weather-image
11°

Nach 34 Jahren hört Fritz Krönke als ehrenamtlicher Hausmeister am Miegelweg auf

Mit 80 ist Schluss

veröffentlicht am 29.08.2016 um 18:48 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 12:53 Uhr

270_0900_11560_hm203_Hausmeister_3008.jpg
Michael Zimmermann

Autor

Michael Zimmermann Volontär zur Autorenseite
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Dass nur wenige Meter von Fritz Krönkes Terrasse die Bundesstraße 83 entlang läuft, ist auf der großen Terasse kaum zu hören. Große Bäume und Büsche liegen zwischen dem gepflegten Hof und den Autos, die über den Asphalt brettern. Man gewöhne sich daran, sagt der gelernte Gießer, der im Mai seinen 80. Geburtstag feierte. Sechs Familien in dem Haus leben hier mit ihm schon seit 53 Jahren, 34 davon ist er mittlerweile ehrenamtlicher Hausmeister am Miegelweg. Sein Vorgänger zog 1982 weg, da baten die Eigentümer ihn, sich um die 24 Wohnungen in der kleinen Seitenstraße zu kümmern.

Seitdem betreut er zum Beispiel die Heizungsanlagen, reinigt die Gullys im Hof und dreimal im Jahr auch die Biotonne. Bei Krönkes gibt es auch die Marken für die Waschküche und immer ein offenes Ohr. Bei Unstimmigkeiten mit der Hausverwaltung ist er der erste Ansprechpartner. Mit dieser sieht er sich inzwischen auf Augenhöhe. Krönke kennt sich aus und weiß sich durchzusetzen – davon zeugen nicht nur einige Gesetzbücher in seinem Wohnzimmerschrank.

In seiner Heimat im Hochsauerland lernte er seine Ehefrau Inge kennen. Als Katholik eine Protestantin zu heiraten, war damals noch ein kleiner Skandal. Von seinem Vorhaben, dass Mädchen, dass eines Tages an seinem Fenster vorbeispazierte, zu heiraten, ließ er sich dennoch nicht abbringen – auch wenn das bedeutete, dass seine Eltern der Hochzeit in Holtensen vor gut 55 Jahren fernblieben.

Viele seiner Nachbarn haben ihm auch ihre Wohnungsschlüssel anvertraut. So kann er in der Urlaubszeit nach den Pflanzen oder den Haustieren schauen, und tagsüber Handwerker reinlassen. Wenn sie nach Hause kommen, erwartet die Nachbarn dann häufig ein frischer Blumenstrauß und auch mal ein Glas selbstgekochte Marmelade. „Das alles geht natürlich nur, wenn man sich vertraut“, sagt Krönke. „Nach so vielen Jahren kennt man natürlich jeden.“

Auf das Ehrenamt legte Fritz Krönke damals viel Wert. Ohne Gehalt könne er sich die Arbeit flexibler einteilen, sagt er. Seit 37 Jahren haben Krönkes auch noch einen großen Garten in Rohrsen, der tagsüber viel Arbeit erfordere. Bei Problemen kämen die Mieter dann am Abend vorbei, erzählten von ihren Sorgen und kümmere man sich zusammen darum. Zum Geburtstag bekomme er im Gegenzug regelmäßig kiloweise Schokolade, sagt er.

Natürlich habe sich vieles verändert, seit er eingezogen ist. Die Nachbarschaft sei internationaler geworden: Die Mieter kämen zum Beispiel aus Polen, England, Italien, der Türkei, dem Irak, Russland und der Ukraine. „Aber damit kommt man klar“, findet er – trotz gelegentlicher sprachlicher Hürden. Wichtig sei, dass es klare Regeln gebe, und dass alle diese kennen. Zum Beispiel, wie das mit der Mülltrennung richtig funktioniert oder wie man seine Terrasse am besten reinigt. Hier sieht sich Fritz Krönke auch in der Pflicht, zu helfen und den Nachbarn zu zeigen, wie es richtig geht. „Was ich für das Haus tu, das tu ich ja auch für mich selbst, solange ich hier wohne“, ist er überzeugt.

Trotz einiger Krankheiten in der jüngeren Vergangenheit spielt das Alter für ihn noch keine große Rolle. Er selbst fühle sich noch lange nicht wie 80: „Man muss in Bewegung bleiben, das hält jung.“ Bis vor einigen Jahren fuhr er mit seinen Söhnen sogar noch auf dem Motorrad lange Touren durch das Sauerland.

Trotzdem gibt er sein Amt zum Jahresende ab – nicht ganz freiwillig, wie er sagt. Große Veränderungen erwartet er danach aber nicht: Sein Nachfolger werde das Haus hauptberuflich betreuen, also auch mit festen Arbeitszeiten. „Da werden die Mieter auch weiterhin oft zu mir kommen, wenn etwas ist.“



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2019
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Anzeige
Weiterführende Artikel

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare
    Kontakt
    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt