an der Schillerstraße Nummer 43 gefunden wurde, ist definitiv Opfer eines Gewaltverbrechens geworden. Das haben die Untersuchungen der Rechtsmediziner in der Hochschule Hannover ergeben. Und noch etwas Neues kann Andreas Zoch dem Ersten Kriminalhauptkommissar an diesem frühen Morgen sagen: „Es ist die Leiche von Robert H.“ Zoch kannte den Mann, hat ihn identifiziert.

veröffentlicht am 25.11.2010 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 09.11.2016 um 14:41 Uhr

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Autor:

Ulrich Behmann
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2.10 Uhr: Im ZKD gehen die Lichter aus. Die Polizisten, die an dem Mordfall arbeiten, wollen sich eine Mütze voll Schlaf gönnen.

6.30 Uhr: Die Ermittler sind zurückgekehrt an ihre Arbeitsplätze, sprechen über die weitere Vorgehensweise. Im Kellergeschoss, dem Domizil der Kriminaltechniker, werden sichergestellte Schuhe und Kleidungsstücke gesichtet.

8.10 Uhr: Kriminaloberrat Jens Laskawy, Leiter des Zentralen Kriminaldienstes Hameln, lässt sich berichten, was seine Mitarbeiter bislang in Erfahrung bringen konnten. Eine heiße Spur gibt es noch nicht. Viel ist über Robert H. nicht bekannt. Er war Briefmarkenhändler, 53 Jahre alt, alleinstehend. Die Öffentlichkeit soll möglichst wenige Details erfahren. Da sind sich die Kriminalisten einig. Die Todesursache wird geheim gehalten. „Das ist Täterwissen“, sagt Brünger. Auch in welchem Zimmer der Tote gefunden wurde und in welchem Zustand die Leiche war, soll zunächst kein Außenstehender erfahren. Laskawy richtet eine 21-köpfige Mordkommission ein, überträgt Axel Brünger die Leitung. Die Moko bekommt den Namen „Phila“. Das ist die Abkürzung von Philatelie (Briefmarkenkunde).

9.30 Uhr: Ein Großteil der Ermittler schwärmt aus, um Nachbarn, Verwandte, Freunde und Geschäftspartner von Robert H. zu befragen. Klinkenputzen nennen das die Polizisten. Könnte ja sein, dass jemand etwas weiß, was auf die Spur des Mörders führt.

12.30 Uhr: Die Kriminaltechnik hat die Spurensicherung am Tatort fortgesetzt. Wie schon am Abend zuvor kommt Hightech zum Einsatz. Per Stafette ist eine „Sphäronkamera“ von Hildesheim nach Hameln gebracht worden. Mit dem 60 000 Euro teuren Spezialgerät, das noch nicht oft an Schauplätzen von Verbrechen eingesetzt wurde, werden Digitalbilder in einem 360-Grad-Winkel gemacht. Mit dieser Technik können Tatorte auf einem Computer-Bildschirm virtuell begehbar gemacht werden. Polizeioberkommissar Jens Petersen aus Hessisch Oldendorf ist einer der wenigen Fachleute, die diese Kamera bedienen können.

15.45 Uhr: Die Kriminaltechnik ist immer noch in der Wohnung von Robert H. zugange. Exakt 24 Stunden ist es nun her, dass die Leiche gefunden wurde. Die für den Nachmittag geplante Durchsuchung der drei am Vorabend sichergestellten Mülltonnen muss auf morgen verschoben werden. Die Experten halten nach allen Dingen Ausschau, die ihnen weiterhelfen könnten: Schon oft haben winzige Fasern und Blutspritzer, Haare, eine Zigarettenkippe, kurze Notizen oder aber gespeicherte Telefonanrufe Mörder überführt.

18 Uhr: Lagebesprechung der Mordkommission im großen Sitzungssaal des ZKD. Jeder Ermittler stellt seinen Kollegen vor, was er herausgefunden hat. Jede noch so kleine Information könnte ein wichtiger Mosaikstein sein. Ob sich die Puzzleteile zu einem Bild zusammenfügen lassen, wird sich zeigen.

20.15 Uhr: „Es wird wohl noch ein paar Stunden dauern, bis die Kollegen für heute mit ihrer Arbeit fertig sind“, sagt Kommissar Dirk Barnert, der Mitglied der Mordkommission „Phila“ ist. Hinweise auf den Unbekannten, der Robert H. getötet hat, haben die Ermittler bei Redaktionsschluss noch nicht. „Es deutet nichts darauf hin, dass der Täter Spuren der Tat an sich trägt“, sagt Moko-Leiter Axel Brünger.

Spurensuche am Tatort: Eine Kriminaltechnikerin und drei Mord-Ermittler untersuchen den Briefkasten des Opfers. Kleines Bild: Ein Polizist lässt einen Müllcontainer abholen. Mit einem Abschleppwagen wird er zum Zentralen Kriminaldienst an der Zentralstraße gebracht. Fotos: ube



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