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Hamelner Kinos und Drehorte im Spiegel der Zeit – Sonderausstellung im Museum öffnet Mittwoch

Mit Aschenbecher und Pornoecke

Hameln. „Auf dem Boden der Tatsachen liegt eindeutig zu wenig Glitzer“ hat irgendwer mal gesagt. Das ist wohl so. Was für den Alltag stimmt, wendet sich im Kino ins Gegenteil: Glamour satt auf der Leinwand oder noch besser: ein tolles Date, das den Film vergessen macht. „Die meisten Assoziationen, die wir zum Kino haben, sind positiv“, sagt Museumsleiter Stefan Daberkow, dem der Aufbau der Sonderausstellung „Film ab! Kinoträume im Weserbergland“ selbst viel Spaß gemacht hat. Der Fokus liegt dabei auf zwei Themen: Hameln und Umgebung als Drehort und die Geschichte des Kinos vor Ort.

veröffentlicht am 04.08.2015 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 13:12 Uhr

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Dorothee Balzereit

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Dorothee Balzereit Reporterin / ViaSaga zur Autorenseite
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Da ist zum Beispiel der originale Marlboro-Aschenbecher – ein Relikt aus dem City-Kino-Center (früher Monopol, später UT-Palast und Deli) und den Zeiten, als man im Kino noch rauchen durfte. Es waren die 80er Jahre, das Kino steckte in der Krise: Große Säle wurden in Schachtelkinos verwandelt und das Programm bot hauptsächlich Horror, Gewalt und Sex. Apropos Sex: Eine originale „Pornoecke“ gibt es in der Ausstellung übrigens auch – mit Lektüre und Sessel, Poster und Lampe. Denn früher musste offiziell ein Heft oder Pralinen gekauft werden, der Schmuddelfilm lief „zufällig“ nebenbei.

Noch viel früher, 1927, um genau zu sein, wurde Kino auch genutzt, um aufzuklären – Frauenarzt Dr. med. Klages aus Hameln erläutert in einem Vorfilm im Schauburg, was man vor der Heirat über die Ehe wissen muss – nur für Erwachsene, versteht sich. Zur gleichen Zeit läuft im Intimen Theater in der Osterstraße 13 „Quo vadis“ von Emil Jannings. So war das Kino immer auch ein Spiegel der Zeit. Auch in Hameln laufen in den 30er Jahren Propagandafilme, beziehungsweise Filme, die gewisse Rollenklischees transportieren. In den 50er Jahren wollen die Hamelner kollektiv vergessen und erfreuen sich an Heimatfilmen und der Komödie „Ferien vom Ich“ – 1952 in Hameln gedreht. Der Film von Hans Deppe, der den Stoff bereits in den 30er Jahren aufbereitet hatte, war als erster deutscher Farbfilm nach dem Krieg ein Vorzeigeprodukt.

Und dann ist da noch der Krimi „Der unheimliche Mönch“ von Edgar Wallace mit Karin Dor und Dunja Rajter, als Ersatz für Schloss Darkwood diente Schloss Hastenbeck. Vordergründig anspruchslos zeige der Film doch, wo die Reise damals hinging, sagt Daberkow, „er spielt sehr unterhaltsam mit kulturellen Trends“. Ganz nah dran an der Zeitgeist-Produktion waren übrigens auch Vikilu-Schüler, die als Statisten mitwirken durften.

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  • Das Monopol wurde zum Schachtelkino– aber mit Aschenbecher.
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  • Aufklärung im Schauburg mit Dr. med. Klages.
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  • Relikte aus den 80er Kino-Jahren
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Zum Filmen ins Weserbergland kommen Produzenten hauptsächlich für Krimis, Komödien und Märchenfilme. „Wasser, Wald und wunderschöne alte Mauern“, brachte Produzent Thorsten Flassnöcker die Vorteile auf den Punkt. Er drehte den opulenten Märchenfilm Allerleirau, der als einer von sechs Märchenfilmen in der ARD-Filmreihe „Sechs auf einen Streich“ lief, unter anderem im Schloss Hämelschenburg. Ein Film über die Drehorte in der Region wird im eigens eingerichteten Ausstellungskino im Museum gezeigt. Rund ein Dutzend Kinos gab es mal in Hameln (Daberkow: „Es kommt drauf an, was man mitzählt), der erste Film wurde 1897 im Monopol gezeigt. Zu Stummfilmzeiten, als das Kino „musikalisch verstärkt“ wurde, mit Piano oder Orchester. „Das Kino erfindet sich immer wieder neu“, sagt Daberkow. Heute geht der Trend in Richtung Event-Kino: beste Technik in Verbindung mit Gastronomie und einem angenehmen Platz: das Lounge Kino ist angesagt.

Die Ausstellung wird am Mittwoch, 5. August, um 17 Uhr, in der Marktkirche eröffnet. Mit dabei ist Dunja Rajter.

Der in der Sonderausstellung gezeigte Filmprojektor wurde einst für das Deli-Kino angeschafft und war auch noch im City-Kino-Center in Betrieb.

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