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Warum auch das Pflanzen von Bäumen in den Reihen der Politik für Verstimmung sorgen kann

Missklang im Hamelner Hochzeitswald

Hameln (ni). Eigentlich freuen sich Ursula Wehrmann und Gerhard Paschwitz immer, wenn in Hameln ein Baum gepflanzt werden soll. Die Grüne und der Christdemokrat sind in diesem Punkt ganz überparteiliche Geschwister im Geiste. Als jetzt aber die Bürgerliste vorgeprescht ist und ausgerechnet „ihren“ Hochzeitswald am Tag des Baumes mit ein paar Eichen bereichern will, waren die beiden doch ein wenig verschnupft. „Man hätte ja auch auf uns zugehen und uns in diese Aktion einbinden können“, beschwerten sie sich bei Bürgerlisten-Fraktionschef Fritz Rieger. Doch der wusste überhaupt nicht, warum er sich den Unmut der beiden zugezogen hatte.

veröffentlicht am 14.04.2010 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 10.11.2016 um 13:21 Uhr

U. Wehrmann
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„Ich hatte keine Ahnung von der Aktion“, sagt Rieger treuherzig. Der Aufruf der Bürgerliste, den Tag des Baumes am 25. April zum Anlass für eine Pflanzaktion „mit Kaffee und Kuchen“ zu nehmen und damit den Hamelner Hochzeitswald wieder bekannter zu machen, sei nämlich gar nicht von der Fraktion ausgegangen. Sondern offenbar von Stefan Schulze initiiert worden, dem zweiten Vorsitzenden des Vereins Bürgerliste. „Ich hab’s auch erst aus der Zeitung erfahren“, so Rieger. Was wiederum Wehrmann und Paschwitz nicht ahnen konnten, weil sich das Vereinsmitglied Schulze für die Ankündigung der Aktion des Bürgerlisten-Fraktionsmitarbeiters Dieter Kersting bedient hatte und dieser den Aufruf zum Bäumchenpflanzen so hat aussehen lassen, als sei er auf Riegers Mist gewachsen.

Warum Wehrmann und Paschwitz ein bisschen ungehalten waren, erklärt sich vielleicht aus der Geschichte des Hamelner Hochzeitswaldes. Paschwitz hat ihn 1988 „angeschoben“ und kann somit die Vaterschaft für sich beanspruchen. In der Anfangszeit lief auch alles reibungslos: Brautpaare pflanzten auf der einen Hektar großen Fläche oberhalb des Tierheims ihren Baum, die Stadt hielt den Wildwuchs auf dem Areal kurz. Irgendwann wurde das der Verwaltung zu teuer, das Gelände wucherte zu und geriet mehr und mehr in Vergessenheit. Im Jahr 2006 reaktivierten Paschwitz und Wehrmann den Hochzeitswald. In Cord von Mengerssen fanden sie einen freundlichen Helfer. Er erklärte sich bereit, die freie Fläche regelmäßig zu mähen – gratis – und so die Stadt von den Pflegekosten zu entlasten. Das Standesamt erklärte sich bereit, jedes Brautpaar auf die Möglichkeit hinzuweisen, ihren Bund fürs Leben auch mit dem Pflanzen eines Baumes im Hochzeitswald besiegeln zu können.

„Anfang des Jahres haben wir Herrn von Mengerssen wieder angesprochen und von ihm die Zusage erhalten, dass er auch in diesem Jahr wieder mäht“, sagt Wehrmann und macht damit deutlich: „Nur mit dem Pflanzen ist es nicht getan, man muss sich auch kümmern.“ Weil Paschwitz und sie das all die Jahre stillschweigend getan haben, waren sie auch ein wenig verstimmt, als sie jetzt von der Bürgerliste lesen mussten, sie wolle mit ihrer Pflanzaktion dem Hochzeitswald „zu neuem Leben verhelfen“ und ihn „wieder bekannter machen“.

G. Paschwitz
  • G. Paschwitz
F. Rieger
  • F. Rieger

Fritz Rieger amüsiert sich über die Aufregung und beruhigt die Gemüter: „Wir wollen uns den Hochzeitswald doch nicht zu eigen machen, sondern nur ein paar Bäume pflanzen.“ Das wollen Wehrmann und Paschwitz („schon lange geplant“) übrigens auch. Wehrmann hat beim Kreisverband der Grünen Geld für eine Eiche lockergemacht. Paschwitz steuert ebenfalls eine bei. Sohn Christian hat kürzlich geheiratet und wird den Baum pflanzen, wenn er das nächste Mal in Hameln zu Besuch ist.



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