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Hamelner Fahrlehrer und Polizei kritisieren Vorschlag der CDU / Lob für „Begleitetes Fahren“

Mit 16 ans Steuer: Risiko oder sinnvoll?

Hameln (jbr). Bis nach dem Berufsverkehr am frühen Morgen der nächste Bus in die Stadt kommt, vergehen in vielen kleineren Orten oft Stunden. Wenn überhaupt noch einer fährt. Um junge Leute vor allem auf dem Land mobiler zu machen, wird jetzt in der CDU diskutiert, 16-Jährige nicht nur Moped, sondern auch schon Auto fahren zu lassen – mit einem besonderen Sicherheits-Tempolimit: Mehr als 80 Stundenkilometer sollen die Jugendlichen, so die Überlegung, nicht fahren dürfen.

veröffentlicht am 24.04.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 06.11.2016 um 13:21 Uhr

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Der Hamelner Fahrlehrer Andreas Ohrdorf hält den Vorschlag der CDU für unüberlegt: „Man darf nicht vergessen, dass Jungfahrer immer noch mit 33 Prozent an schweren Unfällen beteiligt sind“, gibt er zu bedenken. Und damit sei es ein viel zu großes Risiko, die Jugendlichen schon so jung alleine fahren zu lassen. Viel besser findet er hingegen das bereits praktizierte „Begleitete Fahren ab 17“. „Damit haben wir nur gute Erfahrungen gemacht.“ Es sei als verlängerte Lernphase anzusehen, da mit der Begleitperson immer auch ein Ansprechpartner mitfahre, der Ratschläge und Hinweise erteilen könne.

Auch der Hamelner Oberkommissar Jörn Schedlitzki beurteilt den Führerschein mit 16 kritisch. „Aus polizeilicher Sicht sei der Hinweis gegeben, dass mit dem begleiteten Fahren ab 17 eine hervorragende Regelung eingeführt wurde“, sagt er. Den bei diesem Projekt gemachten guten Erfahrungen würde eine Absenkung der Altersgrenze auf 16 Jahre jedoch entgegenstehen: „Man darf die fehlende geistige Reife und das daraus resultierende hohe Unfallrisiko in dieser Altersgruppe nicht unterschätzen“, so der Oberkommissar.

Die 15-jährige Alina Hasewinkel weiß nicht so recht, was sie von dem Vorschlag der CDU halten soll: „Auf der einen Seite ist es schon ganz gut, weil man früher mobil ist.“ Doch auch sie gibt zu bedenken, dass es aufgrund des Alters vielleicht noch zu gefährlich sein könnte, so ganz allein mit dem Auto herumzufahren. Ob sie selbst, wenn sie 16 wird, den Führerschein machen würde?

„Ja, wenn meine Eltern es erlauben, auf jeden Fall.“ Für sie spielt dann, wie für viele Jugendliche in ihrem Alter, der lange Weg zur Schule eine Rolle. „Da ich bald auf eine Schule gehen werde, die weiter weg ist, wäre es natürlich eine große Zeitersparnis, wenn ich schon allein fahren dürfte.“

Henrik Fisser hat ein ganz anderes Argument, warum der Führerschein mit 16 vielleicht doch keine so schlechte Idee wäre: „Für viele Jugendliche könnte es ein Anreiz dafür sein, um auf dem Land wohnen zu bleiben, auch wenn die Lehrstelle in der Stadt ist“, so der 16-Jährige. Aber auch er sieht die Gefahrenpotenziale: „Es sollte einen Test geben, in dem die Reife der jungen Führerscheinanwärter überprüft wird.“

Fahrlehrer Ohrdorf gibt noch etwas anderes zu bedenken: „Wie soll es in die Praxis umgesetzt werden, dass 16-Jährige nur 80 Stundenkilometer fahren dürfen?“ Das wird die CDU vielleicht in den nächsten Tagen beantworten.

Können Jugendliche in Zukunft schon mit 16 Jahren ihren Führerschein machen? Das zumindest schlägt die CDU vor.

Foto: Bilderbox



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